Emerging Markets sind gefragt wie selten zuvor
Mit Zertifikaten auf den Türkei-Boom setzen

Privatanleger, die ihr Herz für ein bestimmtes Schwellenland entdeckten und dort ihr Geld investieren wollten, hatten bisher oft nur die Möglichkeit, sich über Länderfonds zu positionieren. Doch im Rahmen der neuen deutschen Investmentkultur hat sich das Spektrum erweitert. Mit Zertifikaten können Anleger auf einfache Weise in Emerging Markets einsteigen. Neuestes Zielland ist die Türkei – das Tor zwischen Orient und Okzident.

HB DÜSSELDORF. Die Deutsche Bank hat jetzt Anlagezertifikate auf den türkischen Aktienindex ISE National 30 aufgelegt. Anleger haben so die Möglichkeit, mit einer einzigen Transaktion an der Wertentwicklung türkischer Aktien zu partizipieren. Die Anlagezertifikate werden sowohl an der Frankfurter Wertpapierbörse als auch im Euwax-Marktsegment der Baden- Württembergischen Wertpapierbörse zu Stuttgart gelistet.

Die Türkei stelle heute eine strategisch wichtige Verbindung des Westens zum Mittleren Osten dar, sagt Stefan Armbruster von der Deutschen Bank. Die Regierung in Ankara könne sich auf eine breite Zustimmung stützen und habe bei der letzten Wahl sogar die absolute Mehrheit erreicht. Wie aber steht es um die politische und wirtschaftliche Zukunft der Türkei tatsächlich? Während sich die Politiker in der EU im Hinblick auf einen möglichen Beitrittszeitpunkt in kontroversen Diskussionen die Köpfe heiß reden, hat US-Präsident George W. Bush jetzt Tacheles geredet und Europa aufgefordert, in der Beitrittsfrage so rasch wie möglich Klarheit zu schaffen.

„Die Annäherung der Türkei an den Westen verdeutlicht sich insbesondere durch die historisch starke Bindung an die Vereinigten Staaten – beispielsweise während des Irak-Kriegs“, heißt es bei der Deutschen Bank. Dies lasse eine klare Ausrichtung an den westlichen Wirtschaftsraum erkennen, was dem Land einen wirtschaftlichen „Mini-Boom“ beschert habe. Dass die Türkei wirtschaftlich und politisch Fortschritte gemacht hat, steht außer Zweifel. Von den Sünden der Vergangenheit wie Hyperinflation und massiven Währungsabwertungen ist nur noch wenig zu sehen. Mit Hilfe der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurden die Probleme unter Kontrolle gebracht. Die Inflation liegt bei neun Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit dreißig Jahren.

Doch kein Zweifel – das Land ist weiter auf Gelder des Westens, u.a. auf IWF-Kredite, angewiesen. Kritisch ist anzumerken: Die politische Stabilität ist bei weitem noch nicht auf westlichem Niveau. Und dennoch: IWF-Vertreter betonten zuletzt ausdrücklich die ökonomischen und politischen Fortschritte der Türkei.

Die Fachleute der WestLB rechnen damit, dass die türkische Notenbank Ende August den Zins für Tagesgeld um 200 Basispunkte senken wird – vorausgesetzt, die Türkei bringt eine neue Vereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds zu Stande. Die Finanzmärkte sollten bis dahin eine möglicherweise positive Entscheidung der EU über die Aufnahme von Beitrittsgesprächen vollständig eingepreist haben. Ein entsprechendes Votum des Rotterdamer EU-Gipfels im Dezember 2004 dürfte nach Ansicht der Experten für einen deutlichen Aufschwung sorgen.

Doch die Spezialisten der Bank sehen die Türkei nicht nur positiv. Die Märkte hätten die 2001er Krise noch nicht vollständig vergessen. „Obwohl sich die Schuldenquote der Türkei verbessert hat, ist sie nach wie vor sehr hoch“, heißt es. Es würden weiter Bedenken über den künftigen externen Finanzierungsbedarf bestehen. Die Regierung in Ankara schenke diesen Bedenken Aufmerksamkeit. „Wir gehen noch vor Beginn der Sommerpause Anfang August von einer entsprechenden Stellungnahme aus“, sagt Giancarlo Perasso von der WestLB.

Gute Chancen hinsichtlich einer weiteren Entspannung der Schuldenlage sieht Nick Eisinger, Analyst der Ratingagentur Fitch. Das Verhältnis der Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt dürfte 2004 zum dritten Mal in Folge fallen – und zwar auf drei bis vier Prozent, prognostiziert der Experte. Dies wäre ein großer Erfolg; denn noch im Jahr 2003 lag diese Quote bei mehr als zehn Prozent.

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