Trends
Dexia baut Deutschland-Geschäft bei nachhaltigen Investments aus

Die belgisch-französische Dexia Asset Management, eine der großen Fondsgesellschaften Europas, expandiert nach Deutschland, um auf dem Markt für nachhaltige, ökologisch und sozial verantwortliche Geldanlagen eine wichtige Rolle zu spielen. Wettbewerber begrüßen das und erwarten von dem Markteintritt des europäischen Schwergewichts eine Stimulanz für das im Vergleich zum europäischen Ausland noch kleine Segment.
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„Wir erwarten, dass der Anteil der nachhaltig verwalteten Gelder in Deutschland in den nächsten Jahren von bisher lediglich einem Prozent auf fünf bis zehn Prozent wachsen wird“, begründet Roland Kölsch, Fondsmanager Sustainable und Responsible Investment (SRI) von Dexia AM in Brüssel, die Eröffnung einer Niederlassung in Frankfurt und die Initiative der Bank in diesem Segment.

Im Bereich nachhaltiger Investments gehört Dexia europaweit zu den Marktführern. Sie verwaltet 4 Mrd. Euro in 22 Nachhaltigkeitsfonds und 10 Mrd. Euro in Mandaten, die sich neben finanziellen auch nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien richten. Zusammen sind das 14 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens.

Dexia nimmt vor allem institutionelle Anleger ins Visier. Zwar ist das Marktsegment in Deutschland anders als in Benelux, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien klein. „Doch wir sehen ein stark steigendes Interesse institutioneller Anleger und wurden von großen Investoren angesprochen“, berichtet Kölsch.

Einen Anstoß gebe die Pflicht für Pensionskassen und Direktversicherungen, ihre Kunden zu informieren, ob und wie sie nachhaltige Kriterien verwenden. Anfangs hätten sich die Anbieter zwar gegen ökosoziale Anlagen entschieden, weil sie Renditenachteile befürchteten. „Doch inzwischen erwiesen die meisten Studien, dass Performance und Risikoverhältnisse nachhaltiger Produkte wettbewerbsfähig sind“, sagt Kölsch. Dadurch komme der Markt für Altersvorsorgeprodukte in Bewegung.

Neben den in Deutschland zugelassenen 16 Fonds will das Institut Großanlegern maßgeschneiderte Produkte offerieren. „Wir bieten großes Know-how vom Negativ-Sreening bis zum Best-in-Class-Reseach und können Großkunden und Partnern binnen zwei bis drei Monaten individuelle Produkte liefern.“ Seine zehnjährige Erfahrung bescherte Dexia kürzlich das Mandat, für die staatliche französische Pensionskasse FRR 120 Mill. Euro fünf Jahre nachhaltig zu verwalten.

Wie wichtig der Anbieter das Marktsegment nimmt, wird auch daran deutlich, dass er in diesen Wochen drei weitere Nachhaltigkeitsanalysten einstellt. Das dann elfköpfige Team ist fast genauso groß wie das der Finanzanalysten. Aus 1800 Unternehmen ermittelt es ein hinsichtlich Nachhaltigkeit gut abschneidendes Drittel. Die Fondsmanager wählen daraus die finanzstärksten Titel.

Wettbewerber begrüßen den Markteintritt von Dexia. „Jeder Neue im Markt steigert die Aufmerksamkeit für das Thema und weckt Interesse bei Anlegern“, meint Volker Weber, Direktionsmitglied der Schweizer Swisscanto. In Deutschland hat sie das nachhaltige Fondsvermögen seit Anfang 2004 auf 830 Mill. Euro vervierfacht. „Wir werden die Milliardengrenze zu Jahresende knacken“, sagt Weber. Im Januar will das Institut einen Klimafonds und im Jahresverlauf zwei spezielle Fonds für Großanleger auflegen. In nachhaltigen Fonds, Mandaten und Pensionsgeldern hat es 4,5 Prozent des verwalteten Vermögens platziert.

„Der zusätzliche Wettbewerber in einer Nische, die sich ausweiten wird, ist gut, denn das löst ein Nachdenken in der Branche aus“, pflichtet Renate Braun bei, Vorstandschefin der Sparkasse Passau. Bei Direktbanken und Ökosupermärkten sei es auch so gewesen: vor zehn Jahren ein unbeachtetes Thema, seien sie heute nach den Erfolgen der Innovatoren ein ernst zu nehmende Faktoren. Die Sparkasse Passau bietet bisher nur Privatanlegern nachhaltigkeitsorientierte Produkte.

„Dexia kann in Deutschland aber nur erfolgreich sein, wenn sie sich in den großen Vertriebskanälen positioniert, bei Beratern, die die Produkte aktiv anbieten“, schränkt Dirk Degenhardt ein, Leiter Produktmanagement der Deka-Gruppe. Auch sie will ihr Geschäft ausweiten: „Wir planen für 2007 einen eigenen Publikumsfonds, der die Themen Umweltschutz, Klimaschutz und alternative Energien aufgreift.“ Bislang bietet sie nur Nachhaltigkeitsfonds von Swisscanto an.

Die WestLB, die als Broker ihr Nachhaltigkeitsresearch an die Belgier und andere Anbieter verkauft, begrüßt die Expansion. „Jeder Kunde, der sein Geschäft mit nachhaltigen Investmentprodukten geografisch ausdehnt, kann dem deutschen Markt, der im europäischen Vergleich im Hintertreffen ist, nur gut tun“, sagt Hendrik Garz, Leiter SRI-Research der WestLB. Für sein Institut berge das neue Geschäftschancen, weil es Interesse für sein Research wecke. Die WestLB gehört noch nicht zu den Anbietern nachhaltiger Anlageprodukte.

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