Drei Neuemissionen bis Mitte November – Hartes Preispoker um Baumarktkette Praktiker erwartet
Unternehmen drängen an die Börse

Der kommende Montag erinnert an den Börsenboom Ende der 90er-Jahre. Gleich drei Unternehmen stellen an diesem Tag die Details für ihren Börsengang vor: Die Heimwerkerkette Praktiker, der Flugzeugmotorenhersteller Thielert und das kleine Finanzhaus Rothmann.

cs/mm FRANKFURT/M. Die drei Firmen hoffen trotz des raueren Klimas für Neuemissionen auf eine erfolgreiche Platzierung. Zuletzt waren einige Börsenkandidaten wie das Biotechunternehmen Jerini unter den Ausgabekurs gerutscht. Die jetzt angekündigten Platzierungen wären die Börsengänge zwölf bis 14 in Deutschland im laufenden Jahr.

Praktiker ist bei weitem der größte von den drei Kandidaten. Bereits am 18. November ist die Erstnotiz der Heimwerker-Aktie geplant. Finanzkreisen zufolge will der Mutterkonzern Metro zunächst 75 Prozent von Praktiker an den Markt bringen.

Die Schätzungen der Analysten über den Wert der Metro-Tochter liegen weit auseinander. Der Konsortialführer, die US-Bank JP Morgan, bewertet das Eigenkapital von Praktiker mit 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro. In diesen Zahlen ist eine geplante Kapitalerhöhung enthalten, die sich Finanzkreisen zufolge auf etwa 150 Mill. Euro belaufen könnte. Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) kommt dagegen lediglich auf einen Wert von 820 bis 920 Mill. Euro.

Vom Handelsblatt befragte Großinvestoren stellen sich auf einen harten Preispoker ein. „Praktiker hat die nötige Größe und macht auch Gewinne, damit ist das Unternehmen börsenfähig und börsenwürdig“, sagt Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment. Allerdings sei der Wettbewerbsdruck in der Branche sehr hart und auch die Wachstumsperspektiven eher gering. Für Phantasie sorge allenfalls das Geschäft in Osteuropa. Angesichts dieser Gemengelage werde einmal mehr der Preis über den Erfolg des Börsengangs entscheiden.

Das sehen auch andere Fondsmanager so. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 wäre zu hoch gegriffen, meint ein Vermögensverwalter. Ein anderer Fondsmanager hält ein KGV von zehn für angemessen. Auf Basis des von JP Morgan erwarteten Nettogewinns für das Jahr 2006 von 79,5 Mill. Euro ergäbe ein KGV von 15 einen Wert des Eingenkapitals von 1,2 Mrd. Euro. Bei einem KGV von zehn läge der Wert bei knapp 800 Mill. Euro.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Metro-Aufsichtsrat die Weichen für den Börsengang gestellt. Parallel geführte Verkaufsverhandlungen – zuletzt mit dem Finanzinvestor Permira – wurden beendet, weil Metro nicht den erhofften Verkaufserlös von 1,15 Mrd. Euro erzielen konnte. Sollte sich die Marktstimmung drastisch verschlechtern, halten Finanzkreise noch immer eine kurzfristige Absage der Börsenpläne für möglich.

Bereits einen Tag vor der Platzierung von Praktiker soll die Aktie des Flugzeugmotorenherstellers Thielert erstmals an der Börse gehandelt werden. Die begleitenden Banken DrKW und Cazenove schätzen den Wert des Eigenkapitals auf 250 und 300 Mill. Euro. Je Aktie entspräche das in etwa einer Spanne von 12,50 bis 15 Euro.

Angesichts des raueren Klimas für Börsengänge rechnen Finanzkreise allerdings mit einer etwas niedrigeren Spanne, die sich im Bereich 12,50 bis 14,50 Euro bewegen könnte. Thielert hat den ersten zertifizierten Dieselmotor für kleine Propellerflugzeuge entwickelt. Den Emissionserlös will das Unternehmen mit 240 Mitarbeitern vor allem für das Wachstum in den USA einsetzen.

Trotz der zunehmenden Skepsis der Investoren gegenüber Fondsanbietern will die Hamburger Albis Leasing ihre Tochter Finanzhaus Rothmann in der dritten Novemberwoche an die Börse bringen. Die Emission wird die bei weitem kleinste von den drei aktuellen Platzierungen sein. Albis erwartet einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Zuletzt sackten die Konkurrenten HCI Capital und Lloyd Fonds nach ihrem Börsengang unter den Ausgabepreis. Ein Fondsmanager erwartet deshalb, dass die Emission „kein Spaziergang“ wird.

Wiederbelebt

Zahlreiche Börsengänge: In diesem Jahr läuft das Geschäft mit Börsengängen in Deutschland wieder besser für die Investmentbanken. Bislang kamen elf Unternehmen neu an den Markt. Drei weitere starten ihre Platzierung am Montag. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2005 gelangen in Deutschland nur sechs Börsengänge.

Gebremster Optimismus: Bis Ende 2005 dürfte sich die Zahl der Börsengänge nach Schätzungen von Investmentbankern auf rund 20 erhöhen. Die Zuversicht litt zuletzt allerdings unter dem schlechten Abschneiden einiger Emissionen. Derzeit liegen fünf der Börsengänge dieses Jahres unter dem Ausgabekurs. Darunter auch der bisher größte Neuzugang, der Bezahlsender Premiere.

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