Emissionsrechte
CO2-Handel floriert

Die Zahl der Emissionsbörsen ist immer weiter gestiegen. Auch die Banken steigen zunehmend in das Geschäft mit Emissionsrechten ein, weil sich ihre Klientel mit dieser Thematik beschäftigen.

FRANKFURT. Der Handel mit Emissionsrechten erlebt weltweit einen kräftigen Aufschwung. Grund: Die Zahl der aktiven Börsen ist immer weiter gestiegen, so dass sich immer neue Akteure auf diesem Zukunftsgebiet der Ökologie bewegen. Auch die Banken stecken inzwischen ihre Positionen im Emissionshandel ab, weil sich ihre Klientel – zum einen die Firmenkunden und zum anderen die Kapitalanleger – mit dieser Thematik beschäftigen.

Der wesentliche Grund für die rund um das Thema Klimawandel zu beobachtende neue Gründerwelle ist darin zu sehen, dass sich führende Industrienationen im Kyoto-Protokoll völkerrechtlich verbindlich verpflichtet haben, ihren Ausstoß von schädlichem Kohlendioxid (CO2) in den nächsten Jahren drastisch zu reduzieren. Die Unternehmen der Wirtschaft steuern ihre Rechte und Pflichten auf diesem politisch gewollten Markt durch den Kauf oder Verkauf von CO2-Emissionsrechten.

Dies hat nicht nur zur Schaffung eigener Emissionsbörsen, sondern auch zur Gründung spezialisierter Beratungsunternehmen geführt, die ihren Kunden ganzheitliche Lösungsansätze für das Risikomanagement nicht nur im CO2-Emissionshandel, sondern auch in den verwandten Bereichen Energiehandel und Wetterderivate anbieten.

Eine dominierende Position unter den Emissionsbörsen hat sich die European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam gesichert. In den ersten acht Monaten des Jahres wurden an dieser Klimabörse 257 Mill. Tonnen CO2-Emissionsrechte gehandelt. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden von April – dem Gründungsmonat der Börse – bis Dezember rund 95 Mill. Tonnen gehandelt. „Wir haben einen globalen Anteil von rund 80 Prozent“, sagt ECX-Chairman Richard Sandor im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sandor hat als „Erfinder der Financial Futures“ vor rund dreißig Jahren wegweisende Arbeit bei der Entwicklung des globalen Handels mit Finanzderivaten geleistet.

Durch die Gründung der Chicago Climate Exchange (CCX), anderer Klimabörsen in Nordamerika und der ECX bringt er dieses Fachwissen in die Entwicklung des globalen Handels mit Emissionsrechten ein. „Wir wollen zum weltweit führenden Markennamen im Emissionshandel werden“, steckt Sandor die ehrgeizigen Ziele seiner Börsengruppe ab. Solche Ziele scheint man bei Goldman Sachs gerne zu hören, denn die US-Investmentbank hat kürzlich eine nicht unerhebliche Beteiligung an der in London börsennotierten Muttergesellschaft der ECX, der Climate Exchange plc, erworben.

Mit weitem Abstand hinter der ECX und deren Tochterbörse CCX folgen die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und die skandinavische Energiebörse Nordpool, die ebenfalls mit steigenden Umsätzen aufwarten können. In Europa managen immer mehr Industrieunternehmen ihre im Emissionsgeschäft existierenden finanziellen Risiken. Die Transaktionen werden sowohl im Freiverkehr (OTC) als auch an speziellen Energie- und Emissionsbörsen abgeschlossen. Hier boomt das Geschäft, weil immer mehr Banken und Finanzdienstleister das riesige Potenzial erkennen.

Deutsche Banken wie die Dresdner Bank, die Deutsche Bank und die BayernLB haben bereits vor geraumer Zeit bei der Umsetzung des Emissionshandels eine Führungsrolle übernommen. Vor allem die Dresdner Bank hatte die Idee sehr frühzeitig unterstützt. Jetzt gehen die beiden französischen Unternehmen Société Générale und Rhodia auf diesem Gebiet gemeinsame Wege. Sie haben mit Orbeo ein Joint-Venture ins Leben gerufen, das die Kompetenzen einer Bank und eines Industrieunternehmens im Handel und in der Bereitstellung von Emissionsrechten bündelt. Man strebe eine „optimale Vermarktung von Emissionsrechten“ an, sagt Orbeo-Präsident Philippe Rosler.

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