Eckart Langen v.d. Goltz
„Wenn wir so weitermachen, droht eine schlimme Depression“

Der Chef der Münchener Vermögensverwaltung PSM erklärt, warum er derzeit kaum Aktien kauft, Staatsanleihen noch immer eine sinnvolle Anlage sind und was EZB-Chef Mario Draghi tun muss, um die Schuldenkrise zu beenden.
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An den Börsen geht es auf und ab, viele Privatanleger trauen sich nicht, bei dieser Achterbahnfahrt mitzumachen. Sind Sie noch dabei?
Wir sitzen momentan auf viel Geld und es mag auf den ersten Blick dumm erscheinen, aber es wäre noch viel dümmer, damit waghalsige Spekulationen zu tätigen. In diesem Spannungsumfeld der ungelösten wirtschaftlichen Krise voll in Aktien einzusteigen, ist nur etwas für Helden. Augenblicklich wollen wir nur circa zehn bis zwanzig Prozent in Aktien investieren.

Und Sie wollen kein Held sein?
Nein, für uns hat der Vermögenserhalt weiterhin höchste Priorität. Wer in diesem Jahr sehr mutig war, hat vielleicht zehn oder zwanzig Prozent Rendite erzielen können. Wir liegen deutlich darunter, aber in den letzten zwölf Jahren waren wir im Schnitt wesentlich erfolgreicher. Viele andere Investoren haben in den letzten fünf Jahren kein Geld verdient. Es nutzt nichts, die Kunden in einem Jahr mit enormen Renditen zu beglücken, wenn man im nächsten Jahr alles wieder verliert.

Wo parken Sie das Geld, haben Sie es als Festgeld angelegt?
Beim Festgeld ist die Rendite gleich null. Seit der Erklärung von Mario Draghi, dass die Europäische Zentralbank kurzfristige Staatsanleihen notfalls in unbegrenzter Höhe aufkaufen will, sind zwei- bis dreijährige italienische und spanische Staatsanleihen wieder eine relativ sichere Anlage geworden.

Aber nur auf kurze Sicht, oder?
Staatsanleihen sind kein sanftes Ruhekissen, nur bei kurzen Laufzeiten von ein bis drei Jahren ist man relativ sicher. Deswegen haben wir Anleihen von Spanien und Italien gekauft und erzielen damit immerhin eine Rendite von 1,8 bis 2,8 Prozent.

Langfristig erwarten aber sicher auch Ihre Kunden höhere Renditen. Wann wagen Sie sich wieder aus der Deckung?
Aktuell hat uns immer noch die Schuldenkrise im Griff. Alles, was bislang unternommen wurde, hat den Crash nur verzögert. Wenn wir so weitermachen, droht einigen europäischen Staaten der Bankrott und das würde zu einer schlimmen Depression führen.

Sie malen also ein eher düsteres Bild für die Zukunft?
Wir sehen nicht schwarz, es gibt keinen Weltuntergang. Aber wir sind an einem Punkt angekommen, wo die Überschuldungskrise unsere Wirtschaft ruinieren könnte. Es gibt jedoch einen Ausweg aus der Schuldenkrise. Und ich bin sicher, dass unsere Politiker und die Notenbank dazu bereit sein werden, allerdings erst wenn es ein Finanzbeben gibt, das noch schlimmer ist als 2008.

Es kursieren ja schon einige Lösungsansätze.
Die meisten dieser Vorschläge führen zu keiner echten Lösung unserer Schuldenkrise. Etwa die Idee, dass Staaten wie Deutschland zu Zahlmeistern Europas werden: Das ist nicht realistisch, sie würden dann alle mit in den Schuldenstrudel hineingezogen. Manche wollen es sogar auf Staatspleiten und eine Depression ankommen lassen. Das wäre Wahnsinn, es könnte zu einem Crash wie in den 30er Jahren kommen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Massenpleiten und soziale Unruhen. Anschließend müssten die Staaten noch mehr Schulden machen, um aus dieser Misere wieder herauszukommen.

Kommentare zu " Eckart Langen v.d. Goltz: „Wenn wir so weitermachen, droht eine schlimme Depression“"

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  • Er mag ja mit allem Recht haben. Aber im letzten Punkt, dass durch das "Drucken" von 4 Billionen keine inflation ensteht, das ist grenzenloser Schwachsinn.

    Vereinfacht schlägt der Herr von Goltz doch vor, dass die EZB die Staatschulden von 4 Billionen mit frisch gedrucktem Geld zurückbezahlt und pro forma (Bilanztrick) in den Büchern als zinslose Forderung gegen die (PIIGS-)Staaten bis in alle Ewigkeit stehen lässt, um behaupten zu können: "Sehr her, wir haben die Schulden ja nicht erlassen, da stehen sie ja noch ...".
    Das Problem bei diesem Tachenspielertrick ist, dass die Gläubiger die 4 Billionen an anderer Stelle unterbringen müssen, und genau an diser Stelle werden die PReise explodieren.

  • Zitat von Eckart Langen v.d.Goltz:"Wir sitzen momentan auf viel Geld und es mag auf den ersten Blick dumm erscheinen, aber es wäre noch viel dümmer, damit waghalsige Spekulationen zu tätigen. In diesem Spannungsumfeld der ungelösten wirtschaftlichen Krise voll in Aktien einzusteigen, ist nur etwas für Helden."(Zitat Ende).
    Nun, wenn die wirtschaftliche Krise gelöst ist, sind die Aktienkurse schon längst Richtung Norden abgedampft. Dann wäre es nämlich an der Zeit, wiederum über Aktienverkäufe nachzudenken. Und seit wann sind Investments in werthaltige Unternehmen, die zur Zeit unterbewertet sind und eine knackige Dividende abwerfen, eine "waghalsige Spekulation"? Und wenn schon Staatsanleihen, dann mit Sicherheit keine der Währungsunion. Da gibt es interessantere.

  • So muss ein Vermögensverwalter denken !!!
    Trost findet man eher in der Kirche oder bei Sekten.

    hansepeter

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