Dirk Müller zu China und dem Dax: „Es sieht katastrophal aus“

Dirk Müller zu China und dem Dax
„Es sieht katastrophal aus“

An den Weltmärkten braut sich etwas zusammen, der große Crash ist nicht mehr ausgeschlossen, ist Dirk Müller überzeugt. Nur wann kommt er? Und wie kann er verhindert werden? Mr. Dax gibt Antworten auf drängende Fragen.
  • 74

Es kracht an den Märkten, der Dax notiert tief im Minus, schon das zweite Mal in dieser Woche. Dirk Müller ist trotzdem gut gelaunt, schließlich hat jede Börsenentwicklung Vor- und Nachteile. Der Aktienexperte und Fondsmanager sieht die aktuelle Lage allerdings recht düster. Was nicht heißen muss, dass wir gerade den Anfang eines Crashs erleben.

Herr Müller, der Jahresauftakt ist kräftig danebengegangen. Hatten Sie damit gerechnet?

Ich hatte befürchtet, dass es ein extrem heftiges Jahr wird. Dass es aber gleich so früh, so heftig startet, ist zumindest ungewöhnlich. Aber auch nicht ganz unerwartet.

Weil die Jahresendrally eigentlich auch schon ausgefallen ist?

Die Jahresendrally hat schon stattgefunden und zwar in der Weise, dass der Einbruch ausgeblieben ist. Die negativen Vorzeichen waren da, aber es wollte sich keiner von den großen Kapitalverwaltern der Welt, die über die Billionen verfügen, zum Jahresende den Bonus kaputt machen lassen. Und deshalb musste die Jahresbilanz an den Märkten halbwegs ordentlich aussehen. Also hat man versucht, die Kurse zu pflegen. Das sorgt in normalen Zeiten immer für steigende Kurse, hier hat die Kurspflege gerade mal einen Rückgang verhindert.

Und jetzt?

Ist das nicht mehr nötig. Jetzt kommt das Drama gleich zum Jahresanfang wie ein Korken aus der Flasche geschossen. Die Probleme sind nicht neu. China haben wir im vergangenen Jahr schon hoch und runter diskutiert. Aber das Thema kommt jetzt einfach mit Macht an die Oberfläche. Die Lage hat sich immer weiter zugespitzt und jetzt kracht es.

Ist das der Beginn des großen Crashs, vor dem immer wieder gewarnt wird?

(lacht) Das weiß man immer erst hinterher, das ist ja das Verrückte daran. Es ist möglich, ja. Vielleicht ist das der Anfang. Ich erwarte für China extreme Verwerfung, nur der Zeitpunkt ist nicht klar, es könnte aber jetzt soweit sein.

Kling eher nach Crash…

Es ist aber auch jederzeit möglich, dass das Ganze durch besondere Maßnahmen der Notenbanken noch mal abgewendet wird. Wenn diese geld- und wirtschaftspolitischen Interventionen ausbleiben, ist es durchaus möglich, dass das jetzt der Beginn eines richtig großen Rückgangs ist. Man muss aber auch jederzeit damit rechnen, dass wir Dank neuer Maßnahmen beispielsweise der chinesischen Notenbank wieder Monate oder sogar ein, zwei Jahre gewinnen.

Kommentare zu " Dirk Müller zu China und dem Dax: „Es sieht katastrophal aus“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herrn Müllers Interview mit "Gelaber" abzutun, finde ich falsch. Das Interview sagt zwar wenig über die Zukunft, sagt deshalb auch nichts Falsches, weil eine deutliche Positionsnahme zur Zeit schwer möglich ist.
    Natürlich ist die Zinsanhebung in den USA nicht in erster Linie auf die Wirtschaftslage in den USA zurückzuführen, sondern eine politische Ebntscheidung, um andere Länder mit ihren Währungen klein zu halten. Die Arbeits- und Einkommensituation in den USA ist nicht gut.
    Würde im chninesischen Meer bei den künstlichen Insel Annexionen Chinas ein Schuss fallen, würde der westliche Aktienmarkt und der Ölpreis hochgehen. Reagieren die Chinesen böse, fährt die USA den Zins weiter hoch und China verstummt. China kann sich keinen militärischen Konflikt leisten. Der Yuan ist immer noch viel zu hoch und entsprechend die Gehälter in China auch zu hoch, die Waren zu teuer geworden. Schon seit einiger Zeit produziert China in den Philippinen, Vietnam, Malaysia etc, druckt aber auf die waren "made in China", um von den niedrigen Löhnen dieser Länder zu profitieren.

    Übrigens: Was dieser Artikel mit Kommentaren über Pegida zu tun hat, ist mir nicht erklärlich.

  • Das ist doch alles kein Problem.
    Gefährliche Notenbank-Dilletanten aller Länder haben doch ein probates Mittel, den Crash hinauszuzögern:
    Werft die Gelddruckmaschinen an und druckt Meere von Falschgeld und werft es mit dem Helikopter unter Euer doofes Volk, das Euch nicht zum Teufel jagt.

  • Den besten Kommenrar seit langem habe ich gestern (mal wieder) bei Zerohedge gelesen:
    "Das Plunge Protection Team hatte das gleiche Problem, das auch ich hätte, wenn ich Janet Yellen nackt ansehen würde: es hat ihn einfach nicht hoch gekriegt."
    Gemeint ist hier selbstverständlich der Dow Jones. ;-)
    Die wichtige Kernaussage ist allerdings: die den freien Markt verachtenden Zentralplaner werden bis zuletzt mit ihren Interventionen und Manipulationen weiter machen. Eines (womöglich nicht mehr allzu fernen) unschönen Tages wird sich der Markt für diese Verachtung jedoch furchtbar an ihnen rächen und sie vernichten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%