Die Kursmacher
Carl-Johan Francke

Banken und Kunden sehnen eine unabhängige Instanz herbei, die ihnen sagt, was sie guten Gewissens kaufen dürfen. Carl-Johan Francke von SAM ist diese Instanz.

Zwar verwaltet SAM direkt und über Lizenzprodukte nur zehn Milliarden Euro. Doch ihr indirekter Einfluss auf die Geldströme der Umweltbewegten ist enorm. Kirchen, Stiftungen, Pensionskassen und Hedgefonds wie TCI holen sich bei ihnen Rat; mit Dow Jones Stoxx legt SAM einen Sustainability-Index auf, nach dem Banken aus aller Welt Finanzprodukte stricken. "Autohersteller, Chemiekonzerne und Pharmariesen fürchten Jahr für Jahr das Erscheinen des Sustainability Yearbook von SAM", berichtete jüngst der "Spiegel".

Das Konvolut lancieren die Zürcher stets auf dem World Economic Forum in Davos, vor der versammelten Weltöffentlichkeit. 1 200 Konzerne richten sie darin nach ihren Öko-Kriterien. Wer Flüsse verseucht oder Kinder ausbeutet, landet ganz unten. Darauf hören immer mehr Meinungsmultiplikatoren in den Banken. Société Générale schmückt ihre Öko-Produkte ebenso mit dem Label "SAM-geprüft" wie der britische Finanzriese HSBC, die Ratingagenturen bauen Nachhaltigkeitskriterien in ihre Unternehmensbewertung ein.

"Analysten fragen bei Roadshows inzwischen detailliert nach", sagt Verena Schuler von BMW. In London und Paris kommen die Investor-Relations am Umweltthema nicht mehr vorbei. "Bei den Großen wie Goldman Sachs und UBS sitzen viele Leute, die Nachhaltigkeitskriterien in ihre Aktien-Studien einfließen lassen." Vor Kurzem war undenkbar, dass ein Autoanalyst von Goldman fragt, was denn beim Verschrotten eines Hybridautos bitte mit der schweren Batterie passiere. Gewaltigen Schub bekam die Bewegung vergangene Woche, als der mächtige Chef des staatlichen norwegischen Ölfonds, Knut Kjaer, ankündigte, seine Investments künftig nach dem Kriterium Nachhaltigkeit auszurichten. 231 Milliarden Euro verwaltet Kjaer, rund 100 Milliarden davon stecken in Aktien. Zuletzt flogen Boeing und Wal-Mart raus, weil sie Zulieferer für Landminen sind oder ihre Arbeitnehmer schlecht behandelten.

"Das SAM-Rating ist das Fundierteste im Markt, es ist pragmatisch und lässt sich in betriebswirtschaftliche Kriterien ummünzen", sagt Corinna Voglis von HSBC, "das hat nichts von Weltverbesserertum." Ein Depot nur aus Solaraktien sei "natürlich Unsinn", sagt er, "die Welt braucht auch Autos und Turnschuhe". Also bekomme ein gutes Ranking, wer bei der Produktion von Turnschuhen weniger Emissionen verursache als der direkte Konkurrent. Francke missioniert nicht, er lässt Fakten sprechen. Er zeigt die Temperaturkurve der Erde aus 1 000 Jahren und interpretiert sie wie einen Aktienchart; er rechnet vor, wie sich eine Tonne CO2 bald in der Bilanz niederschlägt. Und - vielleicht am wichtigsten – er entlässt seine Zuhörer mit einer guten Nachricht. Der Klimawandel kenne nicht nur Verlierer, auch Gewinner.

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