Deutsche Aktien stehen im Ausland hoch im Kurs – Regierungswechsel könnte Trend verstärken
Großinvestoren hoffen auf Merkel

Marktstrategen und Fondsmanager an der Wall Street, in London oder Tokio beobachten derzeit die politische Szene in Deutschland sehr genau. Sie wissen alles über die Mehrwertsteuerpläne der Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel, die Mehrheitsverhältnisse in Bundesrat und Bundestag und die neue Linkspartei.

HB DÜSSELDORF. Fast unisono hoffen die ausländischen Investoren, dass bei den Neuwahlen am 18. September Christdemokraten und FDP gewinnen, weil sie sich von einer schwarz-gelben Koalition ein höheres Reformtempo erhoffen. Dann könnte der deutsche Aktienmarkt, der noch immer als unterbewertet gilt, rasch aufholen. Doch Ereignisse wie Bundestagswahlen haben auf den Aktienkurs nur kurzfristige Effekte. Das sollten langfristig orientierte Anleger im Blick behalten.

Zunächst aber ist Deutschland bei Investoren groß im Kommen. In Erwartung, dass Schwarz-Gelb gewinnt, haben Investmentbanken und Fondsmanager deutsche Wertpapiere in ihren Portfolios bereits höher gewichtet. "Das wäre der beste Ausgang der Wahlen, was strukturelle Reformen betrifft und würde auch den deutschen Aktien die beste Kursentwicklung bringen", sagt Marktstratege Peter Oppenheimer von Goldman Sachs in London. Eine konservative Regierung würde den Einfluss der Gewerkschaften mindern und die Personalnebenkosten der Unternehmen drücken, schätzt er. Oppenheimer rechnete jüngst vor, dass die Personalkosten in Deutschland mit einem Anteil von etwa 18 Prozent am Gesamtumsatz heute noch höher sind als in Großbritannien vor zehn Jahren. Deutsche Firmen hätten deshalb schlechte Gewinnspannen, aber die Aktien seien auch unterbewertet. Würde eine neue Regierung es schaffen, die Personalkosten zu senken, dann wären deutsche Aktien, bezogen auf die Gewinnmargen, sogar noch günstiger. "Wir glauben nicht, dass das alles schon mit den jüngsten Kursgewinnen eingepreist wurde", meint Oppenheimer.

Große Koalition bei Investoren nicht geschätzt

Doch zum einen ist offen, ob tatsächlich Schwarz-Gelb gewinnt. Hinzu kommt die Frage, ob eine neue Regierung es schafft, tatsächlich die Reformen durchzusetzen. "Wir hatten hier an der Wall Street niemals das Gefühl, dass in Deutschland die tiefgreifenden Reformen stattfinden werden, die nötig wären" , meint der ökonomische Berater der Hypo-Vereinsbank in New York, Roger Kubarych. Er vergleicht die US-Wirtschaftswachstumsrate von zuletzt 3,4 Prozent mit dem Nullwachstum in Deutschland. Der Unterschied rühre daher, dass der Arbeitsmarkt in den USA wesentlich besser funktioniere. Zwei Drittel aller Arbeitssuchenden hätten in seinem Heimatland innerhalb von drei Monaten wieder einen neuen Job. "Je flexibler der Arbeitsmarkt, umso leichter gründen sich neue Unternehmen, das sorgt für Wachstum und stützt auch die Aktienmärkte", argumentiert er. Kubarych bezweifelt, dass eine dünne schwarz-gelbe Mehrheit umwälzende Schritte durchsetzen könnte.

Käme es zu einer großen Koalition, wären die Entscheidungsprozesse noch langwieriger. Die Aussicht, dass eine starke Linkspartei Sozialdemokraten und Christdemokraten zum Zusammenschluss zwingen könnte, hat den Marktstrategen der japanischen Nomura-Bank, Tetsuro Hattori, bereits veranlasst, seine Empfehlung, deutsche Aktien überzugewichten, wieder ein Stück weit zurückzunehmen. "Wenn Frau Merkel es nicht schafft, die Mehrheit zu gewinnen, dann wäre das für die Kapitalmärkte eine große Enttäuschung, sagt er. Hattori meint, die Vorschusslorbeeren für eine konservative Regierung seien in den gegenwärtigen Kursen schon weitgehend enthalten. Im Juli habe der Dax mit einem Plus von 6,6 Prozent deutlicher zugelegt als der französische CAC 40 mit 5,2 Prozent und der britische FTSE mit 3,1 Prozent.

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