Deutsche Anlegermessen
Revolvermarkt in Halle 8b

Große Fondsgesellschaften sucht man auf der Düsseldorfer Anlegermesse IAM vergeblich. Dafür bot die am vergangenen Wochenende stattfindende IAM, ebenso wie die Stuttgarter Invest, eine Plattform für Zockeraktien. Wie riskante Pennystocks mit prominenter Unterstützung deutsche Anleger erobern.

DÜSSELDORF. Rohdiamanten - bitte mitnehmen! In einem Glas offeriert das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen weißen und braunen Zuckerguss, der Edelsteinen verblüffend ähnlich sieht. Doch wenige Schritte weiter reden krawattierte PR-Experten und Hostessen in Kostümen von echten Diamanten, die sie in Liberia fördern wollen - und von Öl in der Mongolei, Uran in Namibia, Öl in Jemen, Molybdän in Kanada, Zucker in Peru und Gold in Guyana.

Die Düsseldorfer Anlegermesse IAM, die an diesem Wochenende für drei Tage ihre Tore geöffnet hatte, bietet das, was auch die Stuttgarter Invest bieten muss, um im Geschäft zu bleiben: Eine Plattform für Zockeraktien. Große Fondsgesellschaften sucht man auf der IAM vergeblich. Statt Deka, DWS, Templeton präsentieren sich unter den 170 Ausstellern in Halle 8b auf der IAM auch Unternehmen wie Energymixx, Uranium 308, www.rohstoffraketen.de oder African Queen im "Themenpark Rohstoffe".

Die meisten der knapp 40 Unternehmen dieses Themenparks - Ausstellerjargon: "Der Minenstrich" - haben eine Menge Gemeinsamkeiten: Sie sind Pennystocks mit einem Börsenkurs von unter einem Euro, haben noch nie eine Unze aus dem Boden geholt und erwirtschaften hohe Verluste, weil viel Geld für die Fixgehälter des Managements sowie Investor-Relations-Aktivitäten wie eben den Messen in Deutschland drauf geht.

Das Geld ist gut angelegt. Hier erzählen inzwischen auch Anlageberater in der Provinz vom Superzyklus der Rohstoffe. Den gibt es vielleicht wirklich. Doch hier hat es sich im Gegensatz zu den USA noch nicht herumgesprochen, wie das Spiel mit den Pennystocks meist läuft: Vorstände kassieren üppige Bezüge, Altaktionäre wollen möglichst teuer Kasse machen. Ist das Geld aus, werden einfach aberwitzige Investmentideen erfunden und neue Aktien ausgegeben.

Um das Ganze auf der dazugehörigen Extra-Bühne auch volkstümlich zu verkaufen, haben sie einen engagiert, der auf vielen anderen Bühnen wegen seines chronisch überbordenden Optimismus und seiner flachen Börsenweisheiten schon längst keinen Platz mehr hat: Heiko Thieme. Sich selbst nennt er auf seiner Internetseite "international anerkannter Anlagestratege", seit 1972 im Börsengeschäft. Das "Manager Magazin" nannte ihn 2002 "einen der größten Geldvernichter der Fondsindustrie", das Wirtschaftsmagazin Capital 2006 einen "Schaumschläger".

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