Düstere Untergangsfantasien
Wenn die Finanzwelt zusammenbricht ...

Geht es nach einigen Börsenexperten, dann war das, was die Börsen nach dem Kollaps von Lehman Brothers erlebt haben, nur ein Mückenstich gegen das, was noch kommen wird. Ein leichtes Grollen vor dem Vulkanausbruch, nicht mehr. Die Finanzwelt ist in größter Gefahr, sagen die Crash-Gurus. Lesen Sie, was dran ist an ihren Theorien.
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FRANKFURT. Die Börsen brechen ein, die Eurozone fällt auseinander, galoppierende Inflation stürzt die Welt ins Chaos. Am Ende ist ihr Geld nichts mehr wert - nur ein Haufen Papier. Das behaupten zumindest selbst ernannte Börsenexperten. Jetzt, da die Tage kürzer werden und sich das Ende des Jahres nähert, trauen sich die Untergangspropheten wieder aus der Deckung und ängstigen Anleger mit düsteren Prognosen. 2010 wird ein Schreckensjahr, so viel steht fest.

Da wäre zum Beispiel Jim Rogers, weltbekannter Spekulant und Chef der Rogers Holding. Seinen legendären Ruf verdient er sich in den 70er- Jahren, als er mit seinen Investments Traumrenditen erzielt. Im Jahr 1999 sagt er dann den Boom an den internationalen Rohstoffmärkten voraus. Rogers gilt als Querdenker, einer, der mal auf den Putz haut. Doch manchmal treibt er es zu weit: In einen Interview mit dem Fernsehsender CNBC warnt er kürzlich vor einem "Inflations-Holocaust". Die Staaten seien hoch verschuldet, die Notenbanken druckten ständig frisches Geld, langfristig müsse die enorme Liquidität im Wirtschaftskreislauf zu einer rasanten Geldentwertung führen, so weit die Theorie.

Was soll diese Panikmache, bei der sich Rogers noch dazu vollkommen im Ton vergriffen hat? Der Verdacht liegt nahe, dass die Untergangspropheten letztlich nur an das eigene Portemonnaie denken. Denn die passenden Lösungsvorschläge für die Inflationskatastrophe liefert der Guru postwendend nach. Statt Aktien oder Anleihen sollten Anleger besser Rohstoffe kaufen, sagt Rogers. Wie gut, dass seine Gesellschaft die passenden Indexfonds im Angebot hat.

Den meisten Crashpropheten geht es aber nicht nur ums Geld. "Sie wollen zuallererst auffallen", sagt der Börsenpsychologe Joachim Goldberg. Erzählungen von Börsencrashs und Währungschaos kommen bestens an. Der Untergang macht nicht nur Angst, er fasziniert auch. Vor allem im Internet, in obskuren Börsenforen, werden die Spukgeschichten begierig aufgesogen.

Von verkrachten Aussteigern über schrullige Vermögensverwalter bis hin zu hochangesehenen Wissenschaftlern sind die verschiedensten Figuren dabei. Schillernde Existenzen. So wie Barton Biggs, der ehemalige Chefstratege von Morgan Stanley. Er argumentiert historisch und kommt zu der Erkenntnis, dass die Menschheit mindestens einmal im Jahrhundert ihren gesamten Wohlstand verliert. Auslöser könne auch ein Zusammenbruch der Finanzmärkte sein. Biggs rät seinen wohlhabenden Landsleuten deshalb, Konservendosen und Medikamente im Keller einzulagern oder am besten gleich auf einen Bauernhof weit entfernt von der Zivilisation zu ziehen. Seine Ratschläge hat er niedergeschrieben im Untergangswegweiser "Wealth, War and Wisdom" - Wohlstand, Krieg und Weisheit.

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Kommentare zu " Düstere Untergangsfantasien: Wenn die Finanzwelt zusammenbricht ..."

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  • Soso ! Spekuliert der Herr Chefstratege da etwa auf ein Eingreifen des Staates auf Kosten des Steuerzahlers ??? Oder wie ist folgende Aussage zu verstehen ? Hmm?:
    "Weil sie nie zu Ende gedacht werden. Sie prophezeien den Zusammenbruch unseres Systems und das Ende des Wohlstands, unterschätzen aber, dass es die bürger und die politisch Verantwortlichen unseres Landes nie so weit kommen lassen würden"

    ich hoffe doch sehr, dass ich mich da täusche :-)
    Frohes neues Jahr !

  • "CHEFSTRATEGE VON ALLiANZ GLObAL iNVESTORS ....huahuahuahua.... ... wirklich großes Kabarett beim handelsblatt...."

    So ist es, manche haben auch 430 Tage nach der Krise nicht gemerkt, welche Hofberichterstatter von welchen Trotteln sie sind.

  • Was mich an diesem Artikel geärgert hat, ist, wie herablassend hier von der "Abgeschiedenheit der internetforen" gesprochen wird. Es sind jene Foren, die -tausendfach genutzt - eine Schwarmintelligenz hervorbringen und interessante Diskussionen und Einsichten zustandebringen. Diese Erkenntnis sollte allmählich durchsickern - auch in die Abgeschiedenheit der Wirschaftsredaktionen.

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