Die Kursmacher
Jens Ehrhardt

Seit 38 Jahren verwaltet Jens Ehrhardt fremder Leute Vermögen, doch lange war der 65-Jährige aus Pullach nur Insidern bekannt.

Das ändert sich gerade gründlich, die Zahl seiner Zeitungsinterviews und TV-Auftritte steigt seit ein paar Monaten sprunghaft. Mal erklärt er den Lesern der "Frankfurter Allgemeinen", was die Liquidität genau ist, dann dürfen die Zuschauer des Senders "n-tv" mit ihm über ihre Aktien chatten, dann plaudert der gebürtige Hamburger im Bayerischen Fernsehen über seine Anfangsjahre in München. Mit dem Bekanntheitsgrad stiegen die Summen, die Ehrhardt im Kundenauftrag investiert. Seit 2002 haben sie sich von 500 Millionen Euro auf mehr als neun Milliarden Euro fast verzwanzigfacht. Damit ist Ehrhardt meilenweit von anderen deutschen Vermögensverwaltern entfernt; die nächst Größeren managen etwa eine Milliarde Euro.

Knapp 400 von Banken unabhängige Asset Manager gibt es – keiner ist annähernd so populär wie Ehrhardt. "Und keiner vermarktet seine Unabhängigkeit so perfekt", sagt Zschaber. Seit sich unter Anlegern herumgesprochen hat, Banken empfählen gern hauseigene Produkte, auch wenn die der Konkurrenz besser sind, gelten Unabhängige als chic. Wenn man sie sich denn leisten kann, denn für weniger als 500 000 Euro im Depot machen sie keinen Finger krumm. Wie man die nicht ganz so reichen Anleger trotzdem zu Kunden machen kann, dafür fand Ehrhardt als Erster eine Lösung: Er schuf die Fondsvermögensverwaltung.

Sein FMM-Fonds war 1987 der erste Publikumsfonds eines Vermögensverwalters. Ein Fonds von einem Unabhängigen, diese Idee zog. Wohl zu Recht: Seit Jahren schlägt der Fonds regelmäßig die Produkte der Konkurrenz. Als die Banken merkten, dass Ehrhardts Erfolg kein Strohfeuer war, vereinnahmten sie ihn. So werben heute viele Finanzkonzerne, von DWS über Scotinvest bis Credit Suisse, damit, dass Ehrhardt ihre Fonds berät. Er hat etwa 40 solcher Beratermandate, "die genaue Zahl müsste ich nachsehen lassen", sagt er. "Wenn immer sich ein Fonds nicht gut verkauft, muss man nur Dr. Ehrhardt holen, schon ist der Vertrieb gesund", lästert ein Konkurrent. So wie jüngst bei Gamax, wo Performance und Mittelzuflüsse zu wünschen übrig ließen.

Ehrhardt hat sich als Kenner mittelgroßer Aktien aus dem MDax einen Namen gemacht. Der MDax hat seit 2003 eine beispiellose Rally hingelegt; besonders bei angelsächsischen Investoren wurden diese Aktien populär. "Ich hätte einfach nur den Index kaufen können, die Performance wäre auch in Ordnung gewesen", sagt Ehrhardt. Doch Ehrhardt pickte sich im Stile der alten Value-Investoren wie Warren Buffett einzelne heraus, die er für zu billig hielt. Sein Liebling: Kali+Salz, der Kasseler Streusalzfabrikant. "Die Aktie hat bei deutschen und internationalen Investoren eine Karriere gemacht, die ohne Ehrhardt nicht denkbar wäre", sagt ein Analyst. Ohne die K+S-Aktie kommen weder seine eigenen DJE-Fonds aus, noch die Fonds der Banken, die er berät. Ehrhardt erwähnte die Aktie wiederholt in seinem Börsenbrief "Finanzwoche". Er ist stolz, dass auch Schweizer Großbanken und ein Zürcher Verleger seit den frühen Siebzigern zu den Abonnenten gehören.

Seite 1:

Jens Ehrhardt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%