Diskussionsrunde der Vermögensverwalter auf der Anlegermesse IAM
“Was tun in einem Seitwärtsmarkt?“

Diskussionsrunde der Vermögensverwalter Frank Lingohr (Lingohr & Partner), Michael Schneider (HSBC Trinkaus), Tim Schmiel (VM Vermögensmanagement) mit Gertrud Hussla, Handelsblatt, anlässlich der Anegermesse IAM 2006 in Düsseldorf.

Wo glauben sie, werden die Märkte Ende des Jahres stehen?

Lingohr: Wir kaufen eigentlich keine Märkte, wir kaufen Aktien. Mir ist es am liebsten, wenn die Märkte nicht zu stark steigen, weil wir dann besser abschneiden als die Indizes. Doch wenn ich meinem Bauch folge, was ich nicht sehr gerne tue, dann werden wir Ende des Jahres nicht weit vom heutigen Stand entfernt sein, bei relativ hoher Volatilität.

Schmiel: Ich glaube auch nicht dass die Aktienmärkte allzu großes Potenzial haben. Wir sind in einer Situation, wo sich der Markt entscheiden muss. Wir erleben in den letzten Wochen immer wieder dass Ansätze zu rückläufigen Kursen von den Investoren zu Nachkäufen genutzt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass wir noch höhere Kurse sehen werden, aber insgesamt ist das Potenzial beschränkt.

Schneider: Einige Belastungsfaktoren sind weggefallen, der Rohölpreis, die Rohstoffe sind zurückgekommen. Die Zinsseite hat sich beruhigt, also eigentlich positive Signale. Wir stehen irgendwo auf der Kippe, auch charttechnisch. Vielleicht vor einem Ausbruch. Wenn wir nachhaltig im Dax die nächste Widerstandslinie überschreiten würden, dann ist schon Potenzial da, dann muss man mal sehen wie sich die Landschaft weiter darstellt.

Und wie steht es mit Anleihen?

Schneider: Da bin ich konservativ, wähle kurze Laufzeiten, keine langen. Zuletzt war am Rentenmarkt kein Geld zu verdienen. Wenn Sie den Rex nehmen, der ist leicht im Minus. Das Heil lag wirklich in kurzen Anlagen. Es ist noch nicht alles geklärt an der Zinsfront, es sieht zwar besser als vor drei Monaten, aber ich würde kurz bleiben. Und der Renditeabstand von kurzen zu langen lohnt auch nicht, große Risiken einzugehen.

Aber empfehlen einige Researchinstitute nicht auch, jetzt wieder langlaufende Papiere zu kaufen. Besonders in den USA sei die Phase der steigenden Zinsen fast vorbei.

Schmiel: Wenn Sie überlegen dass Sie für ein festverzinsliches Wertpapier langer Laufzeit je nach Qualität des Schuldners zwischen vier und 4,5 Prozent bekommen und dafür sich das Risiko einkaufen, dass man nicht recht bekommt, dann bin ich der Auffassung, dass man sich die langfristigen Dinge nicht erwerben sollte. Sie bekommen Festgeld zwischen 2,75 und drei Prozent. Das ist eine schöne Verzinsung . Das hat für Sie keine weiteren Kosten d Sie haben null Verlustrisiko. Wer etwas längerfristig etwas machen möchte, kann eine Floatingrate Note kaufen. Sie wird regelmäßig an den Marktzins angepasst und man kann sie in jeder Bank erwerben.

Schneider: Ich weise noch auf die klassische Variante hin: ein niedrig verzinsliches Papier kaufen, und dann das steuerfreie Disagio noch mitnehmen. Das geht noch bis Ende 2007. Das enspricht einer Anlage mit fünf Prozent Rendite, Steuereffekte eingeschlossen. Hört sich langweilig an aber ist noch relativ effektiv.

Und was empfehlen Sie bei Aktienanlagen? Gibt es dort trotz des Seitwärtsmarktes Bereiche, die besser laufen?

Lingohr: Wir filtern wöchentlich mehrere tausend Aktien nach Unterbewertungen und wir sehen doch Häufungen in unterschiedlichen Sektoren. Wir waren seit über einem Jahr in Rohstoffwerten dabei. Sie waren im März/ April eklatant überbewertet. Die Kurse waren viel zu weit gelaufen, wir haben in dem Bereich jetzt eine Korrektur. Wir haben sie vielleicht noch nicht ganz hinter uns, aber ich denke, Rohstoffwerte sind jetzt wieder kaufenswert und billig. Was andere Gruppen angeht, sprechen wir mal über small und large und mid caps, Aktien mit hoher und niedriger Kapitalisierung. Aktien mit niedriger Kapitalisierung sind heute, wenn Sie auf das Kursgewinnverhältnis sehen, erheblich teurer, als die großen Qualitätsunternehmen, was unüblich ist.

