Europas Märkte laufen besser als die amerikanischen
Ölaktien sorgen für positive Quartalsbilanz an den Börsen

Europas Börsen haben das zu Ende gegangene erste Quartal mit einem Gewinn von durchschnittlich fast vier Prozent beendet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kam auf ein Plus von zwei Prozent. In den USA setzte sich hingegen die negative Entwicklung aus dem Vorjahr fort. An der Wall Street verloren die 30 großen Standardwerte im Dow Jones drei Prozent.

HB DÜSSELDORF. Gemeinsam ist allen Märkten, dass ohne den boomenden und schwergewichtigen Energiesektor die Börsen deutlich schlechter abgeschnitten hätten. Denn weltweit stagnierten oder verloren alle übrigen 23 Branchen. Größter Verlierer waren einmal mehr die seit Jahren gebeutelten Technologiewerte.

Branchenschwergewichte wie Royal Dutch, BP und Total kletterten um zehn Prozent und sorgten so für die insgesamt positive Entwicklung. Hinzu kamen Zugewinne bei den übrigen Versorger-Aktien wie RWE oder Eni. Weltweit profitieren die Ölkonzerne von hohen Ölpreisen. Ein Barrel der Sorte Brent kostet seit Wochen über 50 Dollar. Energieexperten hatten das noch bis Ende letzten Jahres allenfalls für kurze Zeit für möglich gehalten. Seitdem jedoch kaum ein Analyst mehr mit deutlich fallenden Preisen rechnet und selbst das Ölkartell Opec Preise von mindestens 40 Dollar für realistisch hält, setzen Anleger verstärkt auf Ölaktien. Der weltgrößte Ölwert Exxon Mobile führt mit einem Plus von 15 Prozent im ersten Quartal die Gewinnerliste im Dow Jones an (siehe Grafik). Gemessen am Börsenwert, löste Exxon den Mischkonzern General Electric als größtes Unternehmen der Welt ab.

Trotz des Kursfeuerwerks bei Ölaktien setzen die meisten Analysten weiter auf den Sektor. Sie empfehlen die großen europäischen Titel mehrheitlich ebenso zum Kauf wie Exxon. Zuletzt erhöhten Lehman Brothers und CSFB ihr Kursziel für die US-Aktie.

Der Ölbranche stehen fast nur Verlierer gegenüber. Mit sechs bis neun Prozent büßten Automobil-, Einzelhandels- und Technologieaktien am meisten ein. Autotitel leiden unter dem harten Wettbewerb und Absatzschwierigkeiten. Hinzu kamen Modellwechsel bei Daimler-Chrysler und Einbußen wegen des starken Euros bei VW. Dadurch erschweren sich die Absätze im Dollarraum.

Die Verluste bei Soft- und Hardware-Konzernen stellen Analysten vor Rätsel. Anders als alle anderen Branchen haben sich Technologie-Aktien von der Talfahrt bis 2003 nicht erholt. Anleger ließ es kalt, dass die Deutsche Telekom, zweitgrößter Verlierer im Dax, im letzten Jahr über vier Mrd. Euro verdiente, die Schulden drastisch zurückführte und auf eine Dividendenrendite von vier Prozent kommt.

Technologie- und Telekom-Aktien sind inzwischen so preiswert wie zuletzt Anfang der 80er-Jahre. Die lange Zeit wegen ihres Wachstums mit einem Bewertungsaufschlag gehandelten Werte weisen heutzutage beispielsweise gegenüber Versorgern einen klaren Discount auf. Viele Investoren haben offenbar kein Vertrauen in diese Aktien, seitdem sie in nur drei Jahren im Schnitt rund 90 Prozent an Wert verloren haben.

Allerdings beschränkten sich die Verluste bei Technologie-Aktien auf große Werte. Unterhalb des Dax legte der Sektor in Deutschland zweistellig zu. Einzelne Titel wie Höft & Wessel, SAS, Steag Hamatech und Maxdata stiegen zum Teil um 60 Prozent. „Bei Tech-Aktien gibt es zwei getrennte Storys. Nischenanbieter präsentieren sich prächtig und profitieren vom Boom der Nebenwerte“, sagt Theo Kitz von Merck Finck.

Wie im Jahr 2004 liefen Nebenwerte den Großen den Rang ab. So stieg der MDax in den ersten drei Monaten um fünf Prozent auf ein Allzeithoch. Der SDax schaffte sogar ein Plus von 13 Prozent. Angesichts steigender Kurse und Bewertungen, die durchschnittlich sogar über denen im Dax liegen, prophezeien die meisten Investmenthäuser den Nebenwerten seit über einem Jahr ein Ende der Hausse.

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