Drei Strategien, drei Depots
Politischer Hick-Hack sorgt für Schockstarre

Der Haushaltsstreit in den USA bleibt spannend. Unsere Redakteure hielten ihr Pulver trocken. Die Zynga-Aktie bricht ein und wäre eine Idee fürs spekulative Depot. Die Aktie könnte aber auch ein Fall wie Eon werden.
  • 6

Gegen Ende der Woche bekam die Börse noch einmal leichten Rückenwind vom Index der Einkaufsmanager aus Chicago, der zum ersten Mal seit längerer Zeit über die 50er-Schwelle in den grünen Bereich wechselte, in dem er eine Ausweitung der geschäftlichen Aktivitäten anzeigt. Nur leicht war der Rückenwind deswegen, weil Analysten diese Entwicklung schon vorausgesehen hatten.

Trotzdem passt dieser Index in das Bild einiger Zahlen zuvor - über die Entwicklung des Immobilienmarktes und die Schätzung des Bruttoinlandprodukts -, die in den vergangenen Tagen zwar keinen starken Aufschwung, aber doch eine spürbare Belebung der US-Konjunktur anzeigten.

Ansonsten wird der US-Markt immer noch von dem Hü und Hott der amerikanischen Finanzpolitik beherrscht. Dabei versuchen Experten immer wieder, sozusagen gegen den Markt laufende Argumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Zum Beispiel heißt es dann, ein Scheitern der Verhandlungen sei doch gut für Aktien, weil es dann weniger neue Schulden, weniger Staatsanleihen im Angebot, daher bei gleichbleibender Nachfrage noch niedrigere Zinsen und so letztlich einen Anreiz zum Aktienkauf gebe. Klingt ganz logisch, aber die Börse reagiert doch eher mit dem simplen gesunden Menschenverstand: Wenn es nach Einigung klingt, zieht sie an, wenn es nach Streit klingt, sackt sie durch.

Unter den einzelnen Aktien fällt in den USA der Absturz des Spieleherstellers Zynga auf. Diese Aktie hatte zuvor ohnehin schon stark an Wert verloren. Jetzt gibt es eine neue vertragliche Regelung mit Facebook - die beiden Unternehmen leben sozusagen in einer symbiotischen Beziehungen (und daraus werden meist schlechte Ehen, wie wir wissen). Danach haben beide Partner jetzt etwas mehr Freiheit: Zynga kann auch auf einer eigenen Plattform Spiele anbieten, Facebook auch eigene Spiele auf seine Seiten setzen.

Die Experten streiten, ob das jetzt der Anfang vom Untergang von Zynga ist, oder vielleicht ein ganz vernünftiger Schritt zur Selbstständigkeit. Offen ist auch, ob Facebook seinen neuen Spielraum überhaupt nutzen will, dazu ist offenbar nichts bekannt. Der Markt sieht aber eher die Gefahren.

Jessica: Wenn ich ein spekulatives Depot hätte, würde ich es vielleicht mal mit Zynga versuchen, möglicherweise ist der Absturz doch übertrieben ...

Seite 1:

Politischer Hick-Hack sorgt für Schockstarre

Seite 2:

Eon-Aktie entpuppt sich als Flop

Seite 3:

Keine guten Nachrichten

Kommentare zu " Drei Strategien, drei Depots: Politischer Hick-Hack sorgt für Schockstarre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich verstehe so einige Käufe und auch die Zusammensetzung z.B. des spekulativen Depots auch nicht wirklich. Ich bin zwar kein Profi aber auch ich stehe ziemlich unverständlich dem Kauf von E-On gegenüber. Die Firma glänzt nicht gerade mit Wachstum, ist hoch verschuldet und hat seine Zielgruppe, die Dividendenanleger, verprellt. Wo soll da eine massive Gegenbewegung herkommen?
    Im Gegensatz dazu sehe ich den NASDAQ als unterbewertet an, oder China Aktien, vielleicht noch den einen oder anderen MDAX Wert. Da könnte ich eher Zukäufe in einem spekulativen Depot verstehen. Zynga? Da stimmen mir persönlich die Fundamentaldaten nicht, Zynga kämpft mir mit zu vielen Problemen... überhaupt: wenn sie auf FB wetten wollen kaufen sie FB und nicht Trittbrettfahrer. Dann doch lieber Apple nachkaufen in Korrekturphasen. Das ist ein anderer Punkt den ich beim spekulativen Depot nicht ganz nachvollziehen kann, wenn Sie z.B. auf den Athex setzen und daran glauben das dies eine gute Turn-Around-Wette ist. Wieso kaufen sie dann nicht nach? Wenn Sie nicht daran glauben, wieso läuft da kein Stopp-Loss und sie stoßen die Position wieder ab? Ganz ehrlich gesagt...irgendwie erinnert mich das so an die Verkaufsprospekte der Banken die hier bestimmte Gewichtungen als must have empfehlen, vollkommen egal wie gerade die Marktsituation ist... wenn sie es von einer Bank managen lassen wollen können sie dort den Vermögensverwalter einkaufen, ansonsten würde ich dann doch lieber mit etwas mehr Überlegung an die Sache gehen und nicht soviel Mix aus Prospekten und Bauchgefühl...

  • @mido
    ich stimme ihnen zu. allerdings bitte ich zu bedenken, wer denn die größten anzeigenkunden des handelsblatt sind.

    schelm, wer böses dabei denkt (und wahrscheinlich wird dieser kommentar wieder wegrezensiert), aber bei wem ich regelmäßig lachshäppchen auf der "pressekonferenz" (produktverkaufs-show) vertilge, verdient ja zumindest eine gewisse erwähnung in meinen beiträgen.

    läuft in anderen brachen ja auch nicht viel anders...

  • Moin Moin, wer liegt denn jetzt vorne?
    spekulativ, chancen orientiert oder konservativ?
    Was ich erstaunlich finde, das ein Depot als konservativ eingestuft wird, und auch der Hinweis mitgegeben wird nicht auf Derivate zu setzen, sich dennoch im Depot 40% Derivate (ETF's bzw. Wettscheine) befinden.
    Ich bitte die Redaktion des Handelsblattes mal eine Seite für die Aufklärung der Leser zu investieren. Viele Leser, Investoren und auch Politiker wissen anscheinend immer noch nicht, das sich die Welt in Sondervermögen orientierte Werte (z.B. Aktien und Anleihen) und Derivate (z.B. ETF's, ...) teilt. Zwischen diesen Anlageklassen befinden sich Welten.
    Ich bitte Sie das Thema in einer Ihrer Ausgaben zu beleuchten,
    damit die Unwissenden nicht ständig auf's falsche Pferd setzen, denn dann könnten Sie ja auch Lotto spielen oder zur Rennbahn gehen. mfGruß

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%