Drei Strategien, drei Depots
Fiskalklippe verdirbt Börsianern die Laune

US-Präsident Obama läuft die Zeit davon. Ohne eine Einigung im Haushaltsstreit droht der größten Volkswirtschaft der Welt der wirtschaftliche Abgrund. Die Unsicherheit sorgt bei unseren Redakteuren weiter für Zurückhaltung.
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Die drohende Fiskalklippe in den USA verhagelt den Börsianern zusehends die Laune. Es sieht immer mehr danach aus, dass Republikaner und Demokraten vor Weihnachten keinen Kompromiss finden werden. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Und wenn Anleger eins nicht mögen, dann ist das Unsicherheit. Da verpufft dann auch die Ankündigung der US-Notenbank Fed, mit einer weiteren Geldspritze die US-Konjunktur ankurbeln zu wollen.

Am Donnerstag waren erst mal Gewinnmitnahmen angesagt. Allerdings hat der Dax in den vergangenen vier Wochen um rund 700 Zähler zugelegt, da ist ein kleiner Kursrücksetzer zu verkraften.

Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen neuen Etat verständigen, könnte es allerdings ungemütlich werden an den Märkten. Denn dann drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Außerdem laufen Steuererleichterungen aus. Experten fürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte „Fiskalklippe“ in die Rezession stürzen könnte.

Aber so weit ist es ja noch nicht. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ich hoffe darauf, dass die US-Politiker sich noch einigen und der US-Wirtschaft – und damit den Märkten – das Schlimmste erspart bleibt.

Kurze Dips schrecken mich nicht

An den Märkten setzten am Donnerstag Gewinnmitnahmen ein. Auch das Argument, dass wegen der Haushaltsstreits in den USA noch Gefahren für die US-Wirtschaft drohen, machte wieder die Runde. Als langfristig orientierter Anleger halte ich an meinen Investitionen fest – kurze Dips schrecken mich nicht. Vielmehr liebäugele ich mit Zukäufen.

Auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten bin ich auf eine Meldung über die Verurteilung eines deutschen Bankers wegen Insiderhandel gestoßen. Der 39-Jährige, der zu 32 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, hatte für die japanische Investmentbank Mizuho gearbeitet und beriet Canon bei der Übernahme des Kopiererherstellers OCE. Bevor die Transaktion bekannt gemacht wurde, gab er seinen beiden (!) Freundinnen den Tipp, OCE-Aktien zu kaufen.

Insgesamt setzten sie über eine Million Euro ein, und schafften es, die Summe zu verdoppeln. Den Erlös teilten die beiden Damen - die nicht voneinander wussten - mit dem Banker. Auf solche Tipps kann ich leider nicht zurückgreifen, und ich bin meilenweit davon entfernt, meinen Einsatz zu verdoppeln. Aber ein reines Gewissen ist ja auch viel wert...

Dem Banker hat das Geld übrigens auch nicht viel Glück gebracht. Nicht nur, dass er von den 32 Monaten Gefängnisstrafe die Hälfte absitzen muss, er muss bald auch noch einmal vor Gericht erscheinen - weil er im Luxuskaufhaus Harrods Käse geklaut hat.

Aktien bieten noch immer Chancen

Alle reden von Apple, dabei ist Google viel eher der Star des Monats, wenn man auf die Kurse blickt. Leider habe ich Google ebenso wenig im Depot wie Apple. Heute bekam die Aktie einen neuen Schub, weil Google eine neue App mit Karten für die Apple-Geräte anbietet. Der Witz dabei: Bis zum Oktober waren die Apple-Geräte standardmäßig mit Google-Karten ausgerüstet. Dann trat Apple mit einem eigenen Angebot dagegen an. Aber die Kunden protestierten: Sie fanden Google einfach besser. Das Beispiel zeigt zweierlei. Erstens: Auch Apple-Fans kaufen ihrer Firma nicht alles ab. Und zweitens: Es ist verdammt schwer, außerhalb der eigenen Kernkompetenz Erfolg zu haben. Möglicherweise gilt das aber auch umgekehrt für Googles Auftritt mit Hardware.

Mit meinem Depot bin ich im Moment ganz zufrieden, einige Werte haben schon mehr als zehn Prozent gelegt - schade, dass es kein echtes Geld, sondern sich nur um ein virtuelles Depot handelt. Man muss aber auch sagen: Wenn die Flut steigt, schwimmen alle Schiffe höher. An der Börse wird zwar unglaublich viel über Probleme geredet - Fiscal Cliff hier, Berlusconi oder Griechenland da. Doch letztlich bewegen wir uns auf das Ende eines ganz guten Börsenjahres zu. Und so lange viele Investoren Aktien gegenüber noch skeptisch bleiben, ist auch noch nicht zu viel Geld in diesen Markt geflossen, so dass wir noch keine Blase befürchten müssen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Kommentare zu " Drei Strategien, drei Depots: Fiskalklippe verdirbt Börsianern die Laune"

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  • "Es ist verdammt schwer, außerhalb der eigenen Kernkompetenz Erfolg zu haben. Möglicherweise gilt das aber auch ..."
    ... für Journalisten?

    Ansonsten vermisse ich die aus den Überlegungen folgenden Aktionen. Gewinnrealisierung? Oder doch Zukäufe? Merke: Nur schwätzen bringt gar nix.

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