„Der Euro ist falsch konstruiert“

Dirk Müller im Interview
„Der Euro ist falsch konstruiert“

Der Börsenmakler und Buchautor Dirk Müller hält den Euro für einen Fehler. Im zweiten Teil des Interviews erklärt er, wie Europa aus der Krise kommen könnte und was er von Leuten hält, die seine Thesen zu platt finden.

Dirk Müller hat ein neues Buch geschrieben. Titel: „Showdown – der Kampf um Europa und unser Geld“. Anders als das vorherige Buch ist es kein Geldanlageratgeber, es geht um die große Politik.

Herr Müller, hat Europa eine Zukunft?
Ich bin absolut für Europa! Europa muss zusammenwachsen. Aber es kann nicht sein, dass dieses Europa nur durch riesige Transferzahlungen am Leben gehalten wird. Dazu sind die Menschen nicht bereit.

Muss der Euro weg?

Nicht unbedingt. Lasst den Euro doch bestehen! Aber gleichzeitig führen wir in jedem Land die eigene nationale Währung als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel wieder ein. Dann gilt in Deutschland die neue Mark, in Italien die neue Lira und so weiter. Aber die alten Euro-Konten bleiben bestehen, der Euro bleibt bestehen.

Wozu dann noch der Euro?

Wir hätten dann nach wie vor eine große europäische Währung, in der wir große Verträge mit den USA oder China schließen könnten. Die EU könnte Euro-Anleihen begeben, jeder Staat, der möchte, ebenso. Aber das Zahlungsmittel wäre die heimische Währung und die könnte dann endlich gegenüber dem Euro atmen. Die D-Mark könnte aufwerten auf ihren wahren Marktwert, Lira oder Peseta abwerten und den dortigen Volkswirtschaften die dringend nötige Luft verschaffen. Das Problem wäre nur die Drachme – die würde so stark abwerten, dass Griechenland unter seinen Euro-Schulden kollabieren würde. Da bräuchte man einen Schuldenschnitt. Bei allen anderen nicht.

Das wäre ähnlich wie früher, als den Ecu gab.

Das Modell war nicht ganz daneben. Einige südamerikanische und asiatische Staaten planen zurzeit genau dieses Modell und nicht etwa unser heutiges Euro-Modell. Warum wohl?

Aber das löst doch unsere Probleme nicht.

Wir dürfen nicht vergessen, wie wichtig die Währungen als Puffersystem sind. Der eine Staat bewegt sich nach vorne, der andere nach hinten. Wenn Spanien abwertet, wird es spannender, dort unten wieder einzukaufen, die Nachfrage steigt und damit auch das Wirtschaftswachstum. Wir haben das doch zuletzt beim Schweizer Franken gesehen: Als der so teuer war und der Euro dementsprechend billiger, sind die Schweizer auch in Scharen zum Einkaufen nach Deutschland gekommen.

Müller gibt den Ökonom. Die meisten kennen ihn noch als Börsenmakler. Mittlerweile hat er sich selbstständig gemacht. Die meiste Zeit verbringe er „als Dolmetscher zwischen den Finanzmärkten und den Menschen außerhalb der Börse“, sagt er.

Aber dann könnte man den Euro doch auch ganz abschaffen.

Ich gehe auf die Argumente von denen ein, die sagen, der Euro sei als Idee so wichtig.

Sie persönlich halten den Euro aber für überflüssig?

Er ist nur falsch konstruiert. Ich halte es sogar für nachvollziehbar, dass Europa im Welthandel eine gemeinsame große Währung braucht. Die Bundesrepublik ist ja auch nichts anderes als eine Währungsunion zwischen schwachen und starken Ländern.

Kommentare zu "„Der Euro ist falsch konstruiert“"

Alle Kommentare
  • Das Handelsblatt hat im April 2013 insgesamt 16 Beiträge von oder über Herrn Müller veröffentlich. In den vergangenen 10 Jahren wurden im Schnitt deutlich weniger als ein Beitrag pro Monat von oder über Herrn Müller gebracht. Mir stellt sich die Frage, ist das Handelsblatt an dem verlegen des Buches von Herrn Müller beteiligt oder hat Irgendjemand aus den Reihen der Journalisten ein materielles Interesse die Nachfrage nach dem Buch zu pushen? Oder ist das nur Zufall? Es gibt Zusammenhänge, die sollten einfach mal in Erinnerung gerufen werden. Vielleicht haben die Leute auch nur die Schnauze von dem voll was der Müller da alles an Unfug verzapft und nachplappert. Liebe Leute, bitte macht doch nicht so einen hipe um ein Skontoführer. Ein Skontoführer ist nur der Knecht eines Börsenmaklers im herkömmlichen Sinn.
    Dirk Müller ist ein deutscher Skontoführer und Buchautor. Er wurde international als „Mister DAX“ und „Dirk of the DAX“ bekannt, weil sein Arbeitsplatz zufällig auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse unter der DAX-Kurstafel lag und die Medien dies aus Verzweiflung nutzten, um seinen Gesichtsausdruck zusammen mit dem Kursverlauf des Index als Symbol des aktuellen Börsengeschehens darzustellen. Diese damalige Verzweiflung und Einfallslosigkeit der Medien bildet i.w. die Grundlage für den heutigen hipe um diesen "Knecht".
    Im März 1999 reagierte die Börse positiv auf Oskar Lafontaines Rücktritt als Bundesfinanzminister. Den darauf folgenden Kursanstieg dokumentierten die Zeitungen erstmals mit Dirk Müllers Konterfei. Ab diesem Zeitpunkt wurde er wiederholt fotografiert, um den DAX-Stand zu personifizieren. Zuvor hatte er limitierte Ahnung von volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Zusammenhängen.

  • Dirk Müller ist sicherlich ein feiner Kerl, mit dem man am Stammtisch auch mal ein Bierchen trinken kann, der nachvollziehbar die Chance genutzt hat, durch die eher zufällige mediale Aufmerksamkeit - zuerst in Bild, dann in Ton und in letzter Zeit in Schrift - seine materiellen Vorteile zu realisieren. Der Schirm wird umgedreht aufgespannt so lange es Geld regnet. Einige wenige Fernseh- und Zeitungsredaktionen tragen dazu ihr Scherflein bei. Ich habe mich in der Vergangenheit immer gefragt, warum Herrn Müllers Ideen weniger bei den beiden großen Frankfurter Zeitungen, bei den großen Zeitungen in München und Hamburg sowie renommierten Börsenmagazinen wenig berücksichtigt wurden. Die Redaktionen in Frankfurt und die ehemaligen FAZ bzw. FR Journalisten, die nach MUC und HH gegangen sind wissen wohl auch den Grund warum sie die Meinungen von Herrn Müller nicht einholen? Nutzen wir unseren gesunden Menschenverstand, kaufen wir ein Buch von Herrn Müller und denken dann bitte noch einmal richtig nach? Wem dann noch nicht geholfen wurde möchte sich bitte einfach mal bei der Deutschen Börse - Frankfurter Wertpapierbörse umhören.

    Thorsten Giersch schrieb in seiner Buchrezension – Der Crashkurs des „Mister Dax“, Handelsblatt Online vom 17. Januar 2009: ... Allerdings ist er weder ein Volkswirt noch großer Kenner der Bankeninterna." Getoppt wurde diese Feststellung dann noch durch: ... "Crashkurs" ist lehrreich für Börsenneulinge und interessant für Börsenexperten. Aber an manchen Stellen sollte man auf den Rat des Autos hören und ihn nicht zu ernst nehmen." Welch bedeutsame Ausführungen. Nutzen wir einfach nur unseren gesunden Menschenverstand. Dann brauche ich in keine Diskussion, um Argumente und Aussagen zu widerlegen, einzusteigen

  • gleich nach der zweiten antwort hatte ich keinen bock mehr weiterzulesen...

  • Ist auch eine schlichte Kopie der selben Posts, die diese Person schon öfter geschrieben hat. Argumentation und Aufmerksamkeit (über das, WAS im Interview gesagt, nicht von WEM) liegt dieser, sowie auch vielen anderen Personen hier in den Foren nicht.
    Ein einziger Vorschlag, den nun wirklich niemand anfechten kann, den diese Leute dann auch noch selber predigen, den beherzigen sie selbst seltsamerweise nicht.

  • Endlich mal ein wirklich frischer Wind in dieser unleidlichen Diskussion.

    "Wir hätten dann nach wie vor eine große europäische Währung, in der wir große Verträge mit den USA oder China schließen könnten."
    Die Verhandlungspositionen wären aber deutlich schlechter, und würde die Abhängigkeit von den anderen nochmal erhöhen. Warum sollte eine USA einen Vertrag mit einem Land mit einer Währung (dem dann teuren Euro) machen, wo es keinen echten Investitionsvorteil hat? Damit ist der Euro ausgeschieden. Wäre er für mich jedenfalls wenn ich Geld "losschlagen" müßte.

    Billiger einkaufen, kann ich jetzt schon. Meine Lebenshaltungskosten in Spanien liegen weit unter 60% von dem was ich in D aufbringen müßte beim jetzigen Standard, und das in €.
    Wenn ich allerdings z. B. Nestle und Dr. Oetker kaufen muß, dann nicht.

    Jemand der investieren will und muß, der investiert. Die kapitlistischen Gesetzmäßigkeiten gelten überall, wer lieber konsumiert, kauft die Jacht und hofft auf Staatsanleihen etc.
    Deutschland ging es immer relativ besser, wenn die öffentlichen Investitionen höher waren (nicht die Subventionen). Ging unter Clinton im übrigen auch in den USA aufwärts und wurde unter Bush mit seinen Kriegsbränden und Steuersenkungen für Millardäre wieder begraben.

  • Stimmt. ich habe die Buchrezension überprüft. Thorsten Giersch schrieb in seiner Buchrezension – Der Crashkurs des „Mister Dax“, Handelsblatt Online vom 17. Januar 2009: ... Allerdings ist er weder ein Volkswirt noch großer Kenner der Bankeninterna." Getoppt wurde diese Feststellung dann noch durch: ... "Crashkurs" ist lehrreich für Börsenneulinge und interessant für Börsenexperten. Aber an manchen Stellen sollte man auf den Rat des Autos hören und ihn nicht zu ernst nehmen." Ich bin der Meinung man sollte diesen volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Quatsch den Herr Müller verzapft nicht noch durch Kommentare würdigen. Meine Hinweise bleiben deshalb einmalig. Bitte an alle im Forum: überlegt doch erst einmal!!!

  • >>Sinn unseres Wirtschaftssystems?
    Der wäre...?
    ...dass das Geld zirkuliert und in neue Unternehmungen fließt. Das passiert aber gerade nicht. Weil die, die Geld verdienen, es horten und nicht wieder ausgeben. Unser Problem ist nicht der Großverdiener, der sich eine Yacht kauft sondern der, der es hortet.<< Sehr gut der Mann !! Aber den Euro behalten wir mal besser ;)

  • Dirk Müller - ich hatte ihm schon einmal persönlich geschrieben, wie naiv er ist !
    Nicht nur der Euro ist ein total verlogenes Konstrukt, die ganze EU ist verlogen und korrupt !!!
    Wie kann man nur so blind sein ?

  • Ich werde ALLES dafür tun, daß die AfD zweistellig wird. Ich bin auch überzeugter Europäer, aber der Euro MUSS weg. Meine Schwester wohnt seit 25 Jahren in Paris, die ist normal kein Kind von Traurigkeit, aber die jammert nur noch: Ein Teil ihrer Bekannten und Freunde ist seit MONATEN arbeitslos, etwas, was noch vor 4 Jahren oder so in ihren Kreisen absolut UNDENKBAR war. Wenn ich Herrn Müller so reden höre/lese, so habe ich das Gefühl, er will unter allen Umständen vermeiden, mit der AfD in einen Topf geworfen zu werden, obwohl sich seine und die Positionen der AfD nicht wesentlich unterscheiden. Tenor ist: "Der Euro in seiner jetztigen Form ist tot bzw. nicht mehr lebensfähig." Anstatt aber einen Reset zu fordern und zu sagen "Okay, das war nichts, das haben wir jetzt erkannt, lasst uns das nochmal probieren, wenn die gröbsten Fehler und Folgen des aktuellen Euros ausgestanden sind." wird an dieser Währung weiterherumgedoktort, bis sie zur Unkenntlichkeit operiert ist und als Schlußeffekt alle sagen - so geht es nicht mehr, bis dahin aber noch die X-te Rettungsaktion ins Land gegangen und weitere Unmengen von Geld verbrannt worden sind.

    Daher könnte man Dirk Müllers Weg als einen für alle gesichtswahrenden de-facto-Ausstieg sehen, den sich die Politik sehr genau ansehen sollte, um nicht irgendwann vom Mop aus den Regierungsgebäuden gejagt zu werden. Ich glaube allerdings nicht, daß auch nur irgend ein Politiker der aktuellen Riege diesen Mut aufbringt, Merkel schon gar nicht.

    Daher meineProphezeiung: Die AfD macht in der kommenden BTW so um die 8%, es wird weitergewurstelt und der große Crash kommt dann eben nicht aus Deutschland, sondern aus Frankreich, Spanien oder Italien. Und da das unkontrolliert ablaufen wird, brauchen wir uns dann über solcherlei Konstrukte wie die von Herrn Müller keine Gedanken mehr zu machen. Fakt wird aber sein: Unser Geld ist weg. Und KEINER darf nachher behaupten, es hätte keine Alternative gegeben. Man muß sie nur WÄHLEN.

  • @boer

    mir gings genau so

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