Durch kurze Entwicklungsfristen können Emittenten unmittelbar auf Markttrends reagieren
Zertifikate nach jedem Geschmack

Die Welt der Zertifikate ist reich an Produktvarianten. Profis entwickeln komplexe Anlagekonzepte, die individuellen Horizonten gerecht werden und in unterschiedlichen Marktszenarien Erträge erzielen können.

HB DÜSSELDORF.Der Markt für Zertifikate wächst gewaltig: Im Jahr 2004 haben Anleger ein geschätztes Volumen von etwa 50 Mrd. Euro in diese Papiere investiert; Tendenz steigend. Bislang ging man von geschätzten 500 000 Zertifikate-Anlegern in Deutschland aus. Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Derivate Instituts (DDI) überrascht mit neuen Zahlen: Bereits zirka 3,9 Millionen Privatanleger haben die eher sicherheitsorientierten Anlagezertifikate in ihren Depots.

Anleger schätzen als großen Vorteil vor allem die Flexibilität der innovativen Papiere. Nahezu jede Vorstellung hinsichtlich des Zielmarktes lässt sich mit ihnen umsetzen. Viele Strategien ließen sich als Einzelinvestments mit vergleichbaren Resultaten gar nicht oder nur wesentlich zeit- und kostenintensiver abbilden.

Aber wie sorgen Emittenten dafür, dass die Papiere Marktgegebenheiten und Anlegerwünschen gleichermaßen entsprechen? Zunächst werden die Anlegerbedürfnisse als fundamentale „Planungsdaten“ von den Kundenbetreuern an die Produktspezialisten weitergereicht. Wertpapierexperten und Finanzmathematiker beschäftigen sich mit diversen Marktszenarien und leiten daraus Anlagekonzepte ab. Dabei nutzen sie das nobelpreisprämierte, so genannte CAPM-Modell von Markowitz, mit dem vor allem die Risiken einer Geldanlage reduziert werden können. Bestimmende Preisfaktoren für die Kalkulationen sind die Entwicklung des zu Grunde liegenden Basiswertes, das Zinsniveau und die Optionspreisveränderung. Die Rückzahlungen sind transparent und berechenbar – gemäß Ausgestaltung zum Emissionszeitpunkt.

Bei den von defensiven Anlegern favorisierten Garantie-Zertifikaten kombinieren die Experten den Kapitalerhalt am Laufzeitende mit einer zusätzlichen Ertragschance. Der Preis für die Kapitalgarantie bestimmt, wie viel Budget für die wesentlich kompliziertere Chance-Komponente verfügbar bleibt. Denkbar sind Varianten mit Garantien unter 100 Prozent Kapitalerhalt, aber auch darüber. Der verbleibende Betrag wird als „Chance“ für den Kauf von Optionen eingesetzt.

Sehr beliebt, weil transparent und auch für Laien gut nachvollziehbar, ist die Konstruktion der Discount-Zertifikate. Der Emittent erwirbt den Basiswert und verkauft gleichzeitig eine Call-Option. Der vom Emittenten erzielte Optionspreis ermöglicht den Rabatt, der an den Zertifikate-Erwerber als Discount weitergegeben wird. Die Optionsprämie vereinnahmt der Anleger also über den Discount, und zwar unabhängig davon, ob die Option ausgeübt wird oder nicht. Die darüber hinausgehende Gewinnchance ist durch eine Obergrenze (Cap) gedeckelt.

Beim Bonus-Zertifikat wandeln die Produktprofis zukünftige Dividendenerwartungen in ein kalkulierbares Auszahlungsmodell um. Der Emittent investiert diesen – vorweg-genommenen – Mittelfluss in die Konstruktion des Papiers. Bei ertragsorientierten Anlegern haben sich Bonuspapiere zunehmend als Standard durchgesetzt.

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