Ehemalige Verantwortliche der Not leidenden Fonds bieten Hilfe an
Falk-Anleger stecken in der Zwickmühle

In den nächsten drei Wochen werden die Weichen für die Zukunft der Falk-Fonds gestellt. Unbestätigten Marktgerüchten zufolge sollen etwa 30 der 80 von der Falk-Gruppe aufgelegten geschlossenen Immobilienfonds Sanierungsfälle sein. Mehreren hundert Anlegern drohen Vermögensverluste, mindestens aber Renditeeinbußen.

DÜSSELDORF. Für den 1. Juli 2005 hat der vorläufige Insolvenzverwalter Josef Nachmann die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für vier Falk-Gesellschaften angekündigt.

Wollen die in der Regel als GmbH & Co. KG firmierenden Fonds nicht in den Insolvenz-Strudel gezogen werden, müssen sie dringend eine neue Komplementärin, also eine GmbH finden, die an die Stelle der alten Falk GmbH tritt. Die anderenfalls drohenden Konsequenzen beschreibt Rechtsanwalt Nachmann so: „Würde zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kein Ersatzkomplementär an die Stelle der Falk-Gesellschaft treten, würden aus den Kommanditgesellschaften offene Handelsgesellschaften. Für die Anleger würde dies bedeuten, dass sie in vollem Umfang persönlich haften.“ Bisher sind die Anleger Kommanditisten und haften nicht mit ihrem gesamten Vermögen, sondern nur mit der Einlage.

Die Schieflage der Falk-Gruppe entstand, weil das Neugeschäft wegbrach, gleichzeitig aber hohe Mietgarantie-Forderungen bedient werden mussten. Einige Falk-Fonds kämpfen wegen der Krise auf dem Immobilienmarkt mit Mietausfällen. Den 2 900 Anlegern des Falk-Zinsfonds droht der Verlust eines Großteils ihrer Einlagen. Die Falk-Gruppe gehört mit einem Anlagevolumen von drei Mrd. Euro zu den größten Anbietern geschlossener Deutschland-Immobilienfonds.

Zurzeit finden die entscheidenden Gesellschafterversammlungen statt. Als Helfer in der Not bieten sich dort Hans Voss, Geschäftsführer der vorläufig insolventen Falk Asset Management KG, und Thilo Köhler, ehemaliger Finanzvorstand der ebenfalls insolventen Falk Capital KG, an. Voss hat sich bereit erklärt, die Geschäftsführung der Fonds über vorsorglich gegründete Komplementär-GmbHs zu übernehmen. Gleichzeitig bemühen sich Voss und Köhler darum, die künftige Verwaltung von Fonds und deren Immobilien zu übernehmen. Sie wollen über einen Management-Buy-Out eine Auffanggesellschaft für die bisherigen Mitarbeiter gründen und wären bereit, einen Finanzinvestor zu beteiligen. Dieses Vorhaben wird vom vorläufigen Insolvenzverwalter Nachmann unterstützt.

Der Rechtsanwalt Michael Leipold, der als Vertreter mehrerer Anleger an den Gesellschafterversammlungen teilnimmt, hat nach den Veranstaltungen allerdings den Eindruck gewonnen, dass Voss nur dann bereit ist die Geschäftsführung zu übernehmen, wenn seine zukünftige Gesellschaft gleichzeitig bis zum Jahresende 2007 laufende Verwaltungsverträge erhalte. Leipold-Kollege Ralph Veil von der Münchner Kanzlei Mattil & Kollegen moniert: „Es wurden keine Alternativen angeboten.“ Dazu sei drei Monate Zeit gewesen. Angesichts der knappen Zeit stellt Leipold nun fest: „Die Anleger haben keine andere Wahl als zuzustimmen.“ Das Problem, wenn es bei dieser Konstruktion bleibt: Voss macht Geschäfte mit sich selbst, weil er als jeweiliger Fondsgeschäftsführer Verhandlungspartner der Verwaltungsgesellschaft ist, an der er wiederum beteiligt ist.

Köhler und Voss weisen die Darstellung der Anwälte zurück: „Ich übernehme die Geschäftsführerposition, weil niemand – insbesondere auch aus dem Gesellschafterkreis – bereit war, diese Position zu übernehmen“, sagt Voss. In einer gemeinsamen Erklärung von Köhler und Voss heißt es, dass sie keine Verträge mit sich selbst, insbesondere keinen Bewirtschaftungsverträge schließen würden.

Grundsätzlich könnte der von Leipold erhobene „Klüngel“-Verdacht umgangen werden. „Es wird mit einer Vielzahl von Interessenten verhandelt“, sagt Insolvenzverwalter Nachmann. Zumindest ein Fonds- und Immobilienverwalter hat bereits Interesse an der Verwaltung der Falk-Fonds signalisiert. Frank Schaich, Vorstand der IC Immobilien Holding AG in Unterschleißheim, sagt: „Wir sind von Beiräten der Fonds angesprochen worden.“ Als Voraussetzung für eine Beteiligung am Management-Buy-Out nennt er: „Wir beanspruchen die Unternehmensführung.“ Die IC verwaltet neben den eigenen fremde Fonds mit einem Investitionsvolumen von rund 3,2 Mrd. Euro.

Ein pikanter Nebenaspekt: Gegen Voss und Köhler ermittelt die Staatsanwaltschaft München I wegen des Verdachts der Untreue, des Betruges und der Insolvenzverschleppung, gegen die Ex-Falk-Capital-Vorstände Helmut Falk, Thomas Engels und Thomas Suk zusätzlich dazu noch wegen Kapitalanlagebetrug. „Der Anfangsverdacht hat sich erhärtet. Mit einem Abschluss der Ermittlungen ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld.

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