Dirk Müller, Robert Halver, Eckhard Sauren
Wann kommt der Crash?

Im Jahr neun der Rally an den Aktienmärkten fragen sich viele Investoren, wie lange das noch gutgehen kann. Klar ist: Irgendwann kommt der Crash. Nur wann und warum? Prominente Anlageexperten geben Antworten.
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DüsseldorfNur noch knapp 20 Punkte haben in der vergangenen Woche gefehlt, doch sein Allzeithoch hat der Deutsche Aktienindex nicht geknackt. Höhenangst oder fundamentale Gründe? Aktuell notiert der Dax wieder deutlich tiefer, auf einen neuen Rekord müssen Anleger weiter warten. Doch was passiert dann? Geht die Rally, die immerhin schon im neunten Jahr läuft, munter weiter? Oder droht ein Crash? Immerhin erleben Investoren gerade die längste Hausse in der jüngeren Geschichte.

Gibt es aktuell mehr Chancen oder mehr Risiken an den Märkten? Darüber diskutierten Fondsmanager Dirk Müller, alias „Mr. Dax“, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, jüngst auf der Anlegermesse Invest. Die Botschaft war schnell klar: Die Risiken überwiegen ganz klar, doch es gibt auch Chancen.

Der Jahresstart kann sich sehen lassen, der Dax ist gut sechs Prozent im Plus, auf Sicht von einem Jahr sind es sogar mehr als 25 Prozent. Auf längere Sicht sieht die Bilanz sogar noch besser aus. Seit dem Krisenjahr 2008 ist der Dax um stolze 275 Prozent gestiegen. Doch die Skepsis unter den Experten wächst, dass das so weiter geht. „Wir leben an der Börse immer in Zyklen“, sagt Dirk Müller. „Und das ist nicht nur an der Börse so, sondern auch in Volkswirtschaften. Unsere ganze Wirtschaft besteht aus Boom and Bust, also einer starken Phase und eben auch einer Rezession.“ Nach neun Jahren Börsenaufschwung sollte nun, allein schon mit Blick auf den Zyklus „demnächst mal die Gegenbewegung kommen“.

Wann die komme, könne natürlich niemand sagen. „Aber in der Vergangenheit war es in der Regel so, dass steigende Zinsen der Auslöser für die Rezession und damit diese Abschwungbewegung an den Märkten waren“, so Müller. Alles deute momentan darauf hin, dass es bald soweit sei. „Ich glaube nicht, dass die nächste Bewegung noch mal 270 Prozent nach oben ist, sondern eher ein deutlicher Schlag runter“, befürchtet Mr. Dax.

Muss es gleich ein Crash sein, oder kann es auch eine Korrektur um zehn oder 15 Prozent sein? Eine schwierige Frage, findet Eckhard Sauren. „Nach dem längsten Aufschwung in der Geschichte wird die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur natürlich immer größer“, sagt der Dachfondsmanager. „Das ist vor allem deshalb so, weil der Aufschwung in jüngster Vergangenheit nicht mehr durch steigende Unternehmensgewinne getragen wurde, sondern eigentlich nur noch aufgrund der niedrigen Zinsen zu rechtfertigen ist.“ Wenn die Unternehmensgewinne im Gegensatz zu den Aktienkursen nicht mehr steigen, kommt es schnell zu einer Überbewertung. Sauren sieht mittlerweile Bewertungsniveaus, die man tatsächlich nur noch mit null Zinsen rechtfertigen könne. „Daher wäre es nicht überraschend, wenn es bei einer Korrektur an den Märkten etwas deutlicher zur Sache gehen könnte“, sagt er.

Auch waren die Korrekturen in jüngster Vergangenheit immer nur sehr kurz und sind prozentual relativ glimpflich abgelaufen. „Viele Anleger sind in diese kleinen Korrekturphasen reingesprungen und wurden immer belohnt“, sagt Sauren. Es gebe immer mehr Investoren, die richtige Korrekturen mit Kursrückgängen von zehn oder 20 Prozent gar nicht mehr kennen. Ob die die Nerven behalten? Robert Halver kann einem Rücksetzer sogar Positives abgewinnen. „Ein bisschen Konsolidierung ist doch nicht verkehrt“, sagt er. „Das ist ganz gesund, einfach um mal Luft aus dem Markt rauszulassen.“

Auslöser können natürlich die Notenbanken sein, nämlich dann, wenn sie die Börsen auf Entzug setzen. Denn die sind seit Jahren vom billigen Geld getrieben – unendliche Liquidität ist ihre Droge. Die Vergangenheit zeige natürlich, dass die Zinsen und die Geldpolitik sehr markant seien für die Aktienmärkte, so Halver. Die volle „Alimentierung“ würden die Notenbanken wohl nicht mehr liefern. „Aber sie wissen natürlich auch, was sie damit anrichten würde in einer Welt, die völlig überschuldet ist“, beruhigt er. Die Schulden müssten irgendwie bezahlt werden. Man könne nicht so tun, als könne man jetzt zu einer Normalität zurückkommen. „Auch wenn wir uns die alle wünschen, ich mir auch.“

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  • Vielen Dank für die gutgemeinten Warnungen und Crashprophezeihungen. Ich vertraue da lieber auf meine fast 40 Jahre (positive!) Börsenerfahrung und investiere weiterhin in meine Johnson&Johnson, Nestle, Novartis und Co.
    Einfach mal die Langfristcharts anschauen, Dividenden reinrechnen und dann gaaaaanz entspannt zurücklegen. OK, für kurzfristige Investoren könnte es etwas holprig werden, aber das sagte man auch voraus, als Trump die demokratische Wahl gewann.... Oftmals entwickelt sich die Börse nicht so, wie es die Experten vorhersagen....

  • @Herrn Michael Müller

    Der Handelsblatt-Artikel ist überschrieben mit "Wann kommt der crash?" Sie scheinen die Gefahren überhaupt nicht zu sehen. Darum erzähle ich Ihnen in aller Kürze, dass die Zentralbanken dieser Welt schon seit langen Jahren die Zinsen abgeschafft haben. Sich Geld zu leihen war somit sehr billig. Aber das billige Geld floss leider nicht in die reale Wirtschaft, sondern in den Kauf von Vermögenswerten. Auf den Märkten für Anleihen entstand eine unbeschreiblich große Preisblase. In abgeschwächter Form entstanden auch auf den Immobilien- und Aktienmärkten Preisblasen.

    Nun kann natürlich jeder annehmen, was er will. Beispielsweise, dass die Preisblasen bis zum Ende aller Tage erhalten bleiben und vielleicht sogar noch größer werden.

    Aber die Erfahrung lehrt, dass Blasen irgendwann doch platzen. Nehmen Sie als Beispiel, dass auf dem Anleihemarkt eine Verkaufswelle in Gang kommt. Dann erleiden viele Anleger Verluste. Um diese Verluste auszugleichen, verkaufen die Anleger andere Anlageklassen. Beispielsweise Ihr heißgeliebtes Gold. Es kann sich wie alle anderen Anlageklassen dem Platzen der Vermögenspreisblasen nicht entziehen. Einen Schutz vor Verlusten bietet nur cash.

  • Crashs kündigen sich nicht an. Sie kommen. Urplötzlich. Gerade das kennzeichnet einen Crash. Die Frage nach dem "Wann" zeugt von Unkenntnis über das Wesen eines Crashs.

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