Drei Strategien, drei Depots
Bernanke überrascht die Börsen

Die Fed pumpt weiter Milliarden in den Markt. Weltweit zeigen sich Börsianer überrascht. Auch unsere Redakteure reiben sich verwundert die Augen. Verzockt Bernanke damit seinen letzten Rest an Glaubwürdigkeit?
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„Fed-Chef Bernanke wird den Teufel tun und riskieren, dass die Hausse, die er jahrelang regelrecht erzwungen hat, jetzt in einen Absturz mündet.“ Das habe ich am 14. Juni dieses Jahres geschrieben. Damals spielten die Finanzmärkte seit Tagen verrückt, nachdem die US-Notenbank völlig überraschend angedeutet hatte, im Herbst die geldpolitische Wende einleiten zu wollen.

„Ein allzu abruptes Ende der Liquiditätsflut - das diese Bezeichnung auch verdient - hätte nicht nur verheerende Folgen für die Aktienmärkte, sondern auch für die weltweit größte Volkswirtschaft“, so meine Argumentation damals. Hintergrund: Steigende Aktienkurse hatten zuvor maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die US-Bürger reicher fühlen, mehr konsumieren und die Wirtschaft nach und nach wieder in Schwung kommt.

Deswegen habe ich damals massiv auf eine Erholung an den Börsen gesetzt und in fallende Kurse hineingekauft. Dass die Gelddruckerei jetzt allerdings nicht einmal symbolisch gedrosselt wird, überrascht mich dennoch. Verzockt Bernanke damit doch den letzten Rest Glaubwürdigkeit, den die US-Zentralbank nach dem geldpolitischen Verbanquespiel der vergangenen Jahre noch besitzt.

Zuletzt hatte praktisch jeder damit gerechnet, dass zumindest ein behutsamer Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik erfolgen müsste: Bei der letzten Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen vor der entscheidenden Fed-Sitzung am Mittwoch waren 33 von 64 Experten davon ausgegangen, dass die monatlichen Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar um bis zu fünf Milliarden reduziert werden – 31 hatten sogar eine Rückführung um zehn Milliarden oder mehr erwartet.

 Stattdessen rotieren die Notenpressen genauso ungehemmt weiter wie bisher. Wenn Ben Bernanke jetzt trotzdem tönt, Geldpolitik müsse so transparent wie möglich sein, dann kann man daraus nur schlussfolgern: Entweder die Kommunikationspolitik der Fed ist - diplomatisch ausgedrückt – „stark verbesserungsfähig“. Oder aber die Verwirrung der Märkte geschieht vorsätzlich. Ein mögliches Motiv: Wenn die Preise für Vermögenswerte wie Aktien zu steil und zu lange ununterbrochen steigen, dann könnte das – ähnlich wie Gold – als Indikator für rapide Geldentwertung interpretiert werden...

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