Die Alterung der Gesellschaft beschert der Gesundheitsindustrie einen Superboom – Langfristanleger profitieren davon
Medizin schafft sich die Nachfrage selbst

In 25 Jahren leben auf der Erde 1,3 Milliarden Menschen, die älter sind als 60. Innerhalb einer Generation wird sich damit die Zahl der Senioren mehr als verdoppelt haben. Die älter werdende Gesellschaft wird andere Bedürfnisse haben als heute – und eines ganz besonders: Gesundheit.

HB BERLIN. „Die Gesundheit ist unser höchstes Gut.“ Diesen Satz, den Hippokrates, Begründer der abendländischen Medizin, 400 Jahre vor Christus prägte, wird kaum einer der Menschen, die im Jahr 2030 in den Industrieländern zu Hause sind, mehr anzweifeln. Denn viele fragen dieses „höchste Gut“ nicht nur nach, sie wollen es auch bewahren.

Und davon profitieren auch die Anbieter dieser „Ware“ – Pharmakonzerne, Medizintechnikfirmen und Krankenhäuser. Behalten Wissenschaftler, die sich mit der demographischen Entwicklung beschäftigen, Recht, wird Gesundheit zum Pfeiler künftigen Wachstums. Einige läuten mit dem Innovationsschub in der Medizin gar den nächsten Super-Zyklus ein, der die Informationstechnologie in den nächsten Jahren als Wachstumstreiber ablösen könnte. „Im Jahr 2015 werden wir einen explosionsartigen Effekt erleben, wenn die Baby-Boomer ins Rentenalter kommen“, sagt Wolfgang Sawazki, Analyst bei Sal. Oppenheim. „Menschen, die älter als 65 sind, fragen doppelt so viele Krankenhausdienstleistungen und dreimal soviel Medizintechnik nach wie der Bevölkerungsdurchschnitt. „Die Medizin schafft sich die Nachfrage praktisch selbst“, sagt Reiner Dinkel, Professor für Demographie an der Universität Rostock. Analyst Sawazki rät Langfristanlegern, strategisch in Firmen zu investieren, die vom demographischen Wandel im Gesundheitswesen profitieren.

„Allerdings steigen die Gesundheitskosten in gleichem Maße wie die Nachfrage“, sagt Dinkel. Anleger sollten deshalb auf Unternehmen setzen, die mit innovativen Produkten schneller wachsen als der Markt und dem Kostendruck der öffentlichen Haushalte begegnen, sagt Sawazki. Er sieht vor allem einen steigenden Bedarf an verbesserten, billigen Behandlungsmethoden, die die Gesamtbehandlungskosten senken.

Die Medizintechnik, ein Markt, in dem letztes Jahr weltweit mehr als 230 Mrd. Dollar umgesetzt wurden, sei deshalb eine langfristige Wachstumsindustrie. Die meisten Analysten rechnen in den kommenden Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten, vor allem in den Sparten Kardiologie, Orthopädie, Zahnimplantate und mit Hörgeräten.

Beleg dafür ist, dass Großkonzerne wie General Electric, Siemens, Johnson & Johnson oder Philips längst in diesem Markt aktiv sind und einen Teil ihrer Umsätze mit Medizintechnik generieren – Tendenz steigend. In der stark fragmentierten Branche tummeln sich aber auch eine Vielzahl spezialisierter Unternehmen mit glänzenden Wachstumsperspektiven. Auch in der Pharmabranche „werden sich bedarfsgerechte Innovationen langfristig durchsetzen, sagt Sawazki. Das gelte vor allem für Unternehmen, die sich auf altersbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Alzheimer oder Bluthochdruck spezialisiert hätten, sagt Karl-Heinz Scheunemann, Pharmaanalyst beim Bankhaus Metzler.

Vor allem die großen Pharmakonzerne wie Novartis, Pfizer, Sanofi-Aventis, Glaxo oder Roche, die ein breites Produktportfolio hätten, zählt Scheunemann zu den Favoriten. Sawazki verweist zudem auf spezialisierte Unternehmen wie die dänischen Firmen Noronordis oder Lundbeck, die bei der Behandlung von Diabetes bzw. Alzheimer stark aufgestellt sind. Nicht zu vergessen: Die Hersteller von Nachahmerarznei, Generika, die nach Patentablauf Medikamente billiger anbieten können.

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