DWS-Chefstratege im Interview: „Die Krise kann ein Jahrzehnt dauern“

DWS-Chefstratege im Interview
„Die Krise kann ein Jahrzehnt dauern“

DWS-Chefanlagestratege Asoka Wöhrmann glaubt, das Thema Schuldenschnitt in Griechenland könnte schon bald erledigt sein. Auch für die Finanzmärkte sieht er Hoffnungszeichen, warnt Anleger aber vor neuen Turbulenzen.
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Handelsblatt: Herr Wöhrmann, was wird mit griechischen Staatsanleihen passieren?

Asoka Wöhrmann: Das Thema sollte jetzt unspektakulär erledigt werden. Banken und Versicherer sollten in einen Schuldenschnitt zwischen 50 und 60 Prozent einwilligen. Dann müssen wir sehen, wie die privaten Anleger und die EZB eingebunden werden – das Thema sollte in den nächsten zwei Wochen erledigt sein.

Das heißt, in zwei Wochen steht fest, wie viel Geld Ihre Fondsanleger verlieren?

Die DWS hält weniger als 0,1 Prozent des Anlegervermögens in Griechenland. Der Markt nimmt die Verluste doch längst vorweg: Die Kurse für griechische Anleihen bewegen sich bei 30 Prozent. Ein klares Konzept zur Beteiligung privater Anleger fehlt bisher. Das wird zwar verlangt und diskutiert. Aber ich glaube, erst in einer zweiten Stufe werden Private beteiligt. Damit und zusammen mit der EZB könnte die Schuldenlast für Griechenland wesentlich reduziert werden. Zunächst wird jedoch die erste Stufe mit Banken und Versicherern verhandelt.

Würden Sie Ihre Griechenbonds in den Fonds tauschen?

Wir würden im Sinne unserer Anleger entscheiden. Allerdings sollte ein Fonds immer liquide bleiben. Wenn ich eine Griechenanleihe tausche, muss der neue Bond trotz Laufzeit von vielleicht 30 Jahren jederzeit am Markt verkaufbar sein. Wenn hingegen festgeschrieben werden sollte, dass wir das Papier zehn Jahre halten müssen, machen wir nicht mit.

Rechnen Sie mit Klagen von Anlegern?

Klagen lassen sich nicht verhindern, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat.

Wie weit ist es noch bis zur Lösung der Schuldenkrise?

Wir gehen in Europa in Richtung Fiskalpakt, leider nicht Richtung EU-Vertrag. Stabiler wäre ein Euro-Land, das nicht nur Währungsunion ist, sondern in dem es – abseits des Kapitalmarkts – Mechanismen zum Ausgleich von Ersparnisungleichgewichten gäbe. Dass aber der Großteil der Maßnahmen für den Fiskalpakt steht, sollte uns nach 18 Monaten desolaten Krisenmanagements zufrieden stimmen. Jetzt geht es um die ebenfalls anspruchsvolle Implementierung der Maßnahmen.

Kann Griechenland es denn mit einem Schuldenschnitt von 50 bis 60 Prozent schaffen, in der Euro-Zone zu bleiben?

Die Kernfrage ist, ob Europa das jetzige Euro-Land erhalten will. Ein Austritt würde Griechenland ökonomisch mindestens 20 Jahre zurückkatapultieren. Das will niemand, am allerwenigsten die Griechen selbst. Sie besitzen aber nicht die Kraft, die ihnen gesetzten Ziele aus eigener Anstrengung zu erreichen. Und wir können Griechenland besser innerhalb der Euro-Zone helfen.

Können wir uns das leisten?

Griechenland ist zu klein, um die europäische Idee ernsthaft gefährden zu können. Politökonomisch ist es wichtig, das Land in der Gemeinschaft zu halten.

Kommentare zu " DWS-Chefstratege im Interview: „Die Krise kann ein Jahrzehnt dauern“"

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  • Krise = chance.

    Vor der Krise war Deutschland das Land des dummen Nazi-Michel.

    Heute ist Deutschland das Land, das Europa anführt.

    Wir sind endlich wieder Nummer 1 von Europa.

    Hmm, könnten wir evtl noch ein paar Krisen bekommen?
    danke.

  • >Wir müssen einfach überzeugende Produkte anbieten: klare >Produktversprechen formulieren und sie einhalten – mit >Blick auf Sicherheit oder Rendite.

    Wir müssen einfach noch mehr und besser die Leute belügen.
    Wir haben die Hoffnung, daß die nachlassende Bildung bei jüngeren Leuten endlich wirkt, sodaß sie uns freiwillig ihr Geld für unsere Versprechen in die Zukunft überlassen.


  • >Wir müssen einfach überzeugende Produkte anbieten: klare >Produktversprechen formulieren und sie einhalten – mit >Blick auf Sicherheit oder Rendite.

    Wir müssen einfach noch mehr und besser die Leute belügen.
    Wir haben die Hoffnung, daß die nachlassende Bildung bei jüngeren Leuten endlich wirkt, sodaß sie uns freiwillig ihr Geld für unsere Versprechen in die Zukunft überlassen.


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