Deutschen Anbieter fehlt die Expertise
Ausland dominiert Hedge-Funds-Branche

Internationale Anbieter werden nach Ansicht von Experten in den kommenden Jahren ihren Marktanteil sichern.

FRANKFURT/M. Das Geschäft mit Hedge-Funds für institutionelle Investoren wie Banken und Versicherungen bleibt nach Ansicht von Experten auch nach der Zulassung dieser Produkte in Deutschland eine Domäne der ausländischen Anbieter. „Die Hedge-Funds-Industrie außerhalb Deutschlands, die vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum kommt, besteht schon seit Jahren und ist sehr erfolgreich,“ begründet Wolfgang Matis, Chef der Division Global Markets der Deutschen Bank seine Einschätzung. „Eine deutsche Hedge-Funds-Industrie und Hedge-Funds-Kultur gibt es noch nicht. Den deutschen Anbietern, die nun an den Start gehen wollen, fehlen die Expertise und die erfolgreiche Historie (Track Record), die bei der Vergabe der Mandate eine entscheidende Rolle spielt.“

Noch deutlicher wird Dietmar Bahr, Mitglied des Vorstands der Jung DMS & Cie AG und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Alternativer Investments (BAI): „Keine deutsche Institution wird derzeit ihr Mandat an einen deutschen Hedge-Funds vergeben.“ Bis deutsche Anbieter Fuß fassen können, werden nach Ansicht von Matis noch mindestens zwei Jahre vergehen. „Die Zahl an Anbietern wird sehr gut überschaubar sein“, so der Deutsch-Banker.

Etwas zuversichtlicher ist Michel Jacquemai, Leiter der Hegde- Funds-Aktivitäten der Partners Group: „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der ein oder andere derzeit noch angestellte deutsche Hedge-Funds-Manager aus London oder New York zurück nach Frankfurt kommt und sich selbstständig macht.“ Diese hätten dann auf Grund der Erfahrung im Geschäft und den vorhandenen Kundenbeziehungen eine gute Chance. Die Partners Group kooperiert mit der Union Fonds Holding.

Ab dem 1. Januar 2004 dürfen Hedge-Funds laut Investmentmodernisierungsgesetz auch in Deutschland angeboten werden. Die deutsche Finanzdienstleistungsbranche hofft dadurch auf einen Schub für den Finanzplatz Deutschland, da diese Produkte an den konkurrierenden Plätzen New York oder London schon lange erhältlich sind. Zum anderen erwarten führende Asset Manager ein Absatzpotenzial von mehreren Milliarden Euro allein im kommenden Jahr. Während für institutionelle und vermögende Kunden auch einzelne Fonds, die nur eine bestimmte Strategie verfolgen (Single-Strategy-Hedge-Funds) aufgelegt werden können, greifen die Anbieter im breiten Massenkundengeschäft voraussichtlich vor allem auf Dachfonds zurück. Diese investieren in mehrere Hedge-Funds mit unterschiedlichen Strategien und vermindern so das Risiko, verlangen meist aber hohe Gebühren

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Das Interesse an Hedge-Funds aus Kundensicht sowohl auf der institutionellen Seite als auch im Massenkundengeschäft ist enorm. „In fünf Jahren gibt es kein Portfolio mehr, ohne einen gewissen Hedge- Funds-Anteil“, schätzt Jacquemai. Allerdings muss auf der Retailschiene noch erheblich für das bislang kaum bekannte Produkt geworben werden. „Das Produkt Hedge-Funds ist noch nicht richtig zu vermarkten“, sagt Matis. Hier spielt die Marke eine sehr große Rolle, denn sie schafft das notwendige Vertrauen. „No Names, die jetzt starten, werden es sehr schwer haben“, so Jacquemai.

Deswegen erwartet Matis, dass sich im Massenkundengeschäft die führenden deutschen Anbieter durchsetzen werden. Dabei werden Anbieter wie DWS oder DIT zunächst auf Expertise aus dem eigenen Haus setzen und sich kein Know-how von außen einkaufen: „Das liegt am speziellen deutschen Recht. Sollte etwas schief gehen, haftet die Kapitalanlagegesellschaft dafür. Deswegen vertrauen sie den eigenen Leuten“, rechnet Bahr. „Single-Strategy-Hedge-Funds für Privatanleger sind eine sehr gewagte Sache“, meint auch Matis.

Neugründungen ausländischer Hedge-Funds in Deutschland wird es vorläufig nicht geben. „Die können ihre Produkte, die sie schon seit Jahren anbieten, auch von Amerika aus über deutsche Institute vertreiben“, sagt Matis. Für viele der kleineren Anbieter seien die Auflagen für die Zulassung des Geschäftsbetriebs und der Produkte zu hoch und kosteten zu viel, heißt es. „Das Investmentsteuergesetz setzt strikte Transparenzanforderungen, die von ausländischen Hedge-Funds-Anbietern kaum erfüllt werden können“, so die Experten von Booz Allen Hamilton.

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