Einstieg bei Chemiekonzern

Was wittert Warren Buffett bei Lanxess?

Der Star-Investor aus den USA beteiligt sich an dem Kölner Spezialchemiekonzern – wohl auch, weil Lanxess wieder auf Angriff schaltet. Doch nicht alle Experten sind mit Blick auf den Kurs so optimistisch.
Update: 29.05.2017 - 14:19 Uhr Kommentieren
Warren Buffett ist der CEO der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Quelle: dpa
Warren Buffett

Warren Buffett ist der CEO der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn Star-Investor Warren Buffett in ein Unternehmen investiert, folgt er seinen langjährigen Grundsätzen. Zu denen gehört, dass er das Geschäft der Firma  kapiert, dass die Qualität des Managements stimmt und die Aussichten für die Branche gut sind.

Ob Buffett tatsächlich versteht, was genau der Kölner Konzern Lanxess herstellt, darf bezweifelt werden. Nicht nur für Lanxess, sondern für alle Chemieunternehmen ist es schwierig, der Öffentlichkeit und den Anlegern klar zu machen, wofür die Chemikalien und Kunststoffen gut sind, die sie in ihren Großanlagen produzieren.

Buffett hat sich davon aber nicht abhalten lassen. Eine Tochter seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hat sich mit gut drei Prozent an Lanxess beteiligt. Das kein riesiges Investment – die Fondsgesellschaft Blackrock etwa hält deutlich mehr Anteile an dem Spezialchemiekonzern, aktuell sind es 5,6 Prozent.

Doch wenn Buffett in ein Unternehmen einsteigt, sorgt das stets für Aufsehen. Die Lanxess-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Beteiligung prompt in die Höhe. Am Mittag notierte sie bei 66,15 Euro, ein Plus von 4,5 Prozent. Die Anleger wetten offensichtlich darauf, dass das Buffett bei den Kölnern einiges an Potenzial sieht. Schließlich genießt er den Ruf des „Orakels von Omaha“, sein Firmen- und Wohnsitz im mittleren Westen der USA gilt sozusagen als Weissagungsstätte für Aktien.

Buffett dürfte die erfolgreiche Sanierung und Neuausrichtung von Lanxess angelockt haben. Doch er kommt spät, denn der Kurswechsel bei dem Kölner Konzern hat dem Aktienkurs bereits kräftig Auftrieb gegeben. Was also wittert Buffett?

Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
Xetra

-1,20 -1,24%
+95,40€
Chart von MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01
Monsanto
1 von 49

Der Zeitpunkt war günstig: Kurz vor der geplanten Übernahme durch den deutschen Chemieriesen Bayer stieg Buffett im vierten Quartal 2016 bei dem US-Saatgutkonzern Monsanto ein. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte acht Millionen Papiere des Konzerns. Die anstehende Übernahme durch Bayer könnte die Kurse weiter steigen lassen.

Buffetts Anteile: 8,04 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: unverändert

SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US82968B1035
Börse
FSE

+0,04 +0,90%
+4,44€
Chart von SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Sirius XM
2 von 49

Aufgestockt (5/6)

Sirius XM ist ein US-amerikanischer Satellitenradio-Anbieter aus New York City mit Sitz im US-Niedrigsteuerstaat Delaware. Er gehört mehrheitlich dem Medienkonzern Liberty Media, an dem Warren Buffett ebenfalls beteiligt war. Erst im letzten Quartal 2016 stieg der Investor mit knapp 800 Millionen Dollar beim Unternehmen ein und baute damit seine Beteiligungsfamilie im Mediensektor aus. Im ersten Quartal 2017 stockte Buffett seine Anteile leicht auf.

