Euro-Anleihen aus Mittel- und Osteuropa bieten kaum noch Zinsvorteil: Nur noch riskante Bonds sind verlockend

Euro-Anleihen aus Mittel- und Osteuropa bieten kaum noch Zinsvorteil
Nur noch riskante Bonds sind verlockend

An den Anleihemärkten der neuen Mitglieder der Europäischen Union (EU) ist die Party weitgehend vorbei. Das gilt zumindest für die Bonds, die auf Euro oder US-Dollar lauten. Professionelle Investoren weichen deshalb jetzt auf andere Anleihen in Mittel- und Osteuropa aus oder greifen zu Bonds in lokalen Währungen. Diese Strategien sind aber riskant.

HB FRANKFURT/M. Seit Herbst 2002 sind Anleihen weltweit en vogue. Die Anleihekurse stiegen rasant. Das trieb die Renditen, die sich bei festverzinslichen Wertpapieren gegenläufig zum Kurs entwickeln, auf historisch niedrige Stände. Zu Anleihen aus Mittel- und Osteuropa griffen die Investoren gerne, weil deren Bonds bei überschaubarem Risiko lange Zeit noch erhebliche höhere Renditen als Staatsanleihen der Industrienationen boten.

Heute werfen Bonds aus Polen, Ungarn oder Tschechien aber nur noch zwischen 0,15 und 0,20 Prozentpunkte mehr Rendite als zum Beispiel deutsche Bundesanleihen ab. „Es ist sehr schwer, unter den neuen EU-Mitgliedern noch attraktive Anleihen zu finden“, sagt Torsten Hähn, Analyst für Schwellenländer-Anleihen bei der WGZ-Bank in Düsseldorf. Auch Ronald Schneider, Fondsmanager für osteuropäische Renten bei der österreichischen Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management, meint, dass sich für Privatanleger ein Engagement in Bonds der neuen EU-Mitglieder kaum noch auszahlt.

Lohnender sind da schon Anleihen aus Bulgarien, Kroatien und Rumänien, also Bonds von Ländern, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen EU-Beitritt in den nächsten zwei bis drei Jahren machen. Diese Bonds haben sich zwar auch schon gut entwickelt, bieten aber noch zwischen 0,40 und 0,65 Prozentpunkten mehr Rendite als Bundesanleihen. Fondsmanager Schneider geht davon aus, dass sich die Anleihen dieser Länder auf absehbare Zeit so entwickeln werden, wie die der neuen EU-Mitglieder, die Renditedifferenz zu EU-Staatsanleihen also weiter sinken wird. Außerdem erwartet er, dass Rumänien und Bulgarien bald von den Ratingagenturen heraufgestuft werden. Noch wird Bulgarien von Moody’s im Bereich „Non-Investment-Grade“, also als eher schwacher Schuldner eingestuft (s. „Was Bonitätsnoten über Anlagerisiken aussagen“). Dabei hat Bulgarien bei Moody’s einen positiven Ratingausblick. Rumänische Bonds sehen S&P und Moody’s als spekulative Anlagen; S&P vergab am Dienstag aber einen positiven Ratingausblick.

Rumänische Anleihen bieten höhere Renditen als Bonds aus Bulgarien oder Kroatien. Experten halten rumänische Euro-Anleihen deshalb für interessant. Außerdem sind nach Ansicht der DZ Bank die Verschuldungskennziffern Rumäniens besser als die von anderen Emittenten mit vergleichbaren Ratings.

Mehr Rendite nur mit höheren Risiken

Wer noch mehr Rendite will, muss auch höhere Risiken eingehen. So rentiert eine in neun Jahren fällige türkische Euro-Anleihe mit 5,50 Prozent. Experten streiten sich allerdings darüber, wie viel „EU-Beitrittsphantasie“ schon einkalkuliert ist. Von der wirtschaftlichen Lage her kämpft das Land noch mit hoher Verschuldung und hoher Inflation. Die Ratingagenturen bewerten die Bonität der Türkei nicht besser als die Brasiliens.

Noch teils etwas schlechtere Ratings als die Türkei hat die Ukraine. Dafür bietet das Land für eine schon in zwei Jahren fällige Euro-Anleihe aber auch immerhin rund 6,30 Prozent Rendite und damit deutlich mehr als die Türkei für eine neunjährige Laufzeit. Die absehbare Fälligkeit mache das Risiko des ukrainischen Bonds trotz der noch bestehenden politischen Risiken überschaubar, meint Hähn von der WGZ-Bank. Die DZ Bank hebt zudem hervor, dass sich die Verschuldung des Landes dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung deutlich verringert habe. Wirtschaftlich profitiert die Ukraine vor allem von den hohen Stahlpreisen.

Professionelle Investoren haben indes nicht nur die auf Euro lautenden Anleihen der mittel- und osteuropäischen Länder im Blick. Gerade bei den neuen EU-Mitgliedern setzen die Profis verstärkt auf Bonds in lokalen Währungen. Denn Anleihen zum Beispiel in polnischen Zloty oder ungarischen Forint bieten deutlich höhere Renditen als Euro-Anleihen. Das liegt daran, dass die Leitzinsen und die Inflationsraten der neuen EU-Mitglieder zum Teil deutlich höher sind als in der Euro-Zone.

Zu den Favoriten der Profis gehören Anleihen in polnischen Zloty. Schneider von Raiffeisen Capital Management hebt besonders hervor, dass das deutliche Produktivitätswachstum in Polen auch die polnische Währung stabil halten sollte. In Ungarn sehe die Lage dagegen schlechter aus, was beim Forint eher zu Abwertungsdruck führen könnte. In Tschechien sieht Schneider zwar Phantasie für eine festere Währung, aber: „Die Leitzinsen in Tschechien sind schon sehr niedrig, so dass es von daher für die Bonds in tschechischen Kronen nur wenig Potenzial gibt.“

Für Privatanleger halten Experten das Risiko bei Bonds in lokalen Währungen aber für zu groß. „Anleger lassen sich mit Bonds der mittel- und osteuropäischen Ländern in deren heimischen Währungen auf ein riskantes Spiel ein“, sagt Analyst Hähn von der WGZ-Bank. „Wenn die jeweilige Währung abwertet, sind die Renditevorteile schnell dahin.“

Die Anleihen seien von daher schon gar nichts für Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten wollten. Dafür seien die Wechselkursschwankungen zu groß und auf längere Zeit nicht gut zu kalkulieren.

Kurshoch: Die Anleihekurse sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren weltweit so stark gestiegen, dass die sich gegenläufig entwickelnden Renditen nahe ihren historischen Tiefständen liegen. Schon allein deshalb halten Experten Kursverluste für möglich.

Liquidität: Viele Länder aus Mittel- und Osteuropa haben nur wenige Anleihen auf dem Markt, die auf Euro lauten. Außerdem sind die Bonds oft von geringem Volumen. Daher kann es schwierig sein, die Anleihen zu bekommen oder zu verkaufen. Generell sind bei wenig liquiden Anleihen zudem die Spannen zwischen An- und Verkaufskursen relativ hoch.

Wechselkurse: Anleihen der mittel- und osteuropäischen Länder in lokalen Währungen locken noch mit hohen Renditen. Dafür ist aber das Wechselkursrisiko groß. Außerdem müssen Anleger bei diesen Bonds mit höheren Gebühren rechnen als bei Bonds, die auf Euro lauten. Darüber hinaus können die Mindestanlagesummen hoch sein.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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