Emerging Marktes
Der Boom geht weiter

Mit Kapitalanlagen in den Emerging Marktes sind Investoren in den vergangenen fünf Jahren deutlich besser gefahren als mit Investments in den Industrieländern. Dieser Trend dürfte sich nach Meinung von Experten fortsetzen. Allerdings dürfte sich die Dynamik des Aufschwungs der Schwellenländer-Börsen abschwächen.

BERLIN. Es könne kein Zweifel daran bestehen, dass die US-Kreditkrise einen negativen Einfluss auf die Schwellenländer - allen voran die exportabhängigen Staaten Asiens - haben werde, sagten Experten bei einer Konferenz der Allianz-Tochter RCM. Allerdings hätten Asiens Schwellenländer durch den Boom vergangener Jahre hohe Leistungsbilanzüberschüsse angehäuft, so dass die erwartete Abschwächung nicht in einer neuen Emerging-Markets-Krise wie im Jahr 1998 münden werde.

Der Einfluss der globalen Kreditkrise werde das konjunkturelle Wachstum der Schwellenländer nicht ins Stocken bringen, sagt auch Patrice Lemonnier, Leiter des Bereichs Emerging Markets-Aktien bei Crédit Agricole Asset Management. Er begründet dies damit, dass diese Länder inzwischen stärker auf eigenen Beinen stehen und von der dynamisch wachsenden Binnennachfrage getrieben werden. Eine konjunkturelle Delle in Asien sei möglicherweise sogar willkommen, weil so die drohende Überhitzung vermieden werden könne, sagt RCM-Investmentstratege Raymond Chan.

Chan sieht die jüngste Kursabschwächung asiatischer Börsen als Korrektur inmitten eines längerfristigen Superzyklus?. Länder wie China, Indien, Korea leisten heute einen wesentlich größeren Beitrag zum Welt-Bruttoinlandsprodukt als jemals zuvor. Zudem sind die Staatsfinanzen gesünder als vor der 1998er Krise, wie nicht zuletzt gigantische Devisenreserven in dieser Region belegen. "Ungeachtet dessen ist Asien ex Japan mit einer Gewichtung von nur sieben Prozent im MSCI-Weltaktienindex sehr stark unterrepräsentiert", sagt Chan.

Es sei zu erwarten, dass Staatsfonds der ölreichen Staaten in den nächsten Jahren einen Teil ihres gigantischen Liquiditätsberges - der von derzeit 2,5 bis zum Jahr 2015 auf zehn bis 15 Billionen US-Dollar anwachsen dürfte - gerade auch in den Emerging Markets investieren dürften. Gleiches könne auch von den an Bedeutung gewinnenden asiatischen Pensionkassen erwartet werden. Dies dürfte zu einem starken Kursanstieg an den dortigen Aktienbörsen führen, sagt Mark Konyn, Vorstandsvorsitzender der Allianz-Tochter RCM.

Die asiatischen Länder mit der niedrigsten Börsenbewertung seien Südkorea und Thailand, sagt RCM-Portfolio-Manager Ronald Chan. Dort liege das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2008 und 2009 bei 9,1 und 8,4 sowie 10,3 und 9,7. Zum Vergleich: Das 2008er KGV des MSCI-Emerging Markets-Gesamtindex liegt derzeit bei rund 13. Die Börsen der Schwellenländer Asiens weisen ein durchschnittliches KGV von 11,8 auf.

Wer auf die Emerging Markets blicke, müsse heute "Themen-Investor" sein, sagt Patrice Lemonnier von Crédit Agricole. Anleger sollten gezielt in Aktien von Unternehmen investieren, die von der zunehmenden Binnennachfrage profitieren. "Der private Konsum in den Schwellenländern wird in den nächsten Jahren boomen", sagt er. Dies werde jenen Unternehmen Chancen bieten, die im Ausbau der noch immer unterentwickelten Infrastruktur aktiv seien. Als treibende Kraft erweise sich auch die zunehmende Urbanisierung dieser Staaten, die Investmentchancen im Bereich Konsumgüter, Freizeit, Energieversorgung und im Beherbergungsgewerbe biete.

Ungeachtet aller Fortschritte bei der Professionalisierung der Finanzmärkte in Asien und anderen Schwellenländern sollten jedoch Schwächen dieser Märkte nicht übersehen werden, warnt der bei Threadneedle für Emerging Markets zuständige Fondsmanager Julian Adams im Handelsblatt-Gespräch. Auch Raymond Chan weist darauf hin, dass gerade im Hinblick auf das Melde- und Informationswesen auf Seiten der Unternehmen und der Börsen noch erhebliche Defizite zu beseitigen seien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%