Buffetts Anteile: mehr als 172 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 3,4 Prozent
Wert der Beteiligung: 823,7 Millionen Dollar

SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US8447411088
Börse
Xetra

-0,23 -0,42%
0,00€
Chart von SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1
Southwest Airlines
3 von 49

Aufgestockt (6/6)

Southwest Airlines ist eine große US-amerikanische Fluggesellschaft. Fast alle Airlines in den USA haben in den vergangenen Jahren Schwächephasen durchlitten, gingen durch Insolvenzverfahren oder fusionierten. Das hat Starinvestor Warren Buffett lange abgehalten, in Fluggesellschaften zu investieren. Ein erfolgloses Investment in US Airways von 1989 bis 1995 (75 Prozent Verlust) soll Sodbrennen bei dem Milliardär ausgelöst haben – seitdem hielt er die Branche für gefährlich. Doch im Herbst 2016 holte er gleich vier Titel ins Portfolio. Sein Engagement bei der Airline mit Hauptsitzt in Dallas, Texas, baute er im ersten Jahresquartal 2017 ebenso aus wie das bei American Airlines.

Buffetts Anteile: knapp 48 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 10,3 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,8 Milliarden Dollar

DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US2441991054
Börse
Xetra

+1,00 +0,73%
+135,00€
Chart von DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1
Deere & Company
4 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (1/5)

Einen Teil seiner Aktien des Traktorherstellers Deere hatte der Investor im dritten Quartal 2015 abgestoßen, nachdem er im ersten Quartal 2015 leicht aufgestockt hatte. Im zweiten Quartal 2016 verkaufte er, auch im dritten Quartal reduzierte er den Anteil. Im Schlussquartal 2016 flog Deere nun komplett aus dem Portfolio.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 21,09 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01

WKN
ISIN
US49456B1017
Börse
Xetra

+0,06 +0,39%
0,00€
Chart von KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01
Kinder Morgan
5 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (2/5)

Der Ölpreis ist noch immer weit von seinen Höchstständen entfernt. Bereits im dritten Quartal reduzierte Warren Buffett seine Anteile an dem amerikanischen Energie-Giganten Kinder Morgan – im vierten Quartal stieß er das Investment gleich ganz ab. Offensichtlich glaubt Buffett nicht, dass die Vorliebe des neuen US-Präsidenten Donald Trump für fossile Energien sich positiv auf den Kurs Kinder Morgans auswirken wird.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 20 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01

WKN
ISIN
US5312298707
Börse
FSE

-0,20 -0,73%
+27,20€
Chart von LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01
Liberty Media
6 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (3/5)

Das US-Medienunternehmen Liberty Media gehört mehrheitlich dem Medienmogul John Malone. Buffett ist nun ausgestiegen, dafür beim Satellitenradioanbieter Sirius, einer Liberty-Beteiligung, eingestiegen.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,3 Millionen Stück (Class A) sowie circa 3,19 Millionen Stück (Class C))
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US67011P1003
Börse
FSE

0,00 0,00%
+9,50€
Chart von NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01
Now Inc.
7 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (4/5)

Now Inc. ist ein Dienstleister für die Energiewirtschaft und Industrieunternehmen. Ende 2016 hat Buffett sich von der Beteiligung an Now verabschiedet.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,83 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

Der Konzern selbst freut sich über die Beteiligung des US-Investors. "Lanxess ist ein Unternehmen, das klar auf Wertsteigerung setzt. Der Umbau unseres Konzerns trägt Früchte, wir legen damit den Grundstein für weiteres Wachstum und höhere Profitabilität. Und wir freuen uns, wenn Investoren durch ihre Anlageentscheidungen ausdrücken, dass sie von unserer strategischen Ausrichtung überzeugt sind.", sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert dem Handelsblatt.

Die Einschätzungen der Analysten für die nähere Entwicklung von Lanxess an der Börse sind allerdings gemischt. Gerade die Investmenthäuser aus dem angelsächsischen Raum sehen den Kölner Konzern gegenwärtig angemessen bewertet: Die Aktie bewegt sich seit Jahresbeginn zwischen 60 und 67 Euro. Die Rally im zweiten Halbjahr 2016 hat sie auf dieses Niveau gehoben. Im Frühsommer 2016 notierten die Titel noch bei 40 Euro.

Der US-Broker Jefferies hält die jüngste Besserung bei Lanxess für eingepreist und stuft die Aktien auf „Halten“ mit einem Kursziel von 69 Euro ein. Auch die Investmentbanken Barclays und HSBC bleiben vorsichtig und nennen Kursziele von 64 und 66 Euro.

Rekordergebnis bei Lanxess absehbar
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