Dirk Müller und Max Otte: „Das ist alles nicht mehr kalkulierbar“

Dirk Müller und Max Otte
„Das ist alles nicht mehr kalkulierbar“

Die Krise in Europa spitzt sich zu. An der Börse spielen die Kurse verrückt. Handelsblatt Online sprach mit Dirk Müller und Max Otte über die Aussichten für Anleger, die Perspektiven des Euro und Verschwörungstheorien.

Herr Otte, Herr Müller, ist derzeit eine gute Zeit, Aktien zu kaufen?

Max Otte: Die Kurse steigen, weil die Anleger erkennen, dass Aktien günstig bewertet sind. Europa steht eigentlich besser da als viele glauben. Die Börse honoriert das allmählich.

Dirk Müller: Die Big Boys wissen auch nicht wohin mit ihrem Geld. Die meisten warten aber darauf, dass es nochmal rappelt, um dann einzusteigen.

Otte: Nach vier Jahren Panik, nach vier Jahren Krise, glaube ich, dass der Boden erreicht ist an den Aktienmärkten.

Müller: Im Moment ist es für niemanden einfach, eine Vorhersage zu treffen. Leider werden die Märkte derzeit nicht getrieben von den Fundamentaldaten; das macht es unberechenbar.

Otte: Wenn Sie heute eine billige Aktie kaufen, dann ist das Risiko aus meiner Sicht überschaubar.

Wie fällt Ihre Prognose aus, Herr Müller?

Müller: Wenn ich Prognosen höre, wo der Dax in einem Jahr steht – so ein Unsinn. Ich kann nicht mal sagen, wo der Dax in einer Woche steht! Da kommt der Draghi um die Ecke, mit einem Mal stehen wir 500 Punkte höher. Dann kommt eine andere Nachricht und der Dax fällt um ein paar hundert Punkte. Das ist alles nicht mehr kalkulierbar.

Otte: Anleger müssen heutzutage eine sehr hohe Schmerztoleranz haben.

Das ist leicht gesagt.

Otte: Aber es stimmt. Erst die Schmerzen, dann das Geld. Das hat schon André Kostolany gesagt. Und er hatte Recht damit. Auch heute noch.

Müller: Es kommt darauf an, von welchen Anlegern wir sprechen. Wenn es um jemanden geht, der ein großes Vermögen hat und nur einen Teil davon, etwas riskanter anlegt, dann kann derjenige sicherlich auch mal Verluste von 30 Prozent aussitzen, bevor es wieder aufwärts geht. Aber jemand, der sein Leben lang hart gearbeitet hat, der kurz vor der Rente steht und dessen Altersvorsorge auf dem Spiel steht, der wird das anders sehen. Da fällt es mir schwer, zu sagen: Mensch, es geht halt mal runter, da musst du durch.

Herr Müller, würden Sie die Finger von Aktien lassen?

Müller: Nein. Aktien muss man haben. Was bleibt denn sonst? Bundesanleihen? Die Rendite gleicht nicht mal die Inflation aus. Festgeld? Soll ich einer Bank mein Geld für drei Jahre leihen, wo sich die Banken nicht mal trauen, sich untereinander Geld über Nacht zu leihen. Es bleiben nur Sachwerte, ganz vorne weg Aktien, Edelmetalle als Beimischung. Wichtig ist, dass man sein Depot absichert. Dann kann man auch beruhigt in den Urlaub fahren.

Und wie könnte so eine Absicherung aussehen?

Müller: Die Absicherung sollte so einfach wie möglich sein. Haben Sie überwiegend Aktien aus dem Dax? Dann kaufen Sie zusätzlich einen Verkaufs-Optionsschein auf den Dax; sozusagen als Notnagel für den Fall, dass Sie morgens aufstehen und der Dax eröffnet 700 Punkte tiefer. Im Moment ist alles möglich.

Kommentare zu "„Das ist alles nicht mehr kalkulierbar“"

Alle Kommentare
  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Für jede Rendite muss ein Knecht mehr arbeiten, als er selbst verdient. Das ist die Kehrseite aller Renditen. Ausbeutung.

  • 'ratlos' sagt
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    "Die deutsche Großindustrie und die Banken sind die einzigen Profiteure des Euro." sagt Heiko Schrang in seinem Interview, in welchem sich auch andere unbequeme Wahrheiten über den Euro, die Politiker und deren Schwächen finden.
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    Es darf gelacht werden!

