Einstieg in Südamerika
Landung in São Paulo

Der US-Billigflieger Jet-Blue will einen Ableger in Brasilien aufbauen. Das dürfte vor allem die heimische Fluglinie Gol spüren - die leidet schon länger unter schlechten Geschäftsergebnissen. Gegen einen anderen Konkurrenten dürfte Jet-Blue dagegen seine Schwierigkeiten haben.

SÃO PAULO. "Jetzt auch noch das!" - so ähnlich dürfte Constantino de Oliveira Júnior letzte Woche gedacht haben: Erst musste der Besitzer der brasilianischen Fluglinie Gol verkünden, dass nach dem schlechten Ergebnis des letzten Jahres (2,8 Mrd. Dollar Umsatz, aber nur 58 Mill. Dollar Gewinn) Gol in den ersten drei Monaten dieses Jahr weiter mit Verlusten fliegt. Dann verkündete David Neeleman, Gründer und Mitbesitzer der US-Billigfluglinie Jetblue, dass er in Brasilien Anfang nächsten Jahres mit einer neuen Fluggesellschaft starten werde.

150 Mill. Dollar blättert Neeleman zusammen mit namhaften brasilianischen Investoren als Startkapital hin. Beim brasilianischen Flugzeugbauer Embraer hat Neeleman bereits 36 Jets bestellt im Wert von insgesamt drei Milliarden Dollar. In fünf Jahren soll seine Flotte aus 76 Flugzeugen bestehen. Neeleman, als Sohn nordamerikanischer Mormonenmissionare in Brasilien aufgewachsen, will die hohe Servicekultur und die modernen Flugzeuge, die den Billigflieger Jetblue von den US-Konkurrenten unterscheidet, auch in Brasilien anwenden und so einerseits um Geschäftsleute werben, aber andererseits mit billigen Tarifen den Massenmarkt Brasiliens aufmischen. "Im Vergleich zu Wirtschaftskraft Brasiliens könnte der Markt drei bis viermal größer sein", sagt er, "die Preise sind heute durchschnittlich 50 Prozent höher als in den USA."

Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter kommen: Denn Gol, der einstige Überflieger am brasilianischen Himmel, befindet sich seit Mitte letzten Jahres auf Sinkflug. Vorbei sind die stürmischen Wachstumsphasen der vor sieben Jahren gegründeten Fluggesellschaft. Die Aktie der Gol hat in den vergangenen zwölf Monaten 57 Prozent verloren, während der Bovespa-Index im gleichen Zeitraum 39 Prozent zugelegt hat. Die Gründe für den Niedergang der zeitweise rentabelsten Fluggesellschaft der Welt begannen mit dem Absturz einer Gol-Maschine im September 2006 über dem Amazonas. Die Katastrophe war der Auslöser für das anhaltende Flugchaos Brasiliens im vergangenen Jahr. Der mit knappen Bodenzeiten kalkulierenden Gol brach die Kalkulation zusammen. Ausfälle und Verspätungen nahmen stark zu. Die Folge: Die durchschnittliche Auslastung der Flugzeuge sank von rund 75 Prozent Ende 2006 auf inzwischen 62 Prozent. Nach dem Absturz einer Maschine des Konkurrenten Tam Mitte 2007 wurden die Flugfrequenzen auf dem Stadtflughafen São Paulos stark reduziert. Gol verlor dort seinen wichtigsten Knotenpunkt. Da Gol gleichzeitig sein Billigkonzept immer mehr aufgab und nur knapp unter den Preisen der Konkurrenz anbietet, wechselten Vielflieger zum komfortableren Konkurrenten Tam. Am stärksten belastet Gol jedoch die Übernahme der Varig für 320 Mill. Dollar vor genau einem Jahr. Dem Gol-Management gelang es nicht die Synergien zu heben.

Daniela Bretthauser, Fluganalystin von Goldman hat die Gewinnprognose der Gol-Aktie (als ADR an der Nasdaq) für dieses Jahr um 19 Prozent auf 1,17 Dollar je Aktie gesenkt. Viel versprechender sieht derzeit Konkurrent Tam aus. Denn der Konzern hat offensiv auf Wachstum umgestellt: Das internationale Netz der Tam und die Kooperationsabkommen mit internationalen Linien wächst rasant. Die anhaltende Führungskrise nach dem Tod des Gründers Rolim Amaro vor sieben Jahren ist endlich überwunden. Der neue Chef David Barioni Neto sagt zum Thema Jetblue selbstbewusst: "Der neue Konkurrent wird es nicht leicht haben." Stephen Trent von der Citigroup empfiehlt die Tam-Aktie, wegen der tendenziell weiter steigenden Flugpreise und den guten Wachstumsaussichten Brasiliens. Der Finanzdienstleister CMA in São Paulo hat für Tam nach Umfragen unter Börsenmaklern an der Bovespa sogar ein Kurspotenzial von 100 Prozent in den nächsten zwölf Monaten ermittelt.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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