Edelmetall-Preis koppelt sich vom Dollarkurs ab und steigt auf ein Drei-Monats-Hoch
Anleger suchen Sicherheit im Gold

„Die Welt ist zu hässlich, als dass Gold schwach werden könnte.“ An diese alte Weisheit fühlen sich derzeit die Akteure an den Edelmetallmärkten erinnert. Der Goldpreis ist am Montag in der Spitze bis auf 442 Dollar je Feinunze geklettert.

FRANKFURT/M. Das ist der höchste Preis seit rund drei Monaten. Doch dieses Mal ist am Goldmarkt etwas anders als in früheren Zeiten. Das Geschehen findet vor allem deshalb Beachtung, weil die Gleichung schwacher US-Dollar gleich starker Goldpreis seit kurzem nicht mehr gilt. Gold hat sich vom Tief bei 412 Dollar nach oben in Bewegung gesetzt, und der Dollar ist ebenfalls gestiegen. Und zwar vom Tief bei 1,35 auf 1,20 Euro.

In Euro gerechnet, erreichte Gold am Montag ein neues Rekordniveau und stieg an Tokios Rohstoffbörse in Yen auf den höchsten Stand seit 13 Jahren. Bislang sei Gold der Wahrnehmung der latenten Wirtschaftsprobleme in den USA gefolgt, sagen die Fachleute von RBC Capital Markets: Gold stieg, wenn der Dollar fiel – und umgekehrt. Durch die EU-Krise verliere der Euro seine Anziehungskraft als alternative Anlagewährung zum Dollar und eventuell auch als Reservewährung. Für die RBC-Analysten ergibt sich daraus die Schlussfolgerung: Gold wurde schon immer als härteste „Währung“ begriffen – jetzt auch gegenüber dem Euro.

„Für mich ist dies seit Jahren die interessanteste Entwicklung am Goldmarkt“, sagt John Reade von der Investmentbank UBS. Allem Anschein nach sei Gold für große Kapitalsammelstellen unter Streuungsaspekten eine Anlage-Alternative. Auffallend ist, dass die zuletzt inverse Korrelation zwischen Dollarkurs und Goldpreis zeitgleich mit dem Nein der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung aufgehoben wurde. Auch die weiter steigenden Defizite in der Leistungsbilanz und im Haushalt in den USA und die hohe Verschuldung der Industriestaaten tragen zur Nervosität der Märkte und zum Run auf Gold bei.

Experten sehen im jüngsten Anstieg ein mögliches Indiz für nachlassendes Vertrauen in die führenden Weltwährungen sowie in Papierwerte. So wird Gold als sicherer Hafen für vagabundierendes und verunsichertes Kapital betrachtet. Die Anleger realisierten, dass Gold und Rohstoffe stabilere Perspektiven als Papierwährungen bieten, sagt James Moore, Analyst beim Fachdienst Bullion-Desk.

Als nicht unwesentlichen Grund für das Interesse an Gold sieht Michael Dudas vom Finanzhaus Bear Stearns die anhaltende Stärke der Rohstoffmärkte insgesamt und die starke Nachfrage der Wirtschaft – allen voran aus China. Die Anleger müssten wissen, dass die Regierung in Peking die Barrieren beim Kauf von Gold durch Privatpersonen aufgehoben habe, sagt Evy Hambro von Merrill Lynch.

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