Dow Jones und S&P 500

Warum Anleger trotz allem über US-Aktien jubeln

Die Rally an der Börse läuft und läuft – allen Rücksetzern zum Trotz. Wichtige US-Indizes haben neue Rekorde markiert. Geht die Party an der Wall Street weiter oder kippt die Stimmung? Alle blicken auf die US-Notenbank.
Update: 20.05.2015 - 21:11 Uhr Kommentieren
Rekorde an der Wall Street – doch zu euphorisch sollten Anleger nicht sein.
US-Aktienmarkt

Rekorde an der Wall Street – doch zu euphorisch sollten Anleger nicht sein.

Düsseldorf.Die US-Börsen haben ihre Rekordjagd wieder aufgenommen. Sowohl der Standardwerteindex Dow Jones als auch der breitere S&P 500 haben in dieser Woche neue Allzeithochs erreicht – und tendieren auch am Mittwoch auf Rekordniveau. Spekulationen, die US-Notenbank Fed könnte die Zinserhöhung verschieben, treiben die Kurse. Ausgelöst wurden die Spekulationen von abermals schwachen Konjunkturdaten – diesmal vom Häusermarkt.

Die alles entscheidende Fragen: Wann kommt die Zinserhöhung? Ursprünglich war sie für den September erwartet worden. Wie hoch fällt sie aus? Wann folgt die nächste? Die jahreslange Rally an den weltweiten Aktienmärkten ist getrieben vom billigen Geld der Notenbanken. Fällt dieser Katalysator aus, könnte es unangenehm werden. Kein Wunder, dass Börsianer seit Monaten gespannt auf jeden noch so kleinen Hinweis zu künftigen Zinspolitik warten.

Diese US-Aktien lieben die Analysten

DJ Industrial Average

WKN
ISIN
Börse
IDJ

+65,14 +0,25%
+26.134,79
Chart von DJ Industrial Average
Dow Jones Industrial
1 von 21

Fallender Ölpreis? Geopolitische Krisen? Starker Dollar? Alles kein Problem für die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley. „Vielleicht fliegen zu viele Luftballons, Einhörner und Lollipops durch unser Büro”, schreiben sie in ihrer jüngsten Analyse. Doch so abwegig seien die Argumente für den Kauf von US-Aktien nicht: „Die Rendite einer französischen Staatsanleihe erwirtschaften wir in ein oder zwei Tagen”, geben die Finanzexperten zu bedenken. Die Botschaft ist unmissverständlich: „Wir lieben US-Aktien. Hier und jetzt.”

S&P 500

WKN
ISIN
Börse
ISP

+12,27 +0,44%
+2.774,97
Chart von S&P 500
S&P 500
2 von 21

Die Gründe für den Optimismus: Zum einen glauben die Experten, dass sich die US-Konjunktur im zweiten und dritten Quartal 2015 weiter erholen wird und es den Firmen leichter macht, positive Gewinne zu erzielen. Zum anderen schätzen sie die Stimmung der US-Anleger als nicht besonders bullish ein. Das macht es weniger wahrscheinlich, dass sie in ihrem Übereifer die Kurse zu sehr in die Höhe treiben - so lohnt sich der Aktienkauf nach wie vor. In ihren Fokus rücken die Experten die langfristige Performance von US-Aktien.

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
FSE

-1,00 -0,69%
+144,80€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
3 von 21

Eine Aktie, welche die Analysten offenbar lieben: Apple. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist der iPhone-Hersteller das größte Unternehmen unter den Lieblingen der Investment-Bank. Dabei sind die Banker nicht besonders stark im Technologie-Sektor investiert. Ihren Bestand an Technologie-Aktien reduzierten sie im April dieses Monats um etwa einen Prozent.

Marktkapitalisierung: 755,5 Milliarden US-Dollar

Langfristiges Wachstum (prognostiziert): 13,3 Prozent

KGV (erwartet): 13,8

Kursperformance seit Januar: +15,7 Prozent

BLACKROCK INC. REG. SHARES CLASS A DL -,01

WKN
ISIN
US09247X1019
Börse
FSE

0,00 0,00%
+480,00€
Chart von BLACKROCK INC. REG. SHARES CLASS A DL -,01
Blackrock
4 von 21

Der Vermögensverwalter Blackrock hat in diesem Jahr zwar nicht unbedingt durch eine herausragende Kursperformance überzeugt. Allerdings hat er im Vergleich zu den restlichen Werten im Portfolio das niedrigste Kurs-Gewinn-Verhältnis. Der Vermögensverwalter hat im ersten Quartal 2014 sein Anlagevolumen um 2,6 Prozent auf 4,7 Billionen US-Dollar erhöht und seinen Gewinn von 4,4 auf rund 4,8 Dollar pro Aktie gesteigert.

