Die Bilanz der Börsengänge ist in diesem Jahr mager
Der Emissionskalender ist überraschend leer

Der Markt ist aufnahmebereit für neue Aktien. Doch Qualität und Preis regeln das Geschäft. Offenbar haben die Börsenneulinge noch einiges zu regeln, bevor der Emissionskalender sich wieder füllt.

Hapag Lloyd sollte es richten. Der Schifffahrtskonzern wäre nach der Postbank der zweite große Börsengang des Jahres 2004 in Deutschland geworden. Doch die Märkte spielten nicht mit. Ein fairer Preis für Anteilsscheine des Unternehmens seien auf Grund der Schwäche der Kapitalmärkte nicht zu erzielen, begründete TUI-Chef Michael Frenzel am 8. September die Absage des IPO - Initial Public Offering - der TUI-Tochtergesellschaft.

Nachdem 2003 kein Unternehmen den Gang an die Börse gewagt hatte, hofften viele Investmentbanker und mit ihnen etliche Börsenkandidaten, im Kielwasser der beiden Großemissionen Postbank und Hapag Lloyd ans Ufer des Aktienmarktes zu gelangen.Zwar glückte der Börsengang der Postbank, doch geriet der erhoffte kraftvolle Auftakt eher zum anstrengenden Kraftakt.Bei Hapag Lloyd versagten die Kräfte sogar ganz.Dabei ist der TUI-Rückzieher nur der Schlusspunkt in einer langen Reihe von Absagen möglicher Börsenaspiranten, darunter die Chip-Hersteller X-Fab und Siltronic sowie der Kraftfahrzeugzulieferer Auto-Teile Unger.

Mit viel Gewürge und unter zum Teil starken Preisabschlägen schafften der Fahrradhersteller Mifa, der Geldautomatenproduzent Wincor Nixdorf, die Postbank und die Biotechnologiefirma Epigenomics den Sprung auf die Kurszettel.Vier Börsengänge für 2004 - bisher ein wirklich mageres Ergebnis.

Dabei schien 2004 die Wende für den deutschen IPO-Markt zu bringen.Das Deutsche Aktieninstitut hat Anfang des Jahres noch bis zu 20 Neuemissionen im laufenden Kalenderjahr für möglich gehalten.Näher am Ergebnis dürfte die Prognose der Investmentbank Goldman Sachs liegen, deren Deutschland-Chef Alexander Dibelius im Mai von fünf bis sechs möglichen Börsengängen sprach und vor zwei Wochen in der Wirtschaftswoche "höchstens noch zwei weitere Kandidaten" auf dem Weg an die Börse sah.

Vieles spricht dafür, dass ein Aufschwung am Neuemissionsmarkt auf sich warten lässt.Das Hauptproblem des deutschen Marktes liegt nach Ansicht von Finanzexperten in der Preisfindung.Die Emissionen von Postbank und Wincor Nixdorf hätten gezeigt, dass sich neue Aktien derzeit nur mit hohem Abschlag platzieren ließen.Viele Eigentümer wollten das aber nicht akzeptieren und sagten die geplanten Börsengänge gleich ganz ab.

Dabei zeigt ein Blick über den Gartenzaun, dass die Unternehmensfinanzierung über den Kapitalmarkt nach wie vor funktioniert.Der Hypo-Vereinsbank gelang es in diesem Jahr, drei Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung einzusammeln, die Lufthansa verbuchte 750 Millionen Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%