Die Aktienkurse einiger ganz großer Unternehmen sind noch weit von ihren Höchstständen entfernt
Schwergewichte bieten noch Chancen

Rund 60 % hat der Deutsche Aktienindex (Dax) seit dem Tief im März zugelegt. Ein erneuter Zuwachs in diese Größenordnung fehlt dem Dax noch zum Allzeithoch vom März 2000. Weit schlechter liegen jedoch Schwergewichte wie Deutsche Telekom und Allianz im Rennen.

DÜSSELDORF. Sie notieren fast 80 bis 90 % unter ihrem Hoch und gehören zu den Werten mit der schlechtesten Performance seit dem Frühjahr 2000. Ähnlich verzerrt stellt sich die Situation beim Euro Stoxx 50 und beim amerikanischen Dow Jones dar: Die Indizes haben stark gewonnen, doch bekannte und marktschwere Werte wie Nokia, Hewlett-Packard und Intel gehören zu den „Flop Five“ in den jeweiligen Indizes. Doch bei einigen dieser „gefallenen Engel“ sehen Analysten Nachholbedarf.

Beim Dax gehören neben der Telekom mit Allianz, Münchener Rück, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank gleich vier Finanzwerte zu den Kellerkindern (siehe Kasten). Kein Wunder, schließlich belasteten Ertragseinbußen und Verluste im Aktienhandel diese Titel mehr als alle anderen Unternehmen.

Experten gehen jedoch davon aus, dass diejenigen, die auf einen Konjunktur- und Börsenaufschwung spekulieren, mit Finanzwerten stärker profitieren als mit Aktien aus anderen Branchen. Die meisten Analysten setzen dabei auf die Marktführer Allianz und Münchener Rück. Merrill Lynch und J.P. Morgan hoben ihre Anlageurteile für Allianz an. Während Merrill auf den Nachholbedarf wegen der bislang schwachen Performance verweist, setzt J.P. Morgan auf höhere Gewinne wegen erwarteter Kosteneinsparungen bei der Tochter Dresdner Bank. Die Analysten der SEB raten bei Münchener Rück zum „starken Kauf“: Die Veräußerung des Anteils an der Hypo Real Estate, die Montag ihr Börsendebüt hatte, stärke die Kapitalbasis. Morgan Stanley sieht für Rückversicherer günstige Marktbedingungen sowie hohe Gewinnchancen und zählt Münchener Rück neben Converium und Swiss Re zu den Favoriten.

Hauptsächlich wegen Übernahmespekulationen erscheinen Hypo-Vereinsbank und Commerzbank bei vielen Investmentbanken auf der Empfehlungsliste. Weil die Commerzbank zudem Nutzen aus einer verbesserten Konjunktur ziehe, hob die Deutsche Bank ihr Kursziel auf 16,70 Euro an. Gestern kostete die Commerzbank-Aktie 14,50 Euro.

Unter den Flop-Werten in den großen Indizes bieten allerdings nicht nur Finanztitel Chancen. Auch Europas Technologie-Schwergewicht Nokia erhält nach dem tiefen Fall wieder gute Noten – wie beispielsweise von Nomura, Raymond James und Goldman Sachs. Sie begründen ihre Kaufempfehlungen mit der Erwartung hoher Gewinne und Erfolgen mit der neuen Generation von Mobiltelefonen, die eine eingebaute Spielmöglichkeit haben. Telekommunikationstitel gehören allerdings nicht nur im Euro Stoxx, sondern auch im Dax zu den Prügelknaben. Wie kein anderer Dax-Titel spiegelt die Deutsche Telekom Boom und Verfall in den vergangenen fünf Jahren wider: auf 103,50 Euro gestiegen und 8,59 Euro gefallen. Jetzt aber kommt der Kurs von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke, Schulden abzubauen, immer besser an. Goldman Sachs sieht die Aktie mit einem Abschlag von einem Drittel gegenüber der Konkurrenz ungerechtfertigt bewertet. Die US-Bank stufte den Titel ebenso wie Helaba Trust auf „outperform“ bzw. „übergewichten“ hoch, denn die Analysten rechnen nach langer Durststrecke wieder mit schwarzen Zahlen.

Allenfalls durchwachsen sind hingegen die Aussichten für die „fallen angels“ in den USA. Eastman Kodak hat zwar bereits vor zwei Jahren die Trendwende zur Digitaltechnik richtig vorausgesehen. Doch geringe Margen im Fotogeschäft schmälern die Erträge. Erstmals wird sogar die Dividende gekürzt, und nun droht sogar der Rauswurf aus dem Dow Jones.

Wie kaum ein anderes Unternehmen ist Intel vom erhofften Konjunkturaufschwung abhängig. Anziehende Chippreise und eine weltweit positive Entwicklung des Laptop-Geschäfts führten zu einer Reihe von Kaufempfehlungen – unter anderem von CSFB, Morgan Stanley und Prudential. Die Kursziele reichen bis 35 $. Gestern stand die Aktie allerdings bereits bei knapp 30 $.

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