Marktkapitalisierung: 62,1 Milliarden US-Dollar

Langfristiges Wachstum (prognostiziert): 13,6 Prozent

KGV (erwartet): 9,8

Kursperformance seit Januar: +3 Prozent

UNION PACIFIC CORP. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US9078181081
Börse
FSE

0,00 0,00%
+115,00€
Chart von UNION PACIFIC CORP. REGISTERED SHARES DL 2,50
Union Pacific Corporation
5 von 21

Union Pacific Corporation gehört die Eisenbahngesellschaft Union Pacific Railroad - und damit die größte Eisenbahngesellschaften der USA. Im laufenden Jahr hat die Performance der Aktie etwas nachgelassen. Grund dafür ist die Abhängigkeit des Unternehmens vom Treibstoff Kohle und vom Öl. Zwar sind die Preise beide Rohstoffe 2015 gefallen - doch auch das geförderte Volumen ging zurück. Union Pacific Corporation konnte zwar im ersten Quartal einen Gewinn von 1,15 Milliarden US-Dollar und somit von 1,3 US-Dollar pro Aktie verbuchen. Analysten erwarteten jedoch 1,37 US-Dollar Gewinn pro Anteilsschein. Somit performte die Aktie unter Markterwartung.

Marktkapitalisierung: 95,5 Milliarden US-Dollar

Langfristiges Wachstum: 13,7 Prozent

KGV (erwartet): 16

Kursperformance seit Januar: -10,6 Prozent

GILEAD SCIENCES INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US3755581036
Börse
FSE

+0,20 +0,30%
+66,40€
Chart von GILEAD SCIENCES INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Gilead Sciences
6 von 21

Gilead Sciences stellt Medikamente gegen Hepatitis, HIV und Krebs her. Allein in den vergangenen zwölf Monaten legte der Kurs um 39 Prozent zu. Offenbar bescheinigen die Investmentbanker der Aktie noch mehr Potenzial. Morgan Stanley setzt auf starke Pharmawerte. Etwa 15 Prozent des Strategieportfolios („MOST Strategic Portfolio”) sind in Werte sind im Gesundheitssektor investiert.

Marktkapitalisierung: 157,7 Milliarden US-Dollar

Langfristiges Wachstum (prognostiziert): 14,2 Prozent

KGV (erwartet): 10,1

Kursperformance seit Januar: +8,8 Prozent

TIME WARNER INC. REGISTERED SHARES NEW DL -,01

WKN
ISIN
US8873173038
Börse
FSE

+1,00 +1,32%
+76,50€
Chart von TIME WARNER INC. REGISTERED SHARES NEW DL -,01
Time Warner
7 von 21

Den meisten amerikanischen Zuschauern sind die Cartoons von Warner Brothers und die Serien des Senders Home Box Office (HBO) bekannt. Beide Unternehmen gehören der Medien-Holding Time Warner. Die an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel TWX notierte Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten 30 Prozent zu. Außerdem erhöhte das Unternehmen in den letzten Jahren immer wieder die Dividende, auf zuletzt 35 Cent pro Aktie im Quartal.

Marktkapitalisierung: 70,6 Milliarden US-Dollar

Langfristiges Wachstum (prognostiziert): 14,7 Prozent

KGV (erwartet): 17,1

Kursperformance seit Januar: -0,7 Prozent

Mit Spannung wurde deshalb auch das aktuelle Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed erwartet, dass am Mittwochabend veröffentlich wurde. Dabei gab es keine Überraschung. Im Juni werden die Zinsen wohl noch nicht angehoben. Diese Option halten viele Mitglieder für „unwahrscheinlich“, heißt es in dem Protokoll.

Trotz der positiven Tendenzen stellt sich Anlegern natürlich mit jedem neuen Rekord die Frage, ob die Märkte nicht langsam heiß gelaufen sind und die Aktien schlicht zu teuer geworden sind. Sind die neuen Rekorde vielleicht gar kein Grund zum Feiern sondern ein Warnsignal?

„Aktionäre amerikanischer Aktiengesellschaften haben seit Jahren Grund zu Freude“, sagt Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Angeführt durch den Technologiesektor erklimmt der US-Markt neue Rekorde. Auch die Gefahr steigender Zinsen konnte der Aktienhausse bislang keinen Abbruch tun.“ Warnende Worte klingen anders.

