Die Nanostart AG ist an der Börse viel zu teuer
Noch Lust auf Nanotechnologie?

Marco Beckmann ist Vorstandschef der Nanostart AG, einem Unternehmen mit sechs Mitarbeitern, das sich an Nanotechnologiefirmen beteiligt.

BERLIN. Seit einer Woche wird die Nanostart-Aktie im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt. Seither ist der Börsenwert der Firma von 13,5 auf satte 50 Mill. Euro gestiegen. Zehn Prozent von Nanostart gehören Beckmann selbst. 86 Prozent gehören der BF Holding. BF steht für Bernd Förtsch, einem der Jünger des Neuen Marktes und Herausgeber des „Aktionär“.

50 Mill. Euro Börsenwert für ein Unternehmen, das gerade einmal 190 000 Euro umsetzt und kaum Geld verdient. „Das ist schlicht zu teuer“, sagt Daniel Kehrbach, der den Activest Nanotech-Fonds verwaltet. Der Börsenwert sei fast acht Mal so hoch wie der Buchwert. Die US-Firma Harris & Harris, mit der sich Nanostart vergleichen lässt, hat einen Preis-Buchwert von etwas über zwei. „Ich glaube nicht, dass Anleger für Nanostart einen solchen Aufpreis zahlen sollten“, sagt ein Analyst einer großen Venture-Capital-Gesellschaft.

Beckmann schaut nicht auf die Bewertung. „Die ist relativ. Mir wäre lieber, wenn die Nanostart-Aktie langsam steigt.“ Dabei haben er und Förtsch die Anzahl der angebotenen Aktien niedrig gehalten – ganze 8,8 Prozent des Grundkapitals werden an der Börse gehandelt. Und freilich hat keiner von beiden eine Stillhaltevereinbarung getroffen, sie können also verkaufen, wann sie wollen, auch wenn beide unisono beteuern, dass ihr Nano-Investment „langfristig“ sei. Beckmann begründet sein Engagement mit den tollen Perspektiven des Nanostart-Beteiligungsportfolios.

Ein Unternehmen soll sogar noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Vielleicht auch die Berliner Firma MagForce, mit einem Anteil von über 50 Prozent die größte Beteiligung von Nanostart. Auf deren Homepage darf MagForce-Chef Andreas Jordan werben, dass sein Unternehmen „seit zwei Jahren Tumorzellen spezifisch, nebenwirkungsfrei und kontaktlos von außen zerstört“. Große Unternehmen aus Japan und den USA interessierten sich für diese Technologie, sagt Beckmann. Was er nicht sagt, ist, dass einem US-Unternehmen, das an einer ähnlichen Technologie arbeitet, die Gesundheitsbehörden erst kürzlich die Zulassung versagt hat. Und, dass über MagForce in keiner anerkannten wissenschaftlichen Abhandlung etwas zu finden sei, wie ein führender deutscher Gehirntumorforscher berichtet.

Nicht äußern möchte sich Beckmann zur Rolle von Bernd Förtsch. „Wir haben keine personellen Verflechtungen“, sagt Beckmann. „Ich bin nur Aktionär“, sagt auch Förtsch. Dabei sind die Gemeinsamkeiten offensichtlich: Am 12. Dezember gründeten beide Nanostart, eingetragen im Handelsregister Kulmbach, von wo aus Förtsch seine Börsenmedien AG steuert. Zudem war Beckmann Redakteur beim „Nanotech-Report“, der von Förtsch herausgegeben wird. Und der Wirtschaftsprüfer von Nanostart kommt aus Bamberg. Das ist in der Nähe von Kulmbach.

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