Euro-Krise

„Kostolanys Schlaftabletten funktionieren nicht mehr“

Wer bislang konservativ und bescheiden gespart hat, muss angesichts niedriger Zinsen und hoher Inflationsrisiken um seine Ersparnisse fürchten. Aber was tun? Experten empfehlen einen radikalen Strategieschwenk.
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Wer sein Depot auf Niedrigzins-Level herumdümpeln lässt, sollte sich über Inflationsrisiken nicht wundern. Quelle: dpa

Wer sein Depot auf Niedrigzins-Level herumdümpeln lässt, sollte sich über Inflationsrisiken nicht wundern.

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Fürth/MönchengladbachDie Lage an den Finanzmärkten hat sich innerhalb weniger Wochen deutlich entspannt. Die Schwankungen an den Aktienbörsen sind zurückgegangen, die Kurse gestiegen. Zugleich sinken die Risikoaufschläge für Anleihen der europäischen Krisenstaaten - was zeigt, dass die Furcht vor möglichen Solvenzproblemen Portugals, Spaniens oder gar Italiens spürbar nachlässt. Zu verdanken haben Investoren das in erster Linie immer neuen Stützungsmaßnahmen der Notenbanken.

"Wir erleben an den Börsen eine Liquiditätsschwemme, die die Aktienmärkte und andere Vermögensklassen wahrlich in den Himmel treibt", sagte der Moderator des Abends, der aus New York angereiste Börsenexperte Markus Koch. "Doch es bleiben große Fragezeichen: Was ist mit Inflationsgefahren? Sorgt die europäische Schuldenkrise weiter für Nervosität an den Märkten? Und was macht man als Anleger in den Zeiten solcher Unsicherheit?"

Antworten auf diese Fragen und Orientierung für die Geldanlage lieferten drei Experten bei den Finanzmarktforen von Deutsche Bank und Handelsblatt in Fürth und Mönchengladbach. Rund 1.000 Interessierte nutzten auf den Veranstaltungen in der Stadthalle Fürth und der "Borussia-Arena" in Mönchengladbach die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren.

Manche Detailfrage diskutierten die Experten im Laufe des Abends kontrovers. Doch in zwei entscheidenden Punkten herrschte Konsens. Erstens: Die Katastrophenszenarien der Schwarzmaler sind fehl am Platz - die gegenwärtige Schuldenkrise in Europa wird gelöst werden. Zweitens: Für Anleger besteht trotz - oder gerade - wegen dieser grundsätzlich optimistischen Einschätzung dringend Handlungsbedarf. "Mit vermeintlich sicheren Anlagen wie beispielsweise Bundesanleihen ist kein realer Kapitalerhalt mehr möglich", warnte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Schuld sei das extrem niedrige Zinsniveau, das unterhalb der Teuerungsrate liegt. "Wer sein Vermögen real erhalten will, muss daher künftig Risiken eingehen", stimmte Oliver Plein zu, Anlageexperte bei der Fondsgesellschaft DWS. "Die Aktie erlebt eine Renaissance, weil es kaum Alternativen gibt."

"Allerdings sind wir noch nicht über dem Berg", sagte Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatts. Risiken existierten an vielen Stellen im globalen Wirtschaftsgefüge. Deswegen sei es in diesen Tagen leicht, ein Pessimist zu sein. Aber Steingart hofft: Europa werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. "Wir erleben die Geburt der Vereinigten Staaten von Europa." Im Kreißsaal der Geschichte gehe es mitunter archaisch zu. Auch das Baby Europa sei nicht schön anzusehen. Es brauche Zeit, Fürsorge und Erziehung - bis Europa seine Defizite in der Demokratie, in der Wettbewerbskraft und nicht zuletzt in der Schuldendisziplin abgebaut habe.

Stephan ist ebenfalls zuversichtlich: "Europa zeigt, dass es Probleme lösen kann" - zuletzt durch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), man werde ein Auseinanderbrechen des Euros um jeden Preis verhindern, und den Plan, unbegrenzt Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen. Die Investoren fassten bereits wieder Vertrauen: "Geld kehrt zurück aus Amerika nach Europa", sagte der Deutsche-Bank-Experte.