Wo die nächste Blase platzen könnte
Wenn die Blase lauert
1 von 12

Seitdem die US-Immobilienblase 2007/2008 mit weltweit katastrophalen Folgen geplatzt ist, versuchen Experten, schon vorab die Risiken eines Luftgebildes an den Anleihemärkten zu erkennen. In einer aktuellen Untersuchung hat die Citigroup nun vier Kriterien für eine Blasenbildung definiert: 1. eine Erfolgsgeschichte eines Marktsegments wird zunächst von überzeugenden Daten gestützt; 2. ein Überschuss an Liquidität befeuert den Markt; 3. ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und, 4., die Unwilligkeit, Kritik an dem Geschäft zu äußern beziehungsweise anzunehmen.

Standardabweichung als Gradmesser
2 von 12

Anhand dieser Kriterien hat die Bank analysiert, wo derzeit potenzielle Gefahrenherde lauern. Als Gradmesser für die jeweiligen Bereiche hat das Geldhaus einen Durchschnittswert der Aktienkurse im Verhältnis zu Buchwerten ermittelt. Liegen die Kurse deutlich über dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre – konkret, ist die berechnete Standardabweichung größer als 2,0 – droht den Analysten zufolge eine gefährliche Blase. Diese Annahme basiert darauf, dass die Preise auch bei früheren wirtschaftlichen Rezessionen über diesem Wert lagen. Die Tech-Blase 2000 hatte einen Vergleichswert von 3,7 erreicht.

Branchen: US-Werk- und Rohstoffe
3 von 12

Allgemein gelten der Einzelhandel, Gebrauchsgüter und Kundenservice als gefährdet. Die Citigroup hat die einzelnen Branchen allerdings auch noch mal danach ausgewertet, in welchen Regionen die Preise überbewertet sind. Als kritisch gilt in der Untersuchung demnach die Branche der Werk- und Rohstoffe in den Vereinigten Staaten. Sie berührt mit einer Standardabweichung von 2,0 die Schwelle, an der eine Blase erkennbar ist.

US-Medien
4 von 12

Etwas kritischer sieht es schon bei den US-Medien aus. Der Einschätzung der Citigroup nach zählt die Branche zu einer der teuersten weltweit und übersteigt auch die kritische Standardabweichung von 2,0.

Pharma- und Biotech-Branche in Europa und Großbritannien
5 von 12

Auch Europa wird von einer Blase bedroht. Nach Angaben der Citigroup sind erste Anzeichen in der Pharma- und Biotech-Branche auf dem alten Kontinent zu erkennen. Mit einer Standardabweichung von 2,25 könnte auch dort eine Blase entstehen.

Japanische Lebensmittel- und Getränkebranche
6 von 12

In Japan bildet sich eine Blase bei Lebensmitteln und Getränken. Die Branche wirke überteuert, schreiben die Studienmacher. Mit einer Standardabweichung von 2,4 liegen die Preise klar über der Schwelle von 2,0.

US-Einzelhandel
7 von 12

Eine weitere US-Branche, der eine Blase droht: der Einzelhandel. Er liegt mit einem Wert von 2,6 deutlich über dem durchschnittlichen Preislevel der vergangenen zehn Jahre, anhand derer die Standardabweichung bemessen wird.

Auch Jörg Boysen ist optimistisch. „Neue Höchststände sind grundsätzlich immer erfreulich, aber dieser Ausbruch ist eher als ein Aufholen zu anderen Märkten zu werten“, sagt der Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Deka Investment. „Im Grunde sind die amerikanischen Börsen seit dem Herbst nur seitwärts gelaufen, während sich Europa, Japan und auch die Schwellenländer in dieser Zeit prächtig entwickelt haben.“ Während der Dax seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent zugelegt hat, schaffte der Dow Jones gerade mal ein vergleichsweise mageres Plus von knapp drei Prozent.

Weder Wirtschafts- noch Unternehmensdaten – hier belastete auch die Dollar-Rally – konnten Anleger sonderlich überzeugen. „Das macht aber nichts, solange die Zinsen und damit der Hauptwettbewerber der Aktienanlage historisch niedrig bleiben“, sagt Fondsmanager Bruns. Die Fed wisse dies und werde alles tun, um die Ruhe am Aktienmarkt zu bewahren. Außerdem wolle die Fed auch nicht den zarten Aufschwung am Immobilienmarkt durch allzu drastische Zinsaktionen abwürgen.

Warum sich Anleger keine Sorgen machen sollten
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