Derivate und Wandelanleihen
Ohne einzelne Titel vom Aktienmarkt profitieren

Auch in turbulenten Zeiten können Anleger ihr Depot auch ohne Verkäufe absichern. Derivate und Wandelanleihen sorgen schon seit hunderten von Jahren für einen Sicherheitspuffer.

FrankfurtImmerhin: Es gibt wieder einige Hunderttausend Aktionäre und Aktienfondsbesitzer mehr in Deutschland. Zumindest im ersten Halbjahr 2011 zählte das bankennahe Deutsche Aktieninstitut wieder 8,3 Millionen direkte und indirekte Anteilseigner von Produktivkapital im Land. Das sind 136.000 mehr als Ende vergangenen Jahres oder 12,8 Prozent der Menschen in Deutschland, die älter als 14 Jahre sind. Ob diese Gruppe aber in den vergangenen Wochen des Börsenbebens ihren Dividendentiteln oder Aktienfonds treu geblieben ist, bleibt abzuwarten. Seit 2001, dem Jahr mit den historisch meisten Aktionären im Land, sind eine gute Million wieder abgesprungen.

Ein Depot absichern kann man aber auch ohne Verkäufe mit Hilfe von Derivaten. Auch Wandelanleihen bieten eine Teilnahme am Aktiengeschehen mit Sicherheitspuffer. Schon seit Jahrhunderten gibt es Wege, von den Bewegungen des Aktienmarkts zu profitieren, ohne einzelne Titel zu besitzen.

Derivate beispielsweise gibt es seit mehr als 500 Jahren. Der Handel mit solchen Vorkaufsrechten begann mit der Gründung der ersten reinen Warenterminbörse der Welt, der britischen "Royal Exchange" im Jahre 1571. Mit Hilfe von Optionen auf Waren konnten Käufer und Verkäufer ihre Preise langfristig besser kalkulieren. Einen Schub bekam der Optionshandel Anfang des 17. Jahrhunderts, als die Holländische Ostindische Handelskompagnie Optionen ausgab, um ihre wachsende Handelsflotte zu finanzieren. Mit den Optionen erwarben Investoren das Recht, zu einem vorher festgelegten Preis Ware aus den Kolonien kaufen zu können.

Der Preis für die Optionen war so kalkuliert, dass der Optionsverkäufer aus dem Erlös seine Mannschaft und Ausrüstung bezahlen konnte und so schon einen Teil seines Risikos abgedeckt war. Der Optionsmarkt war geboren und wird seitdem immer weiter verfeinert. Seit 1860 werden an der Chicago Board of Trade (CBOT) standardisierte Terminkontrakte gehandelt. Die CBOT ist damit die älteste Terminbörse der Welt.

Auch Wandelanleihen sind ein schon seit langem bekanntes Finanzierungsinstrument. Diese Wertpapiere, die die ausgebende Gesellschaft meist mit einem Nominalzins ausstattet, gewähren dem Besitzer das Recht, sie während einer Wandlungsfrist zu einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien einzutauschen. Als eine der Ersten emittierte 1843 die New York and Erie Railroad Company eine Anleihe mit Wandlungsrecht auf ihre Aktien.

Bis zur Jahrhundertwende gaben neben den Eisenbahngesellschaften lediglich drei Industrie- und zwei Versorgerunternehmen Wandelanleihen aus. Die Emissionstätigkeit von Industrieunternehmen verstärkte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als namenhafte Gesellschaften wie AT&T und General Electric in größerem Umfang Wandelschuldverschreibungen begaben.

Auch die ersten Aktienfonds, also Anteile an einem Korb aus mehreren Dividendentiteln, gab es bereits im 19. Jahrhundert in Schottland und England. In den USA wurden die ersten Fondshäuser nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, in Deutschland entstand die ersten Fondsgesellschaft 1949. Vor gut 60 Jahren kam der allererste Fonds auf deutsche Aktien auf den Markt. Erst ein Jahrzehnt später folgten andere Fondsarten und die Möglichkeit, regelmäßig Kapital in Fonds anzusparen. Die Idee, die breite Bevölkerung auch mit kleinen Anlagesummen am Produktivkapital der Gesellschaft zu beteiligen, gewann allmählich Kontur.

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