Die Aktienmärkte in Mittel- und Osteuropa profitieren von der Erholung der Weltwirtschaft
Anleger drängt es weiter gen Osten

Die kleinen Börsen Mittelosteuropas stehen den großen Aktienmärkten in nichts nach. Im Gegenteil: Einige Börsen testen bereits mehrjährige Höchststände.

DÜSSELDORF/BUDAPEST. So stieg der Budapester BUX allein in den letzten zwei Wochen um rund 13 % und notiert nun über 9 000 Punkten. Zuletzt war dies vor über drei Jahren der Fall. Der Prager Leitindex PX 50 kletterte auf über 648 Punkte – den höchsten Wert der letzten 40 Monate. Und der WIG 20 in Warschau liegt heute bei knapp 1 700 Punkten, 50 % höher als zu Jahresbeginn.

Ohne Zweifel hat der Auftrieb an den Weltbörsen auch die Aktienmärkte in Mittelosteuropa beflügelt. „Wir haben ein global verbessertes Klima“, sagt Angelika Millendorfer, Osteuropa-Expertin und Senior Fondsmanagerin bei Raiffeisen Capital Management in Wien. Und auch in Mittelosteuropa würden wie zuletzt in Polen die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum tendenziell angehoben. Generell sei „ein Wachstumsvorsprung von zwei Prozentpunkten pro Jahr auf die nächsten Jahre realistisch“. Dies gebe Unternehmen einen guten Ausblick.

Der Aufschwung an den mittelosteuropäischen Märkten ruhe aber nicht nur auf den Schultern ausländischer Anleger. „Die einheimischen Investoren spielen schon eine recht große Rolle“, sagt Millendorfer. Diese verfügten über viel Liquidität und hätten bei dem Aufschwung sogar eine Hauptrolle übernommen. Doch „wir sehen auch weitere Zuflüsse in unsere Osteuropa-Fonds“, wobei diese aber nicht mehr ganz das Ausmaß des Jahres 2002 erreichten. Dass der Trend ungebrochen ist, zeigt auch eine Ankündigung der niederländischen ING-Gruppe. Sie will einen weiteren Fonds einrichten, der sich auf Mittel- und Osteuropa konzentriert. Dabei wolle man vor allem in Polen und Ungarn aktiv werden, daneben in Rumänien und Bulgarien. Und Morgan Stanley empfahl Anlegern, den Portfolio-Anteil von Titeln aus Emerging Markets wie Polen, Ungarn und Tschechien zu erhöhen.

Unverändert wirksam ist auch der „Europa-Bonus“, der aus dem Beitritt Polens, Ungarns und Tschechiens zur Europäischen Union (EU) im Mai 2004 resultiert. „Die langfristige Story für Osteuropa ist weiterhin sehr attraktiv“, sagt Millendorfer. Nachdem der EU-Beitritt unter Dach und Fach sei, werde sich das Augenmerk der Anleger nun verstärkt auf den Beitritt zum Euro richten. „Vor allem auf der Zins- und Währungskonvergenzseite wird sich einiges tun“, erwartet sie. Dies gebe beispielsweise Banktiteln Phantasie, die zusätzlich von der Erholung der Wirtschaft profitierten.

In Polen hat das beachtliche Wirtschaftswachstum von etwa 3 % in diesem Jahr das Interesse an den wichtigsten Aktien angeheizt. Außerdem hat über die Hälfte der börsennotierten Gesellschaften positive Finanzergebnisse für das erste Halbjahr 2003 vorgelegt. Analyst Tomasz Prusek wies in der „Gazeta Wyborsza“ zudem darauf hin, dass polnische Anleger verstärkt von Sparbüchern auf Anteile an Investment- und Pensionsfonds umsteigen, weil sie davon bessere Erträge erwarten.

In Ungarn achten die Anleger vor allem auf die Erträge der Aktiengesellschaften. Spitzenreiter ist die Spar- und Geschäftsbank OTP; sie legte für das erste Halbjahr dank des expandierenden Hypothekenmarktes ein hervorragendes Ergebnis vor. Laut Andor Daroczi von Concorde Securities sorgten vor zwei Monaten noch Turbulenzen am Devisenmarkt für Unsicherheit. Doch „die Anleger haben erkannt, dass es inzwischen keine ernsthaften Risiken beim Forint mehr gibt, und haben deshalb begonnen, aggressiv zu kaufen.“ Er hebt die Mol-Aktie hervor: „Sollte Mol für die Gassparte einen guten Preis erzielen, wird dies den Aktienkurs nach oben treiben.“

Auch für die in Tschechien aktiven Anleger geht es vorrangig darum, wie die Geschäfte bei Geldinstituten wie Komercnia Banka und Erste Bank oder auch bei Unipetrol, Cesky Telecom und Philip Morris laufen. Analysten in Prag betonen, westliche Fonds seien in den letzten Wochen besonders bei der Telecom und den Banken eingestiegen.

Quelle: Handelsblatt

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