Große Qualitätsunternehmen dagegen stehen heute 50 Prozent unter den damals überhöhten Kursen von Anfang 2000. Sektoren, wo wir Häufungen günstiger Bewertung sehen, sind die Versicherer, Allianz, Münchener Rück, Hannover Rück, American International Group und Pharmatitel. Ob sie Pfizer nehmen oder Altana nehmen, auch diese Werte sind eklatant unterbewertet. Ebenso kleinere Stahlunternehmen. Wir waren in vielen drin, die inzwischen übernommen worden sind, Dofasco oder Arcelor, dort finden wir immer noch unterbewertete Aktien.

In kleinere Unternehmen würde ich nur sehr vorsichtig investieren, weil dort die Bewegung sehr weit gelaufen ist. In der zweiten Hälfte 90er Jahre sind die, Mega Large Caps, die ganz großen Titel super gut gelaufen, und wenn sie die nicht im Portfolio drin hatten, haben Sie gnadenlos schlechter abgeschnitten als der Index.

Da musste eine Gegenbewegung einsetzen, die haben wir in den letzten Jahren gehabt, die ist wieder übertrieben worden, jetzt muss man wieder die großen Werte kaufen.

Schmiel: Die Anlagepolitik, die wir betreiben ist ohnehin völlig unabhängig zu sehen von irgendwelchen Indextrends oder irgendwelchen Rallys. Es gibt günstig bewertete Aktien und es gibt teure Aktien. Nach meiner Ansicht gibt es nur ein Problem. Wenn eine Aktien en vogue ist, wenn sie in der Zeitung irgendwo empfohlen wird, dann sind in der Regel die meisten Investoren schon drin. Wer investiert ist, hat in der Regel Angst etwas zu verlieren. Deswegen ist dann in der Regel die Rally schon vorbei. Man sollte versuchen, Titel zu finden, die eine vernünftige Bewertung haben, und versuchen diese Titel zu kaufen, bevor sie vom allgemeinen Markt entdeckt werden.

Die Large Caps haben Bewertungen, die sicherlich im langjährigen Schnitt nicht überbewertet sind. Das Problem bei den großkapitalisierten Titeln ist: Die Schwankungen, die sie haben, haben teilweise mit ihren fundamentalen Daten überhaupt nichts zu tun. Ob heute eine Daimler oder eine Siemens zwei Prozent steigt oder fällt hat weniger mit den substanziellen Daten zu tun, sondern damit, dass irgendwelche Fonds ihr Kapital rausziehen wollen oder ihre Kapital hineingeben. So lange die Liquidität in den Märkten so hoch ist wie jetzt, ist es außerordentlich schwierig zu beurteilen, ob die Large Caps überbewertet sind oder nicht. Deswegen schauen wir auch nach geringer kapitalisierten Gesellschaften, wo die Aufmerksamkeit gering ist, die keiner verfolgt. Titel unterhalb des M Dax werden von keiner Bank beobachtet. Da gibt es Titel die durchaus preiswert sind. Beispielsweise Gerling.

Schneider: Mit den starken Schwankungen haben wir uns seit fünf, sechs Jahren anzufreunden. Da sind spezielle Fonds dafür verantwortlich. Jetzt haben wir Bewegungen von fünf oder zehn Prozent bei großen Titeln, wie man sie früher nicht kannte, das gehört jetzt zum Alltag. Auch wir schauen, welche Werte nicht überbewertet sind, um dann solche Situationen ausstehen zu können. Wir sind Investoren und nicht Spekulanten, wir haben einen langfristigen Ansatz. Wir tummeln uns eher auch in den großen Werten, Dax, Eurostoxx, weil wir da doch deutliche Bewertungsunterschiede sehen zu den kleineren Werten. Eine Münchener Rück, eine Allianz, eine Deutsche Bank mit einstelligen KGV’s, eine BASF, da sind sicherlich Werte zu finden, die langfristig mit einer Dividende versehen, auch was bringen. Oder eine Royal Dutch.

Lingohr: Es ist zwar bitter wenn die Daimler Aktie um zehn Prozent fällt. Doch die durchschnittliche Verweildauer einer Anlage liegt bei 582 Tagen. Da zählt ein Tag nichts. Ich kann nur warnen: es geht häufig die These um, man solle ein fokussiertes Portfolio haben. Ich würde eher ein breiteres Portfolio wählen, weil dann die statistische Wahrscheinlichkeit für Sie spricht. Wenn sie mit einem ein fokussierte Portfolio Erfolg haben wollen, dann müssten Sie Warren Buffet heißen, das kann ich dem einzelnen nicht empfehlen, wenn er einen schwachen Magen hat.

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