EZB muss Fehler der Politik ausbügeln
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11 Kommentare zu "Euro-Krise: „Kostolanys Schlaftabletten funktionieren nicht mehr“"

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  • Man dehnt das alles aus bis das angreifende Amerikanische Banken Kartell den groesstmoeglichen Nutzen aus der Situation ziehen kann.

    Deren Leute wird man dann auch unantastbar im ESM haben, von wo aus sie Europa wie eine Marionette steuern koennen.

  • Die momentane Situation heißt "Anlagenotstand" und "finanzielle Repression". D.h. nahezu alle Anlageklassen sind tot und der Staat hat bereits mit der kalten Enteignung der Sparer begonnen (0%Zinsniveau, Besteuerung, Kapitalverkehrskontrollen). Dazu wird noch nicht einmal Inflation benötigt.
    Es gibt nur zwei Strategien: Nr.1 für die Pessimisten - Umtausch aller Vermögensgegenstände in Edelmetalle (Anlagemünzen, kleine Barren). Nach der Währungsreform langsamer Aufbau eines diversifizierten Portfolios.
    Strategie2 - für aktive Anleger: hohe Cashbestände, Aktien und Zertifikate kaufen, solange die Kurse weiter steigen! Bei den ersten Instabilitätsanzeichen alles in Gold tauschen und im Garten verbuddeln.
    Denn eines ist sicher: Keine der Assetklassen wird den Crash und die Währungsreform unbeschadet überstehen! Da nutzt auch die größte Diversifikation nichts. Was nicht über Kursverfall und Preisverfall vernichtet wird, holt sich der Staat über repressive Steuern (Immobilien!!!). Natürlich wird auch der Goldhandel irgendwann verboten. Das Szenario lautet:
    1) Kalte Enteignung über 0%-Zinspolitik und Teuerungsrate
    2) Massive Steuererhöhungen (ab 01.01.2014)
    3) Restrektive Kapitalverkehrskontrollen (Goldverbot, ausländische Währungen)
    Wir werden es alle erleben. Es dauert nicht mehr lange ...

  • Repariert wird gar nichts! Die Auswirkungen grundlegender Konstruktionsfehler werden nur auf der Zeitachse verschoben. Warten Sie mal den Zeitpunkt ab, wenn F. Hollandes Denkfehler mit voller Wucht zu Tage treten. Und dieser ist viel näher als sie wahrscheinlich denken.

  • Franz Freiheit sagt: Wir feiern heute die Wiedervereinigung Deutschlands unter der Hymne von Eingkeit und Recht und Freiheit. Nichts dergleichen finden wir im Bauch von Mutter EUROPA, ganz gleich, was sie im Schreissal als Baby ausstoßen wird. Nur weil deutsche Beliebigkeitspolitiker glauben, die Vereinigten Staaten von Europa bieten den Ausweg aus importierten Finanzkrisen, bedeutet das noch lange nicht, dass die stolzen und selbstverliebten Politiker der übrigen derzeit 26 Nationalstaaten ebenso zur Selbstaufgabe bereit sind. Wann in der Geschichte hat es denn solch eine selbstlose Staatsgründungsaktion gegeben. Nur Phantasten glauben, die Zeit sei reif für eine einiges, freies und rechtssicheres Europa. Nein VSE ist eher ein Synonym für VABANQUE SHAPING EKNOIA: Was das ist? Letztlich der Verlust dessen was wir feiern: Einigkeit und Recht und Freiheit! Ist das - Nichtschön, oder?

  • Aber @Stubi,

    das kann Herr Steingart doch so sehen.

    Immerhin ist das Handelsblatt keine linke A..l...-Postille sondern eine seriöse Wirtschafts-Publikation.

    Auch der Chef-Redakteur kann eine eigene Meinung haben.

    Und natürlich hat er recht damit, daß nach einem Reset wieder alles aufwärts gehen wird.

    Ich kann das beurteilen, denn ich habe den Wiederaufstieg der Deutschen hautnah selbst erlebt.

    40 DM nach der Währungsreform auf die Kralle und ab ging die Post.

    Aber so etwas will ja heute keiner mehr haben.
    Obwohl es nicht das Schlechteste wäre.

    Mit Europa liegt er wahrscheinlich falsch.

    Obwohl er in seinen Büchern realistisch den Untergang Europas begründet hat, kann er diese Meinung heute nicht mehr vertreten.

