Die Tücken der Aktienanlage
Jan Böhmermann und der Börsen-Crash

Anleger hat der Kurssturz vom Montag überrascht. Das Dax-Minus von zwischenzeitlich fast acht Prozent katapultierte sie aus Aktien, die jetzt wieder deutlich im Plus liegen. Eine Lektion – auch für TV-Moderatoren.
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DüsseldorfDer Tweet von TV-Moderator Jan Böhmermann kam am Montag um 17.06 Uhr, anderthalb Stunden nachdem der Dax eine Art Bungee-Sprung hingelegt hatte. Um 15:30 Uhr notierte der Deutsche Aktienindex bei 9.523 Punkten, vier Minuten später auf dem Tagestief von 9.338 Punkten und um 15:41 Uhr wieder bei über 9.500 Punkten. 200 Punkte abwärts und wieder aufwärts in elf Minuten – das ist ein heftiger Kursausschlag.

„Gute Aktientipps (leider zu spät)“, schrieb Böhmermann danach beim Kurznachrichtendienst Twitter, „Folge 1: Stop-Loss-Orders haben nicht nur Vorteile.“ Ob der Bungee-Effekt Böhmermanns eigenes Depot erwischte oder nicht, die Frage wollte er auf Nachfrage des Handelsblatts nicht beantworten. Doch in jedem Fall macht Böhmermann damit auf die Tücken eines eigentlich als Sicherheitsmechanismus gedachten Werkzeugs aufmerksam.

Falle: Gefahr beim plötzlichen Kursknick

Mit den erwähnten Stop-Loss-Orders kann man sich gegen fallende Kurse absichern. Sie funktionieren so: Für eine Aktie im Depot kann man einen Wert festlegen, bei dem diese automatisch verkauft werden soll. Beispiel: Wer BASF-Aktien zu 70 Euro zum Jahresbeginn ins Depot gelegt und den Stop-Loss-Kurs zehn Prozent tiefer bei 63,00 Euro festgelegt hatte, den hat es gestern in den elf Minuten des Schreckens erwischt. Die Aktie wurde verkauft – heute steht das Papier aber schon wieder bei 68 Euro. Stop-Loss-Orders haben nicht nur Vorteile.

Die Gefahren der Blitzcrashs haben in den vergangenen Jahren gefühlt zugenommen. Verantwortlich gemacht werden dafür meist Hochfrequenz-Händler, die in Bruchteilen von Sekunden professionell handeln. Gegen das plötzliche Ab- und Wieder-Auftauchen hilft dann Kleinanlegern auch nicht eine Variante der Order, der Trailing Stop-Loss. Dabei passt sich der Verkaufskurs automatisch der Kursentwicklung der Aktie an und liegt dann zum Beispiel immer zehn Prozent unter dem letzten Höchstkurs.

Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Loss auf 90 Euro festgesetzt. Steigt dann der Kurs auf 105 Euro, steigt auch der Stop-Loss auf 95, der Abstand zwischen Kurs und Stop-Loss wird also beibehalten. Der Abstand kann in Euro oder Prozent angegeben werden. Nach neuen Höchstständen, die eine Veränderung des Stop-Kurses bewirken, wird regelmäßig geschaut – bei der Comdirect etwa „mindestens einmal stündlich“.

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  • Wie ich dem letzten Satz im Artikel entnehmen kann, kann man also tatsächlich mit Währungsspekulationen auf den Schweizer Franken 300.000 € verlieren.
    http://www.handelsblatt.com/my/finanzen/anlagestrategie/zertifikate/nachrichten/riskante-waehrungswetten-mit-wenig-einsatz-in-minuten-300-000-euro-verzockt/12187152.html
    Wäre das auch eine Meldung gewesen, wenn er in Minuten 300.000 € gewonnen hätte?
    Entweder war der Mann falsch beraten und er kann Schadenersatz von der Bank fordern oder er hat einfach gezockt, dann ist das eben Pech. Man muss im System auch scheitern können.
    Aber nachdem wir den Banken (die nach meiner subjektiven Meinung ähnliche Geschäfte machen) auch schön Rettungspakete schnüren, finde ich sollten wir jetzt ein Rettungspaket für ihn schnüren (der Ärmste) oder?
    Ich finde jeder sollte ein Anrecht auf einen Freizock auf Kosten der Allgemeinheit haben, bekommen ja die Banken auch (Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen)...

    Nein jetzt mal die Übertreibungen beiseite und ganz im Ernst:
    Das ganze Gezocke mit Optionsscheinen, Zertifikaten, CFDs und wie diese schönen Hebelprodukte sonst noch heißen gehört sich strikt reguliert, wenn nicht ganz abgeschafft. Wo ist der große Nutzen, wenn man mit 100 oder 1000fachen Hebeln (so, dass 1% Bewegung zu einem Totalverlust bzw. 10facher Totalverlust führt) auf Kursbewegungen setzen kann das ist doch nur noch wie im Casino. Fördern diese Geschäfte unseren volkswirtschaftlichen Output in irgend einer Weise? Tut sich dadurch z.B. eine neue Firma leichter in der Kapitalbeschaffung über die Börse?
    Das sollten unsere Politiker sich mal überlegen...
    Das hier ist meine subjektive Meinung jeder darf seine eigene haben.

  • Ihnen wäre die Bravo vermutlich lieber, aber was Böhmermann da geschrieben hat, ist durchaus intelligent.

    Intelligenter jedenfalls, als das Meiste, was es etwa von Telebörsen-Raimund so an Weisheiten zu hören gibt.

  • Wenn morgen einer aus dem Dschungelcampt (oder sonst was in der Art) einen Tweet sendet, er/sie/es würde nun Aktien oder Fonds oder etwas ähnliches kaufen - macht das HB da dann die nächste Titelstory draus?

    Sorry, aber ist das hier die Bravo?

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