Dividenden und Aktienrückkäufe
Vorsicht, es gibt Geschenke!

Apple, IBM, Siemens – weltweit schwimmen Unternehmen im Geld. Das soll den Aktionären zugutekommen. Doch nicht immer geht der Plan auf. Wann sich die Geschenke an die Anteilseigner auszahlen - und wann nicht.
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DüsseldorfApple hat ein Problem. Das Unternehmen sitzt auf einem riesigen Geldberg. Mehr als 100 Milliarden Dollar hat die Firma angehäuft. Der Lohn harter Arbeit und ständiger Innovationen. Nur: Das Unternehmen weiß nicht mehr, wohin mit den vielen Dollar. Die Aktionäre drängen darauf, dass das Geld nicht einfach herumliegt. Was also tut Apple?

Das Kult-Unternehmen beschenkt seine Aktionäre. Erstmals in seiner Geschichte hat Apple die Zahlung einer Dividende und erstmals seit einem Jahrzehnt den Rückkauf eigener Aktien angekündigt. Das Programm zum Aktienrückkauf läuft seit Oktober, insgesamt will das Unternehmen zehn Milliarden Dollar dafür locker machen.

Damit liegt der Technologiekonzern voll im Trend. Weltweit sitzen Unternehmen auf Cash-Reserven. Viele davon beschenken die eigenen Aktionäre. Das geht auf zweierlei Weise: entweder indem die Firmen das Geld per Dividende direkt überweisen, oder indem sie eigene Aktien zurückkaufen, was den Gewinn pro Aktie steigert. „Bevor die Unternehmen das Geld für Unsinn ausgeben, sollten sie es lieber an die Aktionäre ausschütten“, sagt Jürgen Meyer, Fondsmanager von SEB Asset Management in Frankfurt.

Allerdings hat die Medaille auch eine andere Seite. Wenn eine Gesellschaft, die eigene Aktien zurückkauft oder die Ausschüttungsquote erhöht, kann das entweder heißen: Wir haben keine Idee, was wir mit unserem Geld anfangen sollen. Oder: Wir investieren lieber nicht in neue Maschinen, Fabriken oder Produkte, weil wir einen Einbruch der Weltkonjunktur befürchten. Beides klingt nicht gerade vertrauenerweckend. Wenn ein Unternehmen einen Aktienrückkauf oder Sonderdividende vorschlägt, sollten Anleger zumindest hellhörig werden.

Die Hälfte der 30 Firmen im Dow Jones hat in diesem Jahr den Rückkauf eigener Aktien angekündigt. Allein Exxon, Johnson & Johnson, IBM und AT&T haben dafür fast 50 Milliarden Dollar ausgegeben. Zudem planen mehrere US-Konzerne eine Sonderdividende oder ziehen die Ausschüttung – wie etwa Wal Mart – vor. In den USA spielen dabei steuerliche Gründe eine wichtige Rolle. Aber auch in Deutschland mühen sich die Firmen um ihre Anteilseigner. Volkswagen wird auf der nächsten Hauptversammlung voraussichtlich einen Anstieg der Dividende um 65 Prozent auf 5,05 Euro je Anteilsschein vorschlagen. Siemens geht den anderen Weg. Der Münchener Konzern hat sich auf einen Aktienrückkauf festgelegt.

Kommentare zu " Dividenden und Aktienrückkäufe: Vorsicht, es gibt Geschenke!"

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  • Hallo Andi,

    in ihrem Beispiel beträgt das KBV 1,1, demnach sinkt der Buchwert pro Aktie durch das Rückkaufprogramm erwartungsgemäß, wenn auch nur geringfügig, auf 9,89.

    Wir setzen mal einen ROE von 12% an (Fremdkapitalhebel bleibt konstant) und erhalten folgendes nach 1 Jahr:

    Ohne Rückkauf:

    10+10*0.12=10+1.12=11.12 als neuen Buchwert pro Aktie nach einem Jahr

    Mit Rückkauf:

    9.89+9.89*0.12=11.0768

    Wir sehen also einen stärkeren Anstieg beim Buchwert ohne den Aktienrückkauf zu einem KBV von 1.1.

    Ein KBV von 1.1 ist noch ein „harmloser“ Wert für einen wenn auch schädlichen Aktienrückkauf, in der Regel beträgt der zwischen 2 und 3 wodurch dann ausgeprägte Schäden an der Kapitalbasis des Unternehmens entstehen.

    Berkshire Hathaway kauft genau aus diesem Grund Aktien nur bis zu einem KBV von 1 zurück.

  • Hallo Andi,

    Wenn der Buchwert sinkt bei einer konstanten Bilanzsumme, müssen Sie mit dem Fremdkapitalhebel hochgehen. (Die Bilanzsumme müssen Sie ja gleich halten wenn der Profit gleich bleiben soll).

    Genauso könnten Sie ohne das Aktienrückkauf einfach die Verschuldung erhöhen und damit die Bilanzsumme und somit den Profit. (Sie bewirken in beiden Fällen das selbe nämlich einen Anstieg vom ROE über den Fremdkapitalhebel).

    Die ROE im jahrzehntelagen Durchschnitt beträgt rund 12%, siehe dazu "How Inflation swindles the equity investor" von Warren Buffet Forbes magazine 1977:

    http://www.valueinvesting.de/en/inflation-equity-investor-by-warren-buffett.htm

    Das Ertragspotenzial einer Aktie ist also langfristig an den Buchwert gekoppelt wenn man die Verschuldung, Konjunktur, Branchenzustand, Management usw. rausfiltert.

    Daraus folgt ganz einfach das langfristig gesehen wir möglichst viel Eigenkapital pro Aktie akkumulieren wollen, nur so können wir solide wachsen.

    Wer eine Pizzeria hat die den Ertrag X abwirft, kann ggf. eine zweite Filiale auf Pump aufmachen und so den ROE und somit Profit über den Fremdkapitalhebel steigern. Aber das hat Grenzen, wachsen kann ein Unternehmen langfristig nur durch eine Stärkung seiner Kapitalbasis, auf die Aktie bezogen also die Steigerung des Buchwertes.

  • Hewlett-Packard und Dell haben zusammen rund 150 Mrd Dollar durch Aktienrückkäufe in den letzten verbrannt!
    IBM und Apple machen also genau das richtig!!!

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