    Aber dafür gibt es im Handelsblatt andere Autoren, die das anders sehen und auch zu Wort kommen - so wie wir beide!

  • Natürlich hatte Kostolany recht damit, daß man eine vernünftige Anlage tätigt und sich dann beruhigt schlafend über garantierten Wertzuwachs freuen kann.

    Viele Anleger haben aber nicht in die beste Asset-Klasse investiert.

    Anstatt Gold und Silber zu kaufen, haben Sie Aktien gekauft und dabei entweder nur Sparbuch-Renditen eingefahren oder viel Geld verloren.

    Der Handelsblatt-Vergleich zeigt, daß die Edelmetall-Käufer Renditen erzielt haben, von denen Aktienbesitzer nur träumen können.

    Jeder intelligente Anleger hätte doch spätestens nach der Lehmann-Pleite sehen müssen, wo der Zug hinfährt.

    Nämlich zum ungesteuerten Gelddrucken zur Alimentation der EU-Pleitegeier, die niemals ihre Schulden tilgen werden (genausowenig wie die Deutschen).

    Frischgedruckte Billionen entwerten das Papiergeld - Edelmetalle dagegen erhalten ihren Wert.

    Die der Inflation und der Wahnsinnsverschuldung folgenden unvermeidbaren Finanz- und Wirtschaftskrisen werden selbstverständlich zum nächsten Aktiencrash führen.

    Ein Aktienbesitzer kann deswegen auch nicht ruhig schlafen.

    Oder hat irgend jemand schon einmal einen Aktienhändler an der Börse schlafen gesehen?

  • Man schaue sich Nestle an
    Man schaue sich Buffet an

    Erste Wahl
    Kaum Beiträge in Foren
    Kaum Anal lysten Empfehlungen
    Keit Hot Stock
    Nur solide Geschäfte
    und die Schlaftabletten funktioniernen doch

  • "Aber Steingart hofft: Europa werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. "Wir erleben die Geburt der Vereinigten Staaten von Europa.""

    Liest er seine eigene Zeitung nicht? Empfiehlt das HB gar wieder den Kauf der Anleihen von Griechenland - aus Gruenden...

    "Wir erleben die Geburt der Vereinigten Staaten von Europa."

    Wir erleben nur ein Chaos, welches dem deutschen Buerger sehr viel kosten wird und schon tut.

    Welche Geburt??? Die der Transferunion???

    Wie auch immer, die Ausrichtung des HB scheint damit klar.

  • Die "Vereinigten Staaten von Europa" sind eine Schimäre und werden auch eine solche bleiben.
    Die beiden Atommächte Frankreich und UK werden niemals die Befehlsgewalt über ihre Armeen an eine Brüssler Regierung delegieren und eine gemeinsame Armee gehört nun eimal zu einem Bundesstaat mit zentraler Regierung ,zu dem nach den Vorstellungen der Fundamentaleuropäer der gegenwärtige Staatenbund zu mutieren hat.
    Europa wird auch in Zukunft ein Staatenbund bleiben in dem die europäischen Staaten ihre jeweiligen Interessen mehr oder weniger vernünftig auszubalancieren haben.
    Ob der Euro in seiner jetzigen Ausgestaltung bestehen bleibt, kann niemand wissen, auch nicht die EZB-Oberen, die jetzt noch glauben sie könnten nach den Rezepten der FED verfahren und mit Geldschwemmen die Klippen umschiffen, die die europäischen Staaten mit ihrer maßlosen Verschuldungspolitik selber geschaffen haben.

  • Wenn Sie mal nicht irren, Herr Steingart. Ich sehe die "Vereinigten Staaten von Europa" definitiv nicht. Der Grund ist ganz einfach: Fragen Sie mal die Bevölkerungen in den Nationalstaaten. Wer die VSE will, kriegt die EUSSR!
    Nein danke! Besser, dieser ganze Laden fliegt auseinander! Man kann kein politisches Konstrukt errichten, das ausschließlich auf dem Brechen von Verträgen und geltendem Recht basiert!

    Aber der Steingart hat ja auch mal griechische Anleihen zum Kauf empfohlen. Mag jeder selbst einschätzen, was das bedeutet in Bezug auf Urteilsfähigkeit. So hat das HB hier nichts zu editieren...

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