Dirk Müller im Interview: „Eine koordinierte Aktion gegen den Euro“

Dirk Müller im Interview
„Die Leute haben die Schnauze voll“

„Eine koordinierte Aktion gegen den Euro“

Karamanlis ist aus dem Amt gewählt worden. Alles andere klingt sehr nach einer Räuberpistole. Lässt sich das beweisen?

Ich habe viele Recherchen zu diesem Thema auch in Griechenland geführt und trotz der deutlichen Quellenlage lange überlegt, ob ich das mit ins Buch aufnehmen soll, um genau diesem Vorwurf zu entgehen. Als aber die griechische Staatsanwaltschaft 2012 in diesem Zusammenhang Anklage gegen Unbekannt wegen Hochverrat und Vorbereitungen zum Umsturz gegen Karamanlis erhoben hat, war die Faktenlage gut genug unterlegt, um das Thema im Buch aufzunehmen.

Für die Recherchen zu seinem Buch ist Müller nach Griechenland gereist. Aus Gesprächen, etwa mit einer ehemaligen Außenministerin, ist ein aktueller Bericht über die politische und wirtschaftliche Situation Griechenlands entstanden.

Die Probleme in Europa haben uns doch nicht Amerikaner oder Russen eingebrockt. Daran sind wir selbst nicht ganz unschuldig.

Die Grundprobleme sind hausgemacht, völlig klar. Die wirtschaftliche Leistungskraft der einzelnen Mitgliedsstaaten war von Beginn zu unterschiedlich, als dass man sie in eine Währungsunion hätte stecken können. Das ist unsere Achillesferse. Aber die Pfeile, die gegen diese Achillesferse geschossen werden, die kommen aus dem angelsächsischen Raum. Da sehe ich eine koordinierte Aktion.

In seinem neuen Buch belässt es Müller nicht bei der Analyse von Leistungsbilanzen, Schuldenquoten oder Wechselkursen, sondern stellt einen größeren Zusammenhang her: Die Euro-Krise wird zum Machtkampf zwischen Europa, den USA, Russland und China. Daher auch der Titel: „Showdown – der Kampf um Europa und unser Geld“.

Glauben Sie, dass die USA gezielt gegen Europa schießen?

Ich glaube, dass hier geostrategische Interessen im Spiel sind. Gehen wir ein paar Jahre zurück: Der Euro war auf dem besten Wege, den Dollar als Leitwährung anzugreifen. Davor hat unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman gewarnt. Aus Sicht der Amerikaner wäre es fahrlässig gewesen, nichts dagegen zu tun. Amerika ist existenziell darauf angewiesen, dass der Dollar die Leitwährung der Welt bleibt. Weltweit gibt es Öl fast ausschließlich gegen US-Dollar. Wenn es hierdurch nicht eine beständige Nachfrage nach US-Dollar geben würde, würde das amerikanische Modell überhaupt nicht mehr funktionieren. Die Frage ist nicht: Kann es sein, dass die Amerikaner etwas gegen den Euro haben? Sondern: Ist es realistisch, dass sie tatenlos zuschauen, wie der Euro den US-Dollar als Weltleitwährung gefährdet.

Das hört sich schon ein wenig nach Verschwörung an.

Ich sage doch nicht, dass es einen Masterplan von einigen wenigen Mächtigen gibt. Das wäre Quatsch. Letztlich geht es um die ganz normalen Mechanismen internationaler Politik. Es gibt unterschiedliche Interessen. Jeder versucht, seine durchzusetzen - der eine hat mehr Macht, der andere weniger, dies zu tun. Bundesfinanzminister Schäuble hat 2010 selbst gesagt, er sei gegen eine Beteiligung des IWF an der Euro-Rettung, weil er eine zu große Einflussnahme der USA befürchtete.

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie, wie Europa aus der Krise kommen könnte, und was Dirk Müller von Leuten hält, die seine Thesen zu einfach finden - am Sonntagnachmittag bei Handelsblatt Online.

Bibliographie:

„Showdown – der Kampf um Europa und unser Geld“

Dirk Müller

Gebundene Ausgabe, 272 Seiten

Droemer (30. April 2013)

ISBN-10: 3426276054

Kommentare zu " Dirk Müller im Interview: „Die Leute haben die Schnauze voll“"

Alle Kommentare
  • "Wenn man anfängt, hinter die Kulissen zu blicken, muss man sich zwangsläufig fragen: Was wird hier eigentlich gespielt? Bei manchen Dingen frage ich mich, wieso die Politik oder die Medien darüber nicht öffentlich sprechen. Ist das noch Unwissenheit oder schon Kalkül?"

