Erz
Uranpreis fällt kräftig

Investoren, die auf einen weiteren Anstieg der Uranpreise gesetzt haben, sind bitter enttäuscht worden. Das Erz kostet nur noch halb so viel wie im Juni 2007 – Experten korrigieren ihre Prognosen rigoros nach unten. Unterdessen soll eine Entspannung des Marktes erst im Jahr 2012 eintreten.

KAPSTADT. Nachdem der Preis für ein halbes Kilo Uran noch im Juni 2007 in Erwartung eines hohen Marktdefizits auf das Rekordhoch von 138 Dollar geschnellt war, ist der Preis des nuklearen Brennstoffs seither spektakulär abgestürzt. Anfang Mai kostete ein halbes Kilo Uran nur noch 65 Dollar, nur noch halb so viel wie vor zwölf Monaten. Zeitgleich fielen auch die Kurse der Uran-Förderer. Im Durchschnitt liegen sie rund 60 Prozent unter den Allzeithochs vom Juni letzten Jahres.

Die Trendwende ist nach Angaben des in London ansässigen Wertpapierhauses Fairfax inzwischen derart scharf, dass viele Marktteilnehmer in Erwartung eines möglichen Uran-Überangebots kaum noch Geschäftsabschlüsse tätigen. Allerdings wies Fairfax auch darauf hin, das sich die Lage am Markt wegen der starken Fluktuationen bei Uran schnell in ihr Gegenteil verkehren könne. Ein Grund dafür ist, dass der Uranpreis als Indikator für fundamentale Marktveränderungen nicht aussagekräftig ist, weil der aktuelle Preis nur knapp 20 Prozent des gehandelten Urans erfasst. Der große Rest entfällt auf langfristige Lieferverträge, deren Preis nur selten mit der Marktentwicklung korreliert und für gewöhnlich höher liegt.

Die zuvor optimistischen Preisprognosen für Uran werden inzwischen rigoros nach unten korrigiert. Erst Ende letzten Monats prophezeite die Rohstoffabteilung von Macquarie einen durchschnittlichen Preis von 65 Dollar für dieses Jahr und von 60 Dollar für das kommende Jahr. Damit liegen die Prognosen der australischen Investmentbank beträchtlich unter ihren früheren Vorhersagen von fast 90 Dollar für 2008 und 82 Dollar für das kommende Jahr.

Die Macquarie-Experten rechnen allerdings damit, dass die Marktlage bis zum Jahr 2012 angespannt bleiben wird. Denn dann werde Uran für Atomreaktoren bestellt, die zwischen 2013 und 2016 ans Netz gehen sollen. Die südafrikanische Investmentbank Investec ist zumindest langfristig ebenfalls positiv für den Uran-Markt gestimmt, auch wenn ihre Experten das Umfeld selbst auf dem aktuellen Niveau noch immer als überhitzt bezeichnen.

Die Skepsis der Experten ist verständlich, denn es drängt immer mehr Material auf den Markt. Auf der einen Seite haben nun die ersten Uran–Minen wie der Lange Heinrich in Namibia ihre Förderung aufgenommen oder die Erweiterungen von Minen greifen. Ein Beispiel dafür ist die Rössing-Mine, die weltweit größte Uran-Mine, die ebenfalls in Namibia liegt. Zudem war immer schon klar, dass Uran anders als Erdöl reichlich vorhanden ist. Die akuten Lieferengpässe der vergangenen drei Jahre beruhten primär darauf, dass wegen der aus der Mode gekommenen Kernenergie jahrelang kaum neue Vorkommen erschlossen worden waren.

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