    Sind die griechischen Kleptokraten die sich die Taschen vollstopfen vielleicht keine Profiteure des Euro?

    Die Griechen haben sich in den letzten zehn Jahren 200 Milliarden als Staat und 100 Milliarden als Banken geliehen, die sie offensichtlich nicht zurückzahlen wollen.

    Das sind 28.000 Euro pro Nase.

    Oder 112.000 Euro für jede vierköpfige Familie.

    Nicht profitiert?

    Der Herr Schrang braucht dringend einen Realitätscheck.

  • Meine Güte der Dirk Müller nervt so langsam. Ich frage mich immer woher nimmt der eigentlich sein "Expertise"??? VWL-Studium? Fehlanzeige! Dann wenigsten BWL? Nein! Schon mal in einer makroökonomischen Abteilung einer Bank, Risikocontrolling oder im Risikomanagement gearbeitet??? Und jetzt wird der hier im Forum als Finanzanalyst, Insider u.ä. bezeichnet. Der Mann hat Bankkaufmann gelernt und erfasst - wenn er nicht gerade seine Nase in eine Fernsehkamera streckt - Börsenorders ... wenn man seine Aussagen mal nur ein wenig hinterfragt sieht man auch nur Phrasen nach dem Motto "kann so kommen, vielleicht auch nicht" ...

  • Dirk Müller wird auch immer langweiliger, weil immer dasselbe von ihm. Sein Credo: "Ich weiß nix, andere wissen auch nix und das ist gut so." Dem kann man wenigstens nur voll zustimmen! Die meisten Finanzanalysten gehören eben dem Fach "Unterhaltung" zugeordnet.

  • "Die deutsche Großindustrie und die Banken sind die einzigen Profiteure des Euro." sagt Heiko Schrang in seinem Interview, in welchem sich auch andere unbequeme Wahrheiten über den Euro, die Politiker und deren Schwächen finden.

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/145/11-fragen-die-die-deutschen-bewegen.php

    Er spricht damit so manchem aus der Seele.

  • Ich würde es mal begrüssen, wenn hier in den Foren NUR EINMAL eine vernünftige Idee für eine Geldanlage gegeben
    würde.Sind ja anscheinend genügend "Experten" hier zu Gange. Einaml sind es Aktien, dann wieder nicht, dann wieder Immobilien, dann fällt auch das wieder weg, Anleihen, forest investment, etc. etc. etc. - täglich was anderes.....

  • 12.08.2012, 01:24 Uhr
    Registriertes Mitglied
    Winfried Sobottka

    "=> kit_fisto, Sie lügen, wenn Sie den Mund aufmachen oder die Tastatur berühren, das haben Sie zig-fach bewiesen."

    Solche Beleidigungen nennen sich bei "Herrn" Sobottka eben "Verteidigung". Das nächste Verfahren, welches am Amtsgericht Lünen anhängig ist, wird ihn aber eines Besseren belehren.

  • @Das_Gewissen und @WinfriedSobottka:

    Bitte tragen sie Ihre Streitigkeiten und Konflikte nicht in unseren Kommentaren aus. Wir stellen diese Funktion unseren Lesern zur Verfügung, damit diese in angemessener Weise über die Themen debattieren können, über die wir berichten.

    Dabei wollen wir so wenig wie möglich in die Diskussion eingreifen - auch wenn Meinungen vertreten werden, die nicht der Auffassung von handelsblatt.com entsprechen; solange diese Meinungen in einem Stil geäußert werden, der weder beleidigend, verletzend oder volksverhetzend ist.

    Es soll um die Sache gehen, und wir bitten Sie hiermit höflich persönliche Zwiste und Angriffe in unserem Forum zu unterlassen. Halten Sie sich bitte daran, denn wir würden ungern damit anfangen müssen, Benutzer zu sperren.

    - Die Community-Redaktion

  • 'WinfriedSobottka' sagt
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    kit_fisto, Sie sollten das von mir propagierte göttliche Gesetz kennen:

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"
    -----------------------------

    Wunderbar!

    Winfried Sobottka als Prophet.

    ++++

    Hören Sie manchmal Stimmen?

    Spricht Gott zu Ihnen?

    Oder die Engel?

    Tritt das in zeitlichen Zusammengang mit den Mikrowellenangriffen des Verfassungsschutzes auf Sie auf?

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