Elfmonatige Talfahrt der Börse
Schweden flüchten aus Aktien

Die Stockholmer Börse zählt zu den schlechtesten in diesem Jahr in Europa. Der Hauptindex der Börse verlor seit Jahresbeginn 8,5 Prozent. Viele eigentlich überdurchschnittlich risikofreudige Schweden hat angesichts der langen Talfahrt der Mut verlassen - und zu einer massiven Flucht aus Aktien und Fonds veranlasst.

STOCKHOLM. Durch Stockholms Finanzviertel am Sture-Platz pfeift ein eiskalter Wind. Die derzeit beißenden Temperaturen sind nicht nur der Vorbote auf den nahenden Winter, sie spiegeln auch die Gemütslage vieler Banker und Analysten im Viertel wider. In dem Land, in dem mehr als 80 Prozent der Einwohner über Fonds oder Direktbesitz Aktionäre sind, ist das Thermometer auf Tauchstation gegangen: Die Aktien-begeisterten Schweden mussten mit ansehen, wie der Hauptindex der Stockholmer Börse seit Jahresbeginn rund 8,5 Prozent verloren hat.

Schlimmer noch: Die Börse im östlichen Nachbarland Finnland, mit dem man sich immer gerne und häufig misst, hat im gleichen Zeitraum um fast 19 Prozent zugelegt. Selbst Oslo (-2,4 Prozent) und Kopenhagen (-1,3 Prozent) liegen besser, die Stockholmer Börse zählt zu den schlechtesten in diesem Jahr in Europa.

„Der große Unterschied zwischen Finnland und Schweden besteht darin, dass Nokia gestiegen und Ericsson gefallen ist“, sagt Peter Malmqvist, Chefanalyst beim Online-Makler Nordnet. Tatsächlich hat der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia aus Finnland einen beachtenswerten Kursanstieg von 65 Prozent seit Jahresbeginn hingelegt. Schwedens Vorzeigekonzern Ericsson dagegen schockte die Märkte vor wenigen Wochen mit einer Gewinnwarnung, die die sowieso schon schwache Performance endgültig in den Keller riss. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn zunächst fast ein Drittel ihres Wertes.

Und als sei ein Tiefschlag für die Aktionäre noch nicht genug präzisierte Ericsson-Chef Carl-Henrik Svanberg vor zwei Wochen die Umsatzprognose für das vierte Quartal: Sie werde im unteren Bereich der angegebenen Spanne liegen, sagte er vor Analysten und Journalisten in New York. Die bereits übersensibilisierten Märkte reagierten ohne Gefühl für die Kleinanleger: Der Kurs der Volksaktie von Ericsson stürzte noch einmal um elf Prozent ab, rund 46 Prozent des Börsenwertes waren nach den beiden Tiefschlägen futsch.

Viele eigentlich überdurchschnittlich risikofreudige Schweden hat angesichts der elfmonatigen Talfahrt der Mut verlassen. Denn nicht nur Ericsson, sondern auch die ansonsten im hohen Norden sehr beliebten Bankaktien haben kräftig Federn lassen müssen. „Banktitel sind in Zeiten mit schwächelnder Konjunktur immer ein sicherer Hafen gewesen“, sagt Urban Ekelund vom Marktforschungsinstitut Redeye.

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