Deutsche Börse
Die Chinesen kommen

Der Bambusproduzent Asian Bamboo plant als zweiter chinesischer Konzern sein Listing an der Deutschen Börse. Nachdem bereits der Zhong-De-Konzern erfolgreich in Frankfurt gestartet ist, möchte Asian Bamboo nun nachziehen. Das Unternehmen glänz dabei mit Ambitionen.

FRANKFURT. Börsenneulinge aus dem Reich der Mitte zieht es nach Frankfurt. Nach dem Erfolg des chinesischen Anlagenbauers Zhong De steht der nächste Kandidat in den Startlöchern: Der Bambus-Produzent Asian Bamboo lotet die Einzelheiten für den Börsengang im Top-Segment Prime Standard der Deutschen Börse aus. „Wir führen derzeit viele Gespräche und hoffen, dass der Börsengang sehr schnell klappt“, sagte Finanzvorstand Edmund Chan gegenüber dem Handelsblatt.

Die Asian Bamboo AG ist die Hamburger Holding dreier chinesischer Gesellschaften, die Bambus zum einen als Nahrungsmittel, zum anderen als Rohstoff für die Möbel-, Papier- und Bauindustrie produzieren. Noch kommt der weitaus größere Umsatzanteil aus dem Bereich Nahrungsmittel, mittelfristig sollen beide Teile jedoch etwa gleich groß sein.

Ähnlich wie Zhong De will auch Asian Bamboo mit immensen Wachstums- und Gewinnmargen die Investoren überzeugen. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen, das 271 Mitarbeiter beschäftigt, seinen Umsatz um 65 Prozent auf umgerechnet rund 11,5 Mill. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt auf rund 4,5 Mill. Euro, was einer Ebit-Marge von 39 Prozent entspricht. Möglich ist die im Vergleich zu hiesigen Gewinnmargen enorme Profitabilität durch die geringen Löhne in China. Weil zudem die Steuerrate sehr niedrig ist, steht am Ende eine Nettogewinnmarge von 38,8 Prozent.

Gleich mehrere Gründe sprechen dafür, dass vergleichbare Wachstumsraten auch in Zukunft realistisch sind. Zum einen wächst in Europa und den USA im Zuge der Bio-Welle die Nachfrage nach Bambus-Wurzeln und -Sprossen – nur sie eignen sich zum Verzehr. Bislang ist vor allem Japan Hauptabnehmer dieser Spezialitäten.

Des weiteren gilt gerade in China die schnell wachsende Bambuspflanze als ideales Substitut für Holz im Bereich der Bauwirtschaft. Dort wird seit Jahren etwa doppelt so viel Holz verbraucht wie im Land selbst produziert wird, weshalb China heute bereits als der größte Holzimporteur der Welt gilt. Nach Schätzungen des WWF dürfte die Volksrepublik diese Position bis zum Jahr 2030 noch deutlich ausbauen. Weil die Regierung aber auf der Gegenseite die Quote der zur Abholzung freien Flächen streng beschränkt, wird die Nachfrage nach Bambus immer größer.

Als Konsortialführer soll Marktgerüchten zufolge ebenso wie bei Zhong De wieder das Bankhaus Sal. Oppenheim fungieren. Bei der Bank selbst reagierte man auf Nachfrage zurückhaltend. Es sei eine mögliche Option, dass die Bank auch diese Emission aus China an die Börse bringen wird, hieß es. Wolfgang Jensen, Chef des Investment-Bankings bei Sal. Oppenheim, hatte vor wenigen Tagen im Handelsblatt-Gespräch angekündigt, dass sein Haus zwei Börsengänge aus China für das vierte Quartal an der Deutschen Börse vorbereitet. Gemeinsam mit dem Börsenbetreiber rührt die Bank seit diesem Jahr im Reich der Mitte kräftig die Werbetrommel für ein Listing in Deutschland. Bislang hatte bei diesem Thema die Londoner Börse die Nase weit vorn. Weil Zhong De als Türöffner jedoch am deutschen Markt bei Investoren großes Interesse gefunden hat, spekulieren chinesische Unternehmen darauf, hier künftig höhere Volumina platzieren zu können als dies beispielsweise an ihrem bisher favorisierten Börsenplatz, dem Alternative Investment Market (AIM) in London, der Fall war.

Die Aktie von Zhong De erwies sich bislang als solides Investment. Die zu 26 Euro am obersten Ende der Preisspanne ausgegebene Aktie notierte gestern bei knapp 29 Euro. Stephan Wulf von Sal. Oppenheim sieht 33 Euro als Kursziel für die Aktie als realistisch an. 15 der 17 restlichen Unternehmen, die in diesem Jahr an die Börse gingen, notieren im Moment dagegen im Minus.

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