Eugen Weinberg im Interview
„Der Goldpreis wird weiter steigen“

Gold kostet wieder so viel wie vor zwölf Monaten, dazwischen gab es heftige Schwankungen. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank erklärt, wie es weitergeht mit dem Preis für das Edelmetall.
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WirtschaftsWoche Online: In der vorigen Woche war der Goldpreis kurzfristig eingebrochen. Was war passiert?

Eugen Weinberg: Es war wahrscheinlich keine falsche Order, sondern vermutlich sogar vorbereitet. Vor dem Einbruch wurden hohe Volumina an Put-Optionen gehandelt – mit denen Spekulanten auf einen fallenden Goldpreis setzen. Sie wurden im großen Stil gekauft und am gleichen Tag mit erheblichen Gewinnen wieder verkauft. Aber es gab auch allen Grund dazu, denn die Diskussion um die Fiskalklippe in den USA schien beendet. Das hätte zu einem Rückgang der Goldnachfrage geführt, die ja sonst mit wachsender Unsicherheit zunimmt. Aber genau werden wir das wohl nie erfahren, das ist überwiegend Spekulation. Der Einbruch beim Goldpreis war jedenfalls nicht fundamental, sondern technisch begründet.

Die Goldnachfrage ist ja auch robust. Vor allem die börsennotierten Goldfonds, kurz Gold-ETCs oder –ETFs genannt,  verzeichnen Rekordbestände. Wie kommt das?

Die Zunahme ist tatsächlich auffällig. Die ETCs haben in letzter Zeit große Zuflüsse verzeichnet und halten inzwischen mehr als 2600 Tonnen Gold. Das ist mehr, als die meisten Zentralbanken der Welt besitzen – mit Ausnahme der Bundesbank und der US-Notenbank Fed. Damit sind die Goldfonds eine ernstzunehmende Komponente im Markt. Schließlich müssen die ETC-Anbieter tatsächlich physisches Gold kaufen und hinterlegen.

Welche Investoren sind es denn, die die hohe Nachfrage bei ETCs ausgelöst haben?

ETCs sind für alle möglichen Investoren ein tolles Vehikel. Als Bank, Versicherung oder Pensionskasse kaufen sie ihr Gold nicht beim Händler. Auch an der Börse geht das nicht ohne Know-how und die entsprechende Lizenz. Gold-ETCs oder börsennotierte Goldfonds werden gekauft, weil es das einfachste für die Investoren ist. Sie müssen nicht auf Goldgewichte oder Zölle achten und können jederzeit wieder verkaufen. Das kann man mit einer Tonne Gold beim Händler an der Ecke kaum riskieren.

Auch Zentralbanken haben große Mengen Gold gekauft. Wenn die Nachfrage so hoch ist, müsste der Goldpreis doch eigentlich deutlich höher liegen.

Nicht unbedingt. Zum einen bilden sich die Preise für Gold nicht nur am physischen, sondern auch am Terminmarkt. Dort haben sich die Investoren eher zurückgezogen. Zum anderen ist die Schmucknachfrage im vergangenen Quartal sehr schwach gewesen. Das zeigen die Daten des World Gold Council. Offenbar hat hier die Nachfrage unter den hohen Preisen gelitten. Aber wir gehen langfristig davon aus, dass die Schmucknachfrage und die Höhe der Minenproduktion keine so große Rolle spielen. Vor allem die Nachfrage der Anleger wird die Preise beeinflussen. Gold entwickelt sich immer weniger wie ein Rohstoff und immer mehr wie ein Investment. Ähnlich wie Öl oder der Euro: Beides ist nicht knapp, ihre Preise können aber gegenüber anderen Anlagen durchaus steigen.

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  • nhalt des Bretton-Woods-Vertrages

    Bestandteil des Bretton-Woods-Abkommens wurde der „White Plan“. In dessen Kern stand die US-Währung, zu der alle anderen Währungen ein fixes Wechselverhältnis hatten. Des Weiteren wurde das Tauschverhältnis zwischen Dollar und einer Unze Gold festgelegt. Dieser Kurs belief sich auf 35 Dollar je Unze Feingold, dabei entsprach eine Unze 31,104 Gramm Gold. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die Federal Reserve Bank of New York (FED), die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, diese durch Goldkäufe beziehungsweise -verkäufe zu sichern, das heißt den Dollar zu dem Kurs (35 Dollar je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen. Durch die Orientierung der Währungskurse am US-Dollar konnte der Goldpreis für einen längeren Zeitraum festgelegt werden. Mit dem System war die FED verpflichtet, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum vereinbarten Kurs in Gold umzutauschen.

  • Physisches Gold bedeutet Sicherheit und Werterhalt.
    In einem Artikel fand ich hierzu folgenden Absatz:

    "1948 erhielten alle Bundesbürger nach der Währungsreform lediglich 60 DM Startgeld – Sparguthaben wurden mit einem Kurs von 100 : 6,5 getauscht und die 60 DM Startgeld auf den Umtauschbetrag angerechnet. Wer aus der Zeit des Deutschen Reiches noch Sparguthaben in Höhe von 2000 Reichsmark besaß, verfügte nach der Währungsreform nur noch über rund 130 DM.

    Wer aus der Zeit des Deutschen Reiches noch 2000 Goldmark in Form physischen Bargeldbestandes besaß, verfügte damit über 23 Unzen Gold. Die waren nach der Währungsreform 1948 810 US-Dollar oder 3390 DM wert. Goldbesitzer stellten sich somit bei der Währungsreform 1948, bei der Sparer einen Großteil ihrer in Bankguthaben gehaltenen Ersparnisse verloren, um etwa den Faktor 10,5 besser. Sie verfügten nach der Währungsreform über ein bedeutend größeres Kapitalpolster, mit dem sich eine neue Existenz aufbauen ließ."

  • und der faire Wert vom Dollar liegt wo?
    Zur Erinnerung:
    Vom Dollar von 1913 -Machtübernahme durch die FED-
    sind heute noch 3 Cent Kaufkraft übrig.
    Was sind da 20 Dollar z.Z. der Währungsreform für ein Vergleich?
    Kapieren Sie, wo der Betrug liegt?

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