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Effizientes Ressourcenmanagement senkt Kosten

Mehr Effizienz bei der Nutzung natürlicher Ressourcen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. „Eine höhere Ressourceneffizienz könnte Deutschland volkswirtschaftlich 97 bis 200 Mrd. Euro jährlich einsparen“, berechnete Prof. Maximilian Gege, Vizepräsident des Welt-Zukunftsrates und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.). Die Betriebskosten von Unternehmen können um bis zu fünf Prozent sinken, wie Praxisbeispiele zeigen. Betriebe unterschätzen die Umweltkosten.

Trotz aller Warnungen vor drohender Knappheit vieler natürlicher Ressourcen bleiben enorme Einsparmöglichkeiten ungenutzt. „Eine höhere Ressourceneffizienz könnte Deutschland volkswirtschaftlich 97 bis 200 Mrd. Euro jährlich einsparen“, berechnete Prof. Maximilian Gege, Vizepräsident des Welt-Zukunftsrates und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.). Allein im produzieren-den Gewerbe seien jährlich Einsparungen bis zu 83 Mrd. Euro. Euro möglich. Das könne die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen stärken und ihre starke Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus oft unsicheren Ländern verringern

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Investitionen in bessere Ressourcennutzung könnten überdies eine Million neuer Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Das ergaben wissenschaftli-che Studien im Auftrag der unabhängigen Aachener Stiftung Kathy Beys. Dieser Motor erhöhe Steuereinnahmen, senke Sozialausgaben und entlaste den Staatshaushalt. „Mehr Ressourceneffizienz muss in Politik und Wirtschaft Top-Thema werden“, fordert daher Stiftungsvorstand Stephan Baldin. „Erst eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um den Faktor zehn bis 2050 sichert eine stabile wirtschaftliche und politische Entwicklung.“ Bisher konzentrierten sich 80 Prozent der Aktivitäten in Politik und Management auf nur 20 Prozent des Potentials, kritisiert er. Zulieferkette und Konsum blieben unbeachtet.

Gege engagiert sich für eine Mittelstandskampagne, um zu Einsparpotentialen zu informieren. Er wirbt zudem für eine ‚Zukunftsanleihe’. Sie soll 400 Mill. Euro mobilisieren, um Umweltinvestitionen, nachhaltiges Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern.

„In Deutschland lassen sich zwei bis fünf Prozent der unternehmeri-schen Gesamtkosten durch gezieltes Umweltmanagement vermeiden – vor allem in den Bereichen Energie, Wasser, Abwasser, Rohstoffe“, rech-net Gege vor. Bei vielen Firmen sinken die Betriebskosten gar um acht Prozent, die Materialdurchsatzkosten um 20 Prozent, berichtet die Ener-gieeffizienzagentur NRW aus langjährigen Erfahrungen mit hunderten Betrieben verschiedener Branchen.

In Freiburg und Ulm deckte der B.A.U.M.-Schnellcheck ‚Eco+’ bei 140 Industrie-, Handwerks, Gastronomie- und Hotelbetrieben ein Einsparpotential von 1 Mrd. Euro jährlich auf. Manche Maßnahmen würden nichts kosten, die Investitionen von 1,25 Mrd. Euro amortisieren sich laut Gege nach zwei Jahren. Die Kohlendioxidemissionen sänken um 2800 Tonnen, der Wasserverbrauch um 20000 Kubikmeter jährlich.

Beim „Ökoprofit“, der eine einjährige Beratung durch B.A.U.M. Consult beinhaltet, erzielten 60 Hambur-ger Unternehmen jährliche Einsparungen von 4 Mill. Euro, berichtet Gege. „Das sind je nach Betriebsgröße 4000 bis 260000 Euro jährlich – leicht verdientes Geld.“ Drei Viertel der Maßnahmen kosteten nichts oder Investitionen amortisierten sich nach nur einem Jahr. Von 1999 bis 2004 haben diese Firmen die Luft mit 7000 t CO2 weniger belastet.

Praktische Beispiele aus Bayern sehen so aus: Mit einmalig 50 Euro sanken die Ausgaben der Vereins-bank Victoria Bauspar AG pro Jahr um 1450 Euro, weil sie die Betriebszeiten der Warmwasserboiler verringerte. Neuere Energietechnik für 2250 Euro bringt dem Posthotel Hofherr jährlich 3600 Euro. Das Deutsche Herzzentrum in München investierte nur 5000 Euro in eine bedarfsgerechte Steuerung der Klima- und Lüftungsanlage, um per anno 50000 Euro einzusparen.

Noch größer seien die Einsparun-gen, wenn man ein Umweltmanagementsystem nach der EU-Norm EMAS oder nach ISO14001 einrichtet, sagen Experten. „Doch nur knapp ein Prozent der deutschen Unternehmen haben Umweltmanagementansätze“, resümiert Walter Kah-lenborn von Adelphi Research das Ergebnis einer für das Bundesum-weltministerium realisierten Studie.

Grund: Unternehmen unterschätzen die Umweltkosten. „Die meist nur an Entsorgungskosten orientierten ‚Umweltkosten’ und die umweltorientierte Analyse der Geschäftsprozesse geben nicht annähernd die tatsächlichen Kosten wieder“, kritisiert Jakob Bauer, Vorsitzender des Verbandes der Betriebsbeauftragten für Umweltschutz. „Berücksichtigt man Material-, Verarbeitungs-, Energie- Prüf-, Lager-, Transport- und Personalkosten sind die Umweltkosten zehn bis 40 Mal höher.“

Eine Alternative sei die „Ressourcenkostenrechnung“, die die indirekten Umweltkosten berücksichtige, Potentiale zur Ressourceneinsparung ermittle und wirtschaftliche Praxislösungen für ein besseres Umweltmanagement ermögliche. Seit kurzem bietet der Verband eintägige Weiterbildungslehrgänge dazu an. Ein neuer Leitfaden des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie (ZEI) und des VBU hilft Unternehmen, für sich den Nutzen betrieblicher Systeme für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit zu ermitteln.

Ressourcenknappheit

Im April warnte Zukunftsforscher Dennis Meadows vom Club of Rome im Handelsblatt, bei unveränderter Wirtschaftsweise habe die Welt noch 70 Jahre bis zum Kollaps. Ausweg sei eine umwelt- und sozialverträglichere Wirtschaftsweise. „Ressourceneffizienz entscheidet, wie viel Zeit uns noch bleibt.“ Der Club of Rome vereint Fachleute aus 50 Ländern und machte 1972 Furore durch das unter Leitung von Meadows ent-standene Buch „Grenzen des Wachstums“. Meadows Rückblick „Grenzen des Wachstums – 30-Jahres-Update“ erscheint am 19. Juni in Deutschland.

Im Januar läuteten in der amerikanischen Elite-Universität Yale die Alarmglocken. Der Menschheit gehen rasch wichtige Rohstoffe aus, errechneten die Wissenschaftler Robert Gordon und Thomas Graedel in New Haven. Vorräte an Kupfer, Zink oder Platin in der Erdkruste seien zu gering, wenn die Entwicklungsländer westliche Lebensstandards anstrebten. Heute kommen 80 Prozent der weltweiten Rohstoffe nur 20 Prozent der Menschheit zugute.

Vor einem Jahr hatte ein von den Vereinten Nationen unterstützter Think Tank, der das Know-how von tausend Wissenschaftlern vereint, vor der Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen gewarnt. Wachse im Zuge der Industrialisierung der Entwicklungs- und Schwellenländer die Nachfrage weiter derart rasant, würden die vorhanden Ressourcen an Wasser, Energieträgern, Wald und Nahrungsmitteln überfordert.

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