Dreizehnter Bärenmarkt seit 1997
Brasilien sinkt in der Gunst der Investoren

Sehr unterschiedlich schätzen Investoren die Lage am brasilianischen Aktienmarkt ein. Die vergangenen 65 Tage haben Anlegern deutlich vor Augen geführt, dass Brasilien nach wie vor ein Schwellenland ist: Das Börsenbarometer des größten südamerikanischen Landes, der Bovespa-Index, ging seit Mai um 22 Prozent nach unten.

NEW YORK. Damit rutschte der rohstofforientierte Aktienmarkt Brasiliens in einen Bärenmarkt - zum dreizehnten Mal seit 1997. Leitzinsanhebungen im Juni und im Juli hatten Anleger vergrault. Außerdem hat das Leistungsbilanzdefizit den höchsten Stand aller Zeiten erreicht, und das Wirtschaftswachstum ist schwächer geworden. Investoren, darunter Roberto Egydio Setubal von der Banco Itau Holding Financeira, argumentieren, das Land habe sich dennoch stark gewandelt. So sei die Inflationsrate von 6 800 Prozent im April 1990 auf 6,1 Prozent gesunken. Darüber hinaus habe Brasilien erstmals eine Bonitätseinstufung im Bereich Investmentgrade.

Ganz anders war die Lage in der Vergangenheit: In den vergangenen 25 Jahren war Brasilien zweimal zahlungsunfähig und musste 1999 die Währung abwerten. Die Zinsen steigen so schnell wie in keinem Schwellenland, und ausländische Investoren verkaufen brasilianische Aktien wie nie zuvor. Im Juni und Juli summierten sich die Netto-Auslandsverkäufe auf 7,4 Mrd. Real (drei Mrd. Euro).

Durch den Ausverkauf seitens der Investoren musste Brasilien seinen Platz als Performance-Spitzenreiter unter den 20 größten Aktienmärkten räumen. "Ich kann nicht sagen, dass sich das Land verändert hat", stellt Emerging-Markets-Spezialist Mark Mobius Das von Templeton Asset Management fest. "Der Zeitraum, für den sie eine verantwortliche Ausgabenpolitik der Regierung und ausgewogene Haushalte vorweisen können, ist relativ kurz." Neben Templeton sind auch andere Investoren skeptischer geworden. Die Fondsgesellschaft Schroders hat zum Beispiel Anfang Juni ihre Positionen reduziert.

Quelle: Bloomberg

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