Die Angst vor enttäuschenden Quartalsbilanzen weicht überzogenen Erwartungen
Gute Zahlen reichen der Börse nicht

Wer glaubt, dass gute Quartalszahlen die Börsen nach oben und schlechte nach unten treiben, irrt. In der Realität ist es genau umgekehrt. Miese Nachrichten, wie in 2001 und 2002, lösten Erleichterung darüber aus, dass es nicht noch schlimmer kam. Gute Umsätze und Gewinne, wie in der jetzt laufenden Bilanzsaison, lassen dagegen die Börsen kalt. Diese scheinbar sonderbare Wechselwirkung zwischen Firmenerträgen und Kursverlauf weist eine Studie der WestLB nach, die dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. Der gestrige Handelstag zeigte, dass Anlegern „gut nicht gut genug ist“. Der zweitgrößte Hersteller von Mikroprozessoren, AMD, verdiente zwölf anstatt prognostizierter vier Cent je Aktie. Handyproduzent Motorola erlöste 17 anstatt erwarteter 13 Cent. Halbleiterspezialist RF Micro Devices erreichte mit 13 Cent drei mehr als angenommen. Die Kurse reagierten aber negativ. RF Micro brachen um 13,5 % ein.

„Der Markt ist weit vorausgelaufen. Jetzt wird bei guten Nachrichten verkauft“, erläutert Andreas Hürkamp von der WestLB. Der Studie seines Hauses nach entwickelt sich die Börse in der laufenden Quartalssaison entgegengesetzt zum Verlauf in den vorangegangenen 14 Quartalen. Seit Mitte 2000 hat der Deutsche Aktienindex (Dax) im Vorfeld (vier Wochen) einer Berichtssaison in den USA durchschnittlich 5 % verloren. Mit Beginn der Daten erholten sich die Kurse aber um 3 %.

Besonders krass war es bei den Ergebnissen zum jeweiligen dritten Quartal – also in den traditionell turbulenten Börsenmonaten September und Oktober. Der Dax verlor mehr als 10 % vor Beginn der Gewinnsaison. Doch mit dem Start der Berichte erholte sich der Dax innerhalb von 24 Tagen um 12 %.

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