Emmerich Müller
„Wir können nicht länger über unsere Verhältnisse leben“

Das ständige Schuldenmachen geht so nicht mehr weiter, sagt Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Privatbankier, warum die Deutschen um ihren Wohlstand fürchten müssen.
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Handelsblatt: Herr Müller, erst sind die Banken ins Wanken geraten, jetzt sitzen die Staaten auf hohen Schuldenbergen. Wie hat die Finanzkrise die Welt verändert? 

Müller: Die Finanzkrise hat nur eine Entwicklung beschleunigt, die uns früher oder später ohnehin eingeholt hätte. In Wahrheit haben wir viel zu lange über unsere Verhältnisse gelebt. Wir haben geglaubt, dass es immer weiter aufwärts gehen würde. Aber das war ein Trugschluss. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem klar wird, dass es so nicht mehr weiter geht. Die Finanzkrise ist nicht der Auslöser, aber gewissermaßen ein Kristallisationspunkt.

Wie ist es so weit gekommen?

Wir haben dem Staat über Jahrzehnte alles aufgebürdet, wir haben ihm immer mehr Aufgaben übertragen und haben ihn damit überfordert. Auch vor der Finanzkrise lag unsere Staatsverschuldung schon bei 1,7 Billionen Euro, jetzt sind es zwei Billionen. Dabei sind noch nicht einmal die zukünftigen Verpflichtungen eingerechnet, etwa für die Pensionen von Beamten. 

Wie soll Deutschland seine Schulden zurückzahlen? 

Wir werden nicht alle Versprechen und auch nicht alle Verbindlichkeiten real erfüllen können.

Was Sie so gelassen aussprechen, klingt nach Staatspleite. 

Staatspleite würde ich das nicht nennen und wir reden hier nicht über den Weltuntergang. In der Geschichte ist es immer wieder vorgekommen, dass Staaten nicht alle Verbindlichkeiten real erfüllt haben, es war sogar eher die Regel. Mit Ausnahme der USA ist fast jeder Staat schon einmal pleite gewesen. Am Ende wird es darauf ankommen, wer für den Schaden aufkommt.

Wer wird das sein? 

Es trifft letztlich immer die Bürger. Der Staat muss Leistungen kürzen. Es wird schmerzliche Einschnitte in den Sozialstaat geben. Manche Dinge spüren die Menschen jetzt schon unmittelbar; andere – wie die Rente mit 67 – kommen erst in der Zukunft auf sie zu. Über die längere Lebensarbeitszeit wird im Moment wenig gesprochen, aus volkswirtschaftlicher Sicht wird sie aber einen enorm wichtigen Effekt haben. Was die Menschen auch erst nach und nach spüren werden, ist die schleichende Enteignung durch Geldentwertung. 

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"Es kann nicht immer nur aufwärts gehen"

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  • @ Petra :

    Keinesfalls! Diese Leute eignen sich Einkommen an, das sie anderen mehrheitlich vorenthalten, entziehen oder durch Manipulationen an sich bringen. Keine(r), der/die mehr als 10000 Euro Brutto Einkommen im Monat bezieht oder erzielt, tut dies durch seine alleinige Arbeit, sondern durch Ausnutzung für ihn günstiger Umstände, die gleichzeitig für andere im gleichen Maß äußerst ungünstig sind. Asozial ist, wer zum eigenen Vorteil und Gewinn anderen die Lebensgrundlagen in einer Weise schmälert oder zu deren Nachteil strukturiert, daß die Betroffenen nicht für den eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Angehörigen sorgen können, weil sie nicht angemessen entlohnt werden. Asozial ist es, deutsche Steuerzahler für griechische, irische, portugiesische oder französische, luxemburgische Unternehmens- oder Staatsschulden oder für privatunternehmerische Risiken deutscher Unternehmen zur Kasse zu bitten.

  • @Markus - Danke - Sehe ich genauso. Und - wie groß wird das Geschrei erst sein, wenn der Goldpreis abstürzt... Dass das passieren wird, liegt auf der Hand. Allein, wann - das weiß niemand zu prognostizieren. Aber den Kommentaren nach zu urteilen, wird der damit einhergehende Vermögensverlust offenbar nicht wenige hart treffen. Wahrscheinlich ist dann wieder Fr. Merkel daran schuld...

  • Bevor Sie hier neoliberale Propaganda weiterverbreiten, sollten Sie sich vielleicht besser informieren. Tatsächlich ist der Beitrag der großen Einkommen und Vermögen hier in Deutschland am gesamten Steueraufkommen vergleichsweise sehr gering!

    Übrigens, ich selbst zahle tatsächlich den Spitzensteuersatz, habe mein Geld weder ererbt noch erheiratet, sondern immer hart dafür gearbeitet.

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