Emirat in Zahlungsnöten
„Dubai bleibt nicht auf der Strecke“

Die Nachrichten aus Dubai halten die weltweiten Finanzmärkte in Atem. Die arabischen Börsen brechen ein, eine Immobilienblase könnte platzen und tausende Jobs stehen auf dem Spiel. Die Einwohner des Glitzerstaats kümmert die Krise wenig. Ihre Devise: „Das Leben geht weiter“.
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DUBAI. Geht Dubai unter? Mohammed nippt an seinem Latte Macchiato und lächelt. „Ich weiß, die Welt läutet schon das Totenglöcklein für das Emirat. Auch meine Frau ruft mich jeden Tag von London an und fragt, ob ich hier bald meine Zelte abbreche. Aber Dubai bleibt nicht auf der Strecke!“ Mohammed, ein Brite somalischen Ursprungs, sitzt am Mittwochvormittag im „Café Bert’s“ im Dubaier Stadtteil Greens.

Sein Blick schweift auf Palmen und einen kleinen künstlichen See. Es ist der Nationalfeiertag der Vereinigten Arabischen Emirate, fast alle haben frei. Mohammed, dessen Familie in England lebt, arbeitet als Bauingenieur. Das Platzen der Immobilien-Blase bekam der 35-Jährige am eigenen Leib zu spüren. Die zahlungsunfähige Entwicklungsgesellschaft Nakheel hatte ihn im April entlassen. „Aber zwei Monate später ergatterte ich einen neuen Job“, sagt er.

Von der wilden Achterbahnfahrt, die die weltweiten Börsen wegen Dubais Zahlungs-Engpass hingelegt haben, ist in der Glitzer-Metropole nichts zu spüren. Die Straßen sind mit Flaggen in den Nationalfarben Schwarz, Weiß, Grün und Rot geschmückt. Die sieben Vereinigten Arabischen Emirate, die sich am 2. Dezember 1971 zu einem Gesamt-Staat zusammenschlossen, feiern ihren 38. Geburtstag. Das Öl-Imperium Abu Dhabi und das einstige Bau-Mekka Dubai sind die größten Emirate. Gerade jetzt, wo die internationale Wirtschaftspresse Dubais 80 Milliarden Dollar schwere Schulden-Lawine geißelt, herrscht Party-Stimmung. Viele Autos haben Fähnchen angesteckt.

Auch von oben stehen die Zeichen ganz auf Harmonie. Keine Spur von Rivalität zwischen den reichen, aber konservativen Vettern aus Abu Dhabi und den Zirkusakrobaten aus Dubai, die die Welt mit ihren Mega-Projekten jahrelang in Atem hielten. Und kein Wort über das Pleite-Gespenst, das Dubai nun in die Arme der wohlhabenden Verwandtschaft treibt. Stattdessen sind staatstragende Töne, Stolz und Selbstbewusstsein angesagt. „Die globale Finanzkrise wird weder ein Grund für Zögern oder Rückzug sein noch eine Rechtfertigung für Verzweiflung oder Passivität“, erklärt Scheich Khalifa, Präsident der Emirate und Scheich von Abu Dhabi, salbungsvoll. „Unsere Wirtschaft steht auf der weltweiten Skala ganz oben, weil sie wegen ihrer Diversifizierung mächtig und stabil ist“, sekundiert Scheich Mohammed, Ministerpräsident der Emirate und Herrscher von Dubai.

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