Der weltgrößte Chiphersteller treibt den Markt nach oben
Intel kehrt zur Normalität zurück

Schon zum zweiten Mal in den vergangenen drei Wochen sorgt Intel für gute Stimmung am Markt: In seinem Bilanzzwischenbericht kündigte der weltgrößte Computerchip-Hersteller Ende vergangener Woche an, im laufenden Quartal zwischen 7,6 Mrd. $ und 7,8 Mrd. $ zu verdienen.

HOUSTON. Analysten hatten bislang im Durchschnitt mit 7,6 Mrd. $ gerechnet. Bereits Ende August hatte Intel überraschend seine damalige Quartalsprognose erhöht, weil die Nachfrage nach Prozessoren höher sei als erwartet und gleichzeitig die Produktionskosten zurück gegangen seien. Intel-Chef Craig Barrett warnte allerdings nur wenige Tage später vor verfrühtem Optimismus: „Das dritte Quartal wird besser als erwartet, aber ob sich dieser Trend auch im vierten Quartal fortsetzen wird, wissen wir noch nicht.“

Der Markt reagierte dennoch euphorisch auf die Nachrichten: Nach Veröffentlichung der Zwischenbilanz kletterte der Aktienkurs zeitweise über 29 $, nachdem er bereits Ende August rund 15 % zugelegt hatte. Damit erreichte die Intel-Aktie den höchsten Stand seit vierzehn Monaten. Zahlreiche andere Technologiewerte profitierten ebenfalls von Intels Aufwärtssog, so dass der Technologieindex Nasdaq in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit fast eineinhalb Jahren.

Mehrere Analysten großer US-Banken werten die positiven Neuigkeiten bei Intel als Indiz dafür, dass die Probleme des Technologiesektor in den vergangenen Jahren endlich zu Ende sind. Denn die Prozessoren der kalifornischen Firma finden sich inzwischen weltweit in rund 80 % aller Personal-Computer (PCs) und sind damit ein Indikator für die Gesamtnachfrage auf dem Technologiemarkt. „Intel spürt zurzeit die positiven Auswirkungen einer steigenden Weltwirtschaft“, sagt Gus Richard, Analyst beim Bankhaus First Albany. Er erhöhte jüngst seine Gewinnprognosen für die nächsten Quartale und auch für das Gesamtjahr. Gleichzeitig hob Richard sein Zwölfmonats-Kursziel für den Chiphersteller von 27 $ auf 32 $ an - im Vergleich zum aktuellen Kurs ein Plus von fast 25 %.

Zu dem erwarteten Kursgewinn soll unter anderem der lang ersehnte Aufrüstungszyklus beitragen, wenn Firmen und Privatkunden ihre alten Computer durch neue Modelle ersetzen. Experten wie Analyst Mark Lipacis von Prudential Securities gehen davon aus, dass diese Phase nun begonnen hat und sich in den nächsten Quartalen weiter fortsetzen wird. Damit gelten die PCs als wichtigster Antrieb einer möglichen Erholung in der Branche.

Dass Intels Prognose bereits relativ früh im Quartal so positiv ausfällt, werten die Analysten als besonders gutes Zeichen. „Normalerweise kommt ein großer Teil der Einnahmen erst zu Ende des dritten Quartals“, sagt John Barton von Wachovia Securities. „Diesmal hat Intel bereits nach den ersten sieben Wochen eine überdurchschnittliche Stärke bei der PC-Nachfrage verzeichnen können. Auch der Bruttogewinn verbesserte sich kräftig."

Andere Marktexperten bleiben jedoch skeptisch, ob die aktuellen Zahlen tatsächlich für mehr stehen als nur für ein ungewöhnlich gutes Quartal. Sie schätzen, dass verschiedene Einzelfaktoren zu den starken Umsätzen geführt haben: Analyst Krishna Shankar von JMP Securities etwa erwartet, dass ein großer Teil der Einnahmen von überdurchschnittlichen Umsätzen zum Schuljahresbeginn stammen. Die so genannten „Back-To-School“-Verkäufe sind für die US-Einzelhändler inzwischen zur zweitwichtigsten Saison des Jahres nach dem Weihnachtsgeschäft geworden.

Intel-Chef Barrett warnte vor zwei Wochen sogar selbst: Möglicherweise sehen wir im Moment nur die Rückkehr zur Normalität nach den Ausfällen durch die SARS-Krankheitsfälle im zweiten Quartal.“ Denn etwa 40 % der Konzerneinnahmen stammen aus asiatischen Ländern, die von der Krankheitswelle im Frühjahr besonders betroffen waren.

Angaben des US-Branchenverbands der Halbleiterindustrie sprechen jedoch dafür, dass sich der gesamte Halbleitersektor über einen steigenden Absatz freut. Im Juli stiegen die Verkäufe verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als 10 % und lagen damit zum fünften Mal in Folge über dem Vormonat. Auch Gus Richard rechnet weltweit mit steigenden Umsätzen: „Die Wachstumsmärkte wie China, Indien und Osteuropa treiben die Nachfrage bei den traditionellen Tischcomputern an, und auf den gesättigteren Märkten wie Nordamerika, Europa und Japan steigt der Absatz von Notebooks.“

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