    Kalkül, die Sache mit den schlafenden Hunden und weil sie mit den Deutschen ein einzigartig unterwürfiges und träges Volk regieren können, was momantan gnadenlos ausgenutzt wird. Nur wenn man es damit übertreibt, verhält es sich wie mit der Kuh, wenn man der die Steaks rausschneidet, wird man nur einmal davon satt, dann nie mehr. Eine Kuh muss man melken, nicht schlachten sollte eine diesen grenzdebilen Politikern mitteilen.

  • Endlich jemand der sich aus dem Fenster wagt und Sachen hinterfragt und anprangert. Solche Leute tun Europa gut!!! Die angelsachsische Achse mit ihrem aswuetenden und kranken Kapitalismus ist schon laenger aufgedeckt! Die europaeischen Politiker haben aber anscheinend nicht das Rueckgrat entgegenzuhalten. Nur einzelne Personen wie Herr Mueller und Assange. Ich hoffe man findet ihn nicht mit einer Ueberdosis in einem Hotelzimmer weil er "zufaellig" seine Tabletten verwechselt hat!

  • Mehr Müller, bitte!
    Politmarionetten haben wir genügend.
    Einfach mal seine Bücher lesen, das macht ganz schön helle. Was er in seinem '09 erschienenen »Cra(s)hkurs« geschrieben hat ist heute Realität und keiner schreit mehr »Verschwörungstheorie«.

  • Warum reden Sie nicht weiter Her Müller. Die Einheitswährung wurde eigeführt, um als neue Leitwährung, Wohlstand über unsere Finnazlobby zu bringen. Und dies gegen alle ökonomisch-demokratische Vernunft. Wer nicht hören will mus fühlen.

  • Diesen Beitrag kann man nur zustimmen. Danke für die klaren Worte.

  • Wie jeder hier lesen kann: Der Mittelstand hat sich bereits selbst radikalisiert - davon scheint die Politik nichts mitbekommen zu haben. Jetzt ist es an der Zeit, mit den rechtsstaatlich zulässigen Mitteln gegen die Vernichtung unseres Geldes, Wohlstandes bzw. unserer Zukunft anzutreten. Für mich ist die AfD eine ernsthafte Option!
    Deutschland braucht Europa nicht - es ist umgekehrt.

  • In Ihrem Beitrag ist nicht ein sachliches Argument zu finden, weder zu den Behauptungen des interviewten noch bezüglich Ihrer Diffamierung dieser Plattform.
    Deshalb ist es wahrscheinlich das beste für alle, wenn Sie gehen. Auf Wiedersehen!

  • aber aber, halt..wer wird denn gleich in die Luft geh'n??
    greife lieber zu HB !

    und zum nachbehandeln etwas Baldrian.

  • Ich habe die Schnauze voll. Stimmt. Von Dünnbrettbohrern wie Herrn Müller und Medien, wie dem Handelsblatt, die diesen eine entsprechende Bühne bieten.

    Meine Entscheidung (auch wenn sie sicherlich gleich wegzensiert wird):

    Ab heute lese ich kein Handelsblatt mehr. Die Infos, die ich brauche, bekomme ich woanders her. Wie gesagt, ich habe die Schnauze voll.

    HB-Online wurde gerade aus meinem Browser gelöscht.

  • "Zudem holte man die Engländer ins Boot und könnte gleichzeitig dem Vorwurf des Nationalismus begegnen."

    1. Die Engländer wollen von niemandem ins Boot geholt werden, denn sie können selbst rudern, bitte respektieren und nicht eigene Phantasien durchsetzen wollen!

    2. Warum glauben Sie, dem Vorwurf des Nationalismus begegnen zu müssen? Nicht jeder, der anderen einen Vorwurf macht, hat immer recht! Ein bißchen mehr Selbstbewusstsein wäre hier nötig und man braucht sich nicht zu schämen, wenn man
    seine Interessen vertreten will. Andere Länder tun das auch, aber ohne schlechtes Gewissen.

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