Eine bessere Bonitätseinstufung durch Standard & Poor’s könnte das Interesse noch weiter steigern
Rumänien lockt ausländische Investoren

Rumänien bereitet sich auf den Beitritt zur Europäischen Union und muss dafür einige Hürden nehmen: Seit die Zentralbank Anfang November beschloss, ihre Interventionen am Kapitalmarkt zurückzufahren, ist die Landeswährung Leu 11,5 Prozent gegenüber dem Euro geklettert und belastet den Export.

Bloomberg BUKAREST. Doch ein Wirtschaftswachstum von über acht Prozent, die Verdoppelung der Direktinvestitionen auf 4,1 Mrd. Euro und eine boomende Börse sind positive Signale für Wirtschaftsexperten.

„Der Weg zur EU-Mitgliedschaft ist mit einigen Anfangsschwierigkeiten gepflastert“, sagt Paul McNamara, Vermögensverwalter bei Julius Bär Investment Management. „Der Kapitalzufluss nach Rumänien wird zunehmen und an die damit einhergehenden Probleme müssen sie sich erst gewöhnen.“ Er erwartet, dass der Leu im Vorfeld des EU-Beitritts noch zulegen wird.

Leidtragende sind die exportorientierten Unternehmen: Der Auslandsumsatz von Uzinsider Engineering SA, einem Zulieferer von General Electric und Siemens, ging seit November wertmäßig über 2 Mill. Dollar (1,6 Mill. Euro) zurück. Auch Electroaparataj SA, ein Hersteller von Elektronikteilen und die Möbelindustrie des Landes sehen ihr Auslandsgeschäfte belastet. In einer Umfrage der Group for Applied Economics im Mai erklärten 60 Prozent der 170 befragten Firmen, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit durch den starken Leu gesunken sei, 21 Prozent gaben an, davon zu profitieren.

Selbst die Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlande konnten den Leu nicht stoppen: Er lag am 9. Juni bei 36,163 Lei je Euro, verglichen mit 36,283 Lei vor den Abstimmungen. Am 1. November notierte er noch bei 40,766 Lei.

„Was uns zu schaffen macht, ist nicht unbedingt der stärkere Leu, sondern das Tempo, in dem der Anstieg vor sich geht“, sagt Constantin Savu, Vorstandschef von Uzinsider. Durch den Anstieg des Leus sind die Gewinnmargen geschrumpft. Um Druck von den Unternehmen zu nehmen und Spekulationen mit der Währung zu verhindern, hat die Zentralbank die Zinsen auf 12,5 Prozent gesenkt und verstärkt Euro gekauft.

Das Interesse an dem Land ist groß. Die Direktinvestitionen haben sich auf 4,1 Mrd. Euro verdoppelt. Der Benchmark-Index des Landes der BET-10-Index liegt dieses Jahr auf Euro-Basis mit 12,51 Prozent im Plus und verdoppelte sich 2004. Die Kurse sollten weiter steigen, denn die Ratingagentur Standard & Poor's will die Bonität Rumäniens auf Investmentstufe heraufsetzen. Eine Anhebung von zur Zeit „BB+“ um eine Stufe dürfte in den nächsten zwölf Monaten erfolgen, sagte S&P-Analyst Moritz Kraemer.

Das wird die Aktienkurse weiter nach oben treiben. Denn da viele Fonds nur in Unternehmen auf Investmentgradestufe investieren, ist ein größeres Interesse an rumänischen Aktien und damit an Nachfrage nach Lei durch eine bessere Bonität vorprogrammiert. Bereits jetzt ist das Interesse im Ausland so groß wie nie zuvor. „Rumänien ist definitiv ein sehr wichtiges Ziel, weil es der letzte große Markt in der Region ist, der noch übrig ist“, sagt Manfred Wimmer von der Erste Bank